Kolumne - Neulich im Netz Genial: Vollbeschäftigung dank Internet


Vorbild Indien: Eben noch auf der Straße und im nächsten Moment in Brot und Lohn. Heerscharen surfen und verdienen sich dumm und dämlich. Neue Hoffnung für zehn Millionen Arbeitslose in Deutschland.

Vorbild Indien: Eben noch auf der Straße und im nächsten Moment in Brot und Lohn. Heerscharen surfen und verdienen sich dumm und dämlich. Neue Hoffnung für zehn Millionen Arbeitslose in Deutschland.

Idyllische Szenerien in Neu Delhi und anderswo. Zufriedene Menschen, lachende Gesichter. Gestern noch knietief im Müll gehaust, heute Speerspitze des digitalen Zeitalters. Dazu braucht es nicht mehr als einen internetfähigen Computer und einen gesunden Zeigefinger, der rund um die Uhr auf Werbebanner klickt. Lohn der Übung: bis zu 200 Dollar pro Monat. Eine ordentliche Stange Geld im Land der heiligen Kühe.

Hochgerechnet auf Hochlohnländer wie die Bundesrepublik verheißt dieser paradiesische Job ungeahnte Verdienstmöglichkeiten. "Superjob: Bis zu 10.000 Euro nebenbei verdienen. Weder Auto noch Führerschein nötig. Nur PC. Auch gut für Hausfrauen", Anzeigen wie diese kennt man aus anderen Branchen zur Genüge, könnten aber schon bald wieder Realität werden, wenn die zweite Wirtschaftswunderwelle über Deutschland schwappt.

Schnell könnte Vollbeschäftigung wieder mehr sein als ein Traum. Mehr als genug Arbeit für alle, Gastarbeiter reisen wieder ein, sind willkommen wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Und 2008 gibt es das zweite Mofa für einen Portugiesen. Diesmal aber mit Elektromotor, voll digital, versteht sich.

Beste Aussichten also, auch wenn Skeptiker despektierlich von Internetsherpas sprechen, die Klick für Klick der Werbeindustrie im Web die Daseinsberechtigung sichern sollen. Besser Sinnloses als gar nichts tun, hallt es von den Optimisten zurück. Dabei gäbe es auch sonst einiges zu tun: Der deutsche Wald müsste wieder ein Mal aufgeräumt werden und auch so mancher Park. Mit dem Umweltbewusstsein ist es hierzulande nämlich nicht besonders weit her. Dazu muss man nicht unbedingt mit spitzem Finger auf die Loveparade mit ihren Jaucheseen und Müllbergen zeigen.

In Indien wäre so etwas undenkbar. Allein schon wegen der Lautstärke.

<a class="link--external" href="mailto:stern@ha-net.de">Thomas Hirschbiegel</a>

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