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Facebook und Bing kooperieren: Freunde helfen beim Suchen

Facebook und Microsofts Suchmaschine Bing tun sich zusammen: Suchergebnisse werden mit Bewertungen von "Freunden" angereichert. Die neue soziale Suche ist ein gemeinsamer Angriff auf Google.

Ein Zwerg setzt sich auf die Schultern eines Riesen, um gemeinsam einem noch größeren Riesen Paroli zu bieten: Microsoft und Facebook wollen die Suche im Internet um die Möglichkeiten von sozialen Netzwerken ergänzen. Die Idee ist, dass Einträge in der Trefferliste der Microsoft-Suchmaschine Bing mit Informationen von Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern verknüpft werden. Die Einbindung von Funktionen des sozialen Netzwerks soll die Suche im Internet persönlicher machen und relevantere Ergebnisse liefern. Die neue Funktion wird zunächst nur in den USA eingeführt, heißt es im offiziellen Facebook-Blog.

Bei der Suche im Internet gehe es nicht nur um die Verbindung zwischen Daten, sondern auch zwischen Menschen, erklärte Microsoft bei der Ankündigung des gemeinsamen Projekts. So soll die neue Funktion "Liked Results" auch Einträge auflisten, die Facebook-Kontakte mit dem Vermerk "Gefällt mir" gekennzeichnet haben.

Die personalisierten Suchergebnisse werden bei Bing nur angezeigt, wenn man bereits in Facebook eingeloggt ist, während man Bing aufruft. Dann allerdings kann die Website auf Informationen aus dem Facebook-Profil zugreifen, um auf Basis von Aktivitäten und Kontakten ihre Oberfläche anzupassen. Diese sogenannte Instant Personalization von Facebook ist unter Datenschützern und vielen Nutzern umstritten. Websites, die an diesem Projekt teilnehmen, müssen die Mitglieder nicht um Erlaubnis fragen, ob sie auf ihre Facebook-Profile zugreifen dürfen. Wer damit nicht einverstanden ist, muss sich erst ausloggen, bevor er Bing nutzt. Microsofts Suchmaschine ist das sechste Angebot , das für Instant Personalization ausgewählt wurde.

Suchen wird sozial

"Menschen treffen ihre Entscheidungen immer wieder mithilfe von Informationen ihrer Freunde", erklärte Microsoft und nannte persönliche Empfehlungen für einen Film, ein Restaurant oder ein Mobiltelefon. Mit dem neuen Angebot könne ein Nutzer aus den allgemeinen Suchergebnissen solche herausfischen, zu denen sich der eigene Bekanntenkreis bereits geäußert habe.

Zudem soll es leichter werden, bei Bing seine Freunde und Bekannte zu finden. Beide Unternehmen betonten, dass die Privatsphäre der Nutzer respektiert werde und nur dafür freigegebene Informationen für andere sichtbar seien.

Die Internet-Suche stellt bislang einen Anteil von mehr als 50 Prozent im Milliarden-Geschäft der Online-Werbung. Je größer die Zahl der Nutzer, desto mehr Werbeanzeigen zieht eine Suchmaschine an.

Microsoft ist an Facebook beteiligt

Die soziale Suche bei Bing ist ein weiterer Schritt bei der Zusammenarbeit von Microsoft und Facebook. Der Hersteller des Betriebssystems Windows hatte 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook erworben. Der Preis für dieses Ministückchen vom Facebook-Kuchen betrug 240 Millionen US-Dollar. Eine Summe, die damals von vielen in der Branche als völlig überhöht angesehen wurde. Seitdem haben beide Unternehmen bei der Einbindung von Werbung zusammengearbeitet und das Kartenangebot Bing Maps in Facebooks Ortsdienst Places integriert.

"Die Suche sozialer zu machen, wird personalisierter Werbung einen wichtigen Schub verleihen, für die man deutlich höhere Preise verlangen kann", sagt Medienanalyst Mukul Krishna der "New York Times".

Fachleute werten die Partnerschaft als Versuch von Microsoft, den großen Abstand zum führenden Konkurrenten Google zumindest zu verringern. Das Online-Netzwerk Facebook bringt mit seiner schnell wachsenden Basis aus bereits mehr als 500 Millionen Nutzern ein enormes Netz sozialer Verknüpfungen ein.

Microsoft hat auch nach der Übernahme des Suchmaschinengeschäfts von Yahoo immer noch zu wenig Gewicht in diesem Markt - nach jüngsten Zahlen der Marktforschungsfirma Comscore hatte Bing im September in den USA einen Anteil von 11,2 Prozent, Yahoo erreichte 16,7 Prozent und Google 66,1 Prozent. In Europa ist die Dominanz von Google noch stärker ausgeprägt.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Firesheep: Mit einer Erweiterung für den Firefox beispielsweise Facebook hacken"

Ralf Sander mit DPA
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