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Das Darknet-Protokoll des David S.: "Hallo, ich suche nach einer Glock 17 mit insgesamt 250 Schuss Munition"

Der Amokläufer von München kaufte seine Waffe im Darknet. Die benutzte Glock 17 ist dort extrem schwer zu bekommen. Trotzdem versuchte ein Nutzer monatelang, genau diese Waffe zu ergattern. War es David S.?

Amoklauf München Glock 17

Eine Glock 17: Eine Waffe diesen Typs benutzte David S. beim Amoklauf in München. Warum wollte er genau diese Waffe kaufen.

Der Amoklauf von München war keine spontane Tat. Der vermutliche Täter David S. hatte seine mörderisches Vorgehen mehr als ein Jahr vorbereitet, stellte die Polizei bei Ermittlungen fest. Die Tatwaffe stammte demnach aus dem Darknet. In einem Forum im diesem dunklen Teil des Internets versuchte der Nutzer "Maurächer" immer wieder genau dieses Waffenmodell zu kaufen - am Ende wohl mit Erfolg.

"Hallo, ich suche nach einer Glock 17 mit insgesamt 250 Schuss Munition", so beginnt der Post von "Maurächer" in einem einschlägigen Darknet-Forum. Das soll vorgeblich Raum für unzensierte Gespräche bieten, völlig selbstverständlich werden aber auch im großen Stil Drogen gehandelt - und eben auch Waffen.

2300-2600 Euro für eine Glock und Munition

Eine davon will "Maurächer" kaufen. Ersatzmagazine würde er ebenfalls nehmen, schreibt er. Ein Verkauf über einen Treuhanddienst, Escrow genannt, sei für ihn Pflicht. 2300-2600 Euro rechnete er für  das gesamte Paket, gezahlt in Bitcoin.

Der Waffenkauf scheint nicht so leicht zu sein, wie "Maurächer" es gerne hätte. In einem anderen Post regt er sich über die zahlreichen Betrugsversuche auf: "Von Mai bis Dezember gab es insgesamt 4 Waffenhändler, die Glocks 'verkauft' bzw. an Glocks 'rankommen' konnten. Jedoch stellte sich mal wieder heraus, dass das alles Scamversuche bzw. Scamer waren. Ich hoffe doch wirklich nicht, dass man Jahre warten muss, um einen 'wahren' Waffenhändler finden zu können, der eine gute Glock 17 anbieten wird."

Auffällig: "Maurächer" wollte unbedingt eine Glock. Obwohl andere Nutzer ihm sehr klar sagten, dass man an diese Waffen kaum kommen würde und er lieber auf ein vergleichbares Modell umsteigen sollte: "Maurächer" beharrte auf die Glock. Monatelang.

+++ Wie das Darknet funktioniert, haben wir hier für Sie erklärt +++

Die gleiche Waffe wie Breivik

Warum aber dieses Modell? Womöglich weil hier der Münchner Amokläufer seine Tatwaffe suchte. Dass es sich bei Maurächer um David S. handelt, ist natürlich nicht hundertprozentig erwiesen. Vieles spricht aber dafür. S. hatte exakt diese Waffe benutzt, auch die Munitionsmenge entspricht etwa den 300 Schuss, die die Polizei im Rucksack des Täters gefunden hatte.

Und auch das Waffenmodell hatte David S. nicht aus Zufall gewählt. Er war geradezu besessen von Anders Behring Breivik und dem Massaker, dass der Rechtsterrorist auf der norwegischen Insel Utøya verübt hatte. Breivik hatte zwar ein Sturmgewehr dabei gehabt, konnte es aber wegen Ladehemmungen nicht mehr benutzen. Die meisten Opfer tötete er daher mit seiner Pistole - einer Glock 17. Es war nicht die einzige Parallele zwischen den beiden Taten. Eine Zusammenfassung finden Sie hier.

"Maurächer" suchte aber nicht nur nach Waffen. Auch Informationen zur verschlüsselten Kommunikation und eine gekaperte Packstation waren gefragt. Die werden in den Tiefen des Darknet ebenfalls gehandelt, sie sind auf unwissende, unschuldige Bürger registriert und dienen dazu, illegale Waren mit wenig Risiko für die Beteiligten zu verschicken. Ein Nutzer namens "Monsterkiller" konnte wohl helfen, "Maurächer" hinterlässt ihm wie bei Ebay oder Amazon üblich eine Bewertung und vergibt die volle Punktzahl.

Wer verkaufte die Glock?

Am Ende war der Suchende wohl erfolgreich. Auch in dem Forum ist man sich sicher: Bei "Maurächer" muss es sich um David S. gehandelt haben. Wer ihm die Waffe verkauft hat, ist zwar nicht dokumentiert, scheint dort aber als offenes Geheimnis gesehen zu werden. "Müsste doch langsam auch dem letzten klar sein, von wem die Glock stammt" schreibt da ein Nutzer in Bezug auf den Amoklauf. Und bekommt von einem weiteren Nutzer Recht gegeben. Nun müsste nur noch die Polizei wissen, von wem die beiden sprechen.

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mma