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Nach Ashley-Madison-Hack: Schock bei den Fremdgehern: "Es wird die Scheidung geben, ohne Frage!"

32 Millionen Fremdgeher wurden von Hackern enttarnt. Nun herrscht bei vielen die nacke Panik: Einige hadern, ob sie ihre Affären zugeben sollten, andere haben Angst vor der Scheidung. Einige Betroffene haben erstmals über ihre persönliche Krise gesprochen.

Die Hacker haben ihre Drohung wahrgemacht: Knapp einen Monat nachdem die Datenbank des Fremdgehportals Ashley Madison geknackt wurde, veröffentlichten Cyberkriminelle die Daten von 32 Millionen Nutzern im sogenannten Darknet, ein Netz anonymer Untergrundseiten. Nun sitzt der Schock tief bei den Nutzern, die sich stets auf die Anonymität des Seitensprung-Dienstes verlassen haben.

Ängste eines Fremdgehers

Das US-Portal "Fusion" hat mit 24 Opfern der Hackerattacke gesprochen. Eines von ihnen ist Tom. Er fand auf Ashley Madison immer wieder neue Affären, mit denen er seine Frau - beide sind seit über 20 Jahren verheiratet - betrügen konnte. Als er von der Hackerattacke in den Nachrichten hörte, löschte Tom sofort seinen Account und betete, dass er verschont bleiben möge.

Vergebens: Sein Name findet sich neben Millionen anderen in einer knapp 9,7 Gigabyte großen Datei. Es gibt keinen Zweifel, dass es sich um ihn handelt: Neben seinem vollständigen Namen stehen die Adresse, sein E-Mail-Account und die letzten vier Ziffern der Kreditkartennummer. Jetzt klammert sich Tom, der im echten Leben anders heißt, an den letzten Strohhalm: Er hofft, dass seine Frau nie in der Datenbank nach seinem Namen sucht. "Das würde meine Ehe zerstören."

"Das Besondere an diesem Leak ist die Tatsache, dass es sich um einen öffentlichen Pranger handelt", erzählt Tom der Reporterin von "Fusion" in einem Telefoninterview. "Es wäre etwas anderes, wenn meine Frau in ein Hotel gelaufen wäre und mich auf frischer Tat ertappt hätte. Stattdessen quatsche ich mit einer Reporterin, die meinen Namen und meinen Wohnort kennt und genau weiß, dass ich eine Dating-Seite für verheiratete Menschen genutzt habe." Jetzt ist Tom unschlüssig, ob er alle Karten auf den Tisch legen und seine Affären zugeben soll oder weiter hofft, dass sein schmutziges Geheimnis nie ans Tageslicht kommt.

Das dürfte eine fromme Hoffnung sein: Auch wenn vielleicht nicht die eigene Gattin die Datenbank durchsucht, reicht es im Zweifelsfall, wenn Freunde, Bekannte oder Verwandte den eigenen Namen in der Liste der Fremdgeher entdecken. Der Ruf dürfte so oder so ruiniert sein.

"Es würde die Scheidung geben, ohne Frage"

Tom ist kein Einzelfall, schreibt "Fusion"-Redakteurin Kristen Brown. Viele Nutzer (der Großteil waren Männer) reagierten panisch auf ihren Anruf. Die meisten hatten noch nicht einmal mitbekommen, dass die Daten bereits frei zugänglich im Netz stehen. Einige erklärten, sie hätten sich während einer Beziehungskrise auf der Seite angemeldet, sich mit ihrem Partner aber mittlerweile wieder versöhnt. Nun hoffen sie, dass durch den Datenbank-Leak keine alten Wunden aufgerissen werden. Andere hätten sich nur aus Neugier angemeldet.

Brown sprach auch mit einem Nutzer aus New Jersey. Er meldete sich vor Jahren auf Ashley Madison an, und weil er jung heiratete, hatte er das Gefühl, in seinem Leben etwas verpasst zu haben. Er traf sich mit mehreren Frauen, in eine verliebte er sich.

Er hat bis heute noch Kontakt zu dieser Frau, ist aber nach wie vor noch verheiratet. Über ihn sind nur wenige Informationen in der Datenbank zu finden - er war bei der Anmeldung clever genug, mit einer Geschenkkarte zu bezahlen. Doch wenn seine Frau ihm auf die Schliche kommt, sind ihm die Konsequenzen bewusst: "Es würde die Scheidung geben, ohne Frage!"

Ein anderer Nutzer namens Larry schrieb in einer E-Mail: "Ich dachte, es wäre vorbei. Aber neeeeiiiiiiinnnn, jemand musste alle Informationen in die Öffentlichkeit blasen. Ich glaube, diese Menschen wissen nicht, was sie getan haben."

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