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Gehacktes Seitensprungportal Verratene "Ashley Madison"-Nutzer starten Millionenklage


Hacker haben die Daten von rund 33 Millionen Nutzern des Seitensprungportals Ashley Madison ins Internet gestellt.  Darunter 300.000 deutsche Emailadressen. Mehr als hundert Bloßgestellte wollen nun eine Sammelklage gegen die Sexseite einreichen.

Sie wägten sich sicher auf ihrer Suche nach dem schnellen, anonymen Seitensprung oder gar einer längeren, aufregenden Affäre. Denn eines versprach die Internetseite Ashley Madison: Anonymität. Nun stehen die Daten von rund 33 Millionen Nutzern jedem zugänglich im Internet. Name, Wohnort, Telefonnummer und sexuelle Vorlieben: Von der einstigen Anonymität ist nicht mehr viel übrig. Unter den Emailadressen sollen auch 309.000 mit der deutschen Endung .de sein, wie das Handelsblatt von dem Sicherheitsunternehmen Trustify.com erfuhr.

Mehr als hundert kanadische Nutzer proben nun den Aufstand und wollen eine Sammelklage in Höhe von 760 Millionen Kanadischer Dollar (etwa 506 Millionen Euro) gegen die Betreiber des Portals einreichen. Sie werfen Ashley Madison vor, dass nicht genug dafür getan worden sei, die sensiblen Nutzerdaten zu schützen. Laut Informationen von "Vice News" hätten einige Nutzer dem Portal sogar Geld dafür bezahlt, ihre Daten unwiderruflich zu löschen. Nur, um sich dann Monate später am Online-Pranger wiederzufinden.

Eliot Shore, ein Mann aus Ottawa, ist bislang der einzige Kläger, der sich öffentlich zu Wort meldet. Er habe sich nach dem Tod seiner Frau auf der Seite angemeldet, weil es ihm schwer gefallen sei, neue Kontakte zu knüpfen. Zu einem Treffen mit einem anderen User sei es aber nie gekommen. Er finde es ungeheuerlich, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Sein Anwalt Ted Charney sagt, es sei nicht schwierig gewesen, weitere Kläger für den Fall zu gewinnen.

Hacker drohen mit weiteren Angriffen

Hacker hatten die empfindlichen Daten bereits vor einem Monat erbeutet und damit gedroht, sie online zu stellen, sollte das "Betrüger"-Portal nicht "umgehend und dauerhaft" schließen. Die Betreiber der Seite schenkten der Drohung nicht ausreichend Beachtung und so wanderten die Daten am vergangenen Dienstag ins Internet. Am Freitag folgten dann weitere Informationen, wie etwa Geschäfts-E-Mails von Portal-Chef Noel Biderman sowie die Quellcodes für alle Internetseiten, mobile Anwendungen und andere Informationen über Ashley Madison. Experten stuften die veröffentlichten Daten als echt ein.

Doch noch geben die Hacker keine Ruhe und kündigen weitere Cyberattacken an. Nicht nur Websites, sondern "alle Unternehmen, die hunderte Millionen damit machen, dass sie von den Schmerzen, Geheimnissen und Lügen anderer profitieren" könnten Ziel weiterer Angriffe werden, erklärte die Gruppe namens The Impact Team in einem am Freitag veröffentlichten Email-Wechsel mit der Medien-Website Motherboard.

Katharina Gipp (mit AFP)

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