Amazon Vom Buchladen zum Fast-Alles-Verschicker


Als Jeff Bezos vor genau zehn Jahren seinen Buchshop im WWW eröffnete, packte er noch selbst die Pakete. Heute hat er fast 50 Millionen Kunden. Der Name seines Ladens: Amazon.

Kurz nach Gründung der kleinen Firma Amazon.com am 16. Juli 1995 hatte Jeff Bezos alle Hände voll zu tun, mit ein paar Mitarbeitern bis weit in die Nacht hinein Bücher zu verpacken und an die ersten Kunden zu verschicken. Zehn Jahre später wird Bezos als "König des Internet-Handels" gefeiert und führt ein globales Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund sieben Milliarden Dollar und nahezu 49 Millionen Kunden.

Amazon gilt als unbestrittener Marktführer im globalen E-Commerce. Der 2004 erzielte Jahresumsatz von 6,92 Milliarden Dollar liegt weit vor der Nummer zwei in der Liste der Internet-Einzelhändler: Dell verkaufte im vergangenen Jahr Computer und Zubehör im Wert von 3,25 Milliarden Dollar. Nicht zu den Einzelhändern gezählt wird dabei das Auktionshaus Ebay, dessen Mitglieder im vergangenen Jahr Güter im Wert von 34,2 Milliarden Dollar gehandelt haben.

Eigentlich wollte Bezos immer nur Bücher verkaufen und sonst nichts. Aber es dauerte nicht lange, bis die Kunden mehr wollten. "Es begann mit E-Mails von Kunden, die sagten: 'Wir würden auf diese Weise auch gern Musik, DVDs und Elektrogeräte kaufen'", erinnert sich Bezos. Musik und DVDs kamen 1998 in die virtuellen Regale. Ein Jahr später folgten Elektrogeräte, Spiele und Software. Inzwischen bietet Amazon Artikel aus 31 Produktkategorien an; im Weihnachtsgeschäft 2004 übertraf der Umsatz mit Elektrogeräten erstmals das Buchgeschäft. Eigene Niederlassungen gibt es in sieben Ländern, und Bezos will die Internationalisierung weiter vorantreiben.

Amazon als Wegbereiter

Als größte Konkurrenten von Amazon gelten Online-Shops, in denen die Kunden Preise mehrerer Anbieter vergleichen und das günstigste Angebot bestellen können. Dort habe der Kunde aber nicht die Gewähr, dass die Bestellung auch so abgewickelt werde, wie er sich das vorstelle, erklärt der Marktforscher Scott Devitt von der US-Investmentfirma Legg Mason Wood Walker. Amazon hat hingegen ein Jahrzehnt lang eine Vertrauensstellung aufgebaut, die auf zuverlässiger Lieferung und einigermaßen günstigen Preisen beruht. Amazon hat den Weg für viele ähnliche Firmen gebahnt. Aber Devitt sieht den Marktführer davon nicht gefährdet: "Amazon ist immer einen Schritt weiter."

Dazu gehört das "Partnerprogramm" von Amazon mit mehr als 900.000 Teilnehmern, die mit Links auf der eigenen Homepage den Vertrieb vervielfachen oder eigene Shops unter dem Amazon-Dach einrichten. Auf seiner deutschen Web-Site startete Amazon im Juni einen DVD-Verleih, sechs Monate nachdem das Unternehmen zuerst in Großbritannien in dieses Geschäft eingestiegen ist. Damit bereitet sich Amazon auf die sich abzeichnende Konkurrenz zu Netflix vor, das im Mai den DVD-Verleih der Wal-Mart-Geschäfte übernommen hat.

Mit einer planmäßigen Unternehmenspolitik hat Amazon auch schlechte Zeiten überstanden. Als im Jahr 2000 der Dot-Com-Boom an der Börse platzte, wurden 1.300 Mitarbeiter entlassen. Und danach dauerte es mehrere Jahre, bis Amazon wieder Gewinne erzielte.

Auf dem Höhepunkt des Booms der Internet-Wirtschaft hatte Amazon einmal einen Aktienkurs von mehr als 100 Dollar. Jetzt sind es um die 35 Dollar - "eine ungewöhnlich gute Leistung", sagt Bezos mit Blick auf den um Aktiensplits bereinigten Startkurs von 1,50 Dollar.

Elizabeth Gillespie/AP AP

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