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Kolumne - Neulich im Netz: Online-Shopping: Die Zukunft ist weiblich

Was wäre die Welt ohne Frauen? Ein kümmerlicher Planet ohne Wärme und Liebe. Nun haben sie einen weiteren Ort entdeckt, an dem sie Gutes tun können: in Onlineshops.

Gäbe es Frauen nicht, der Internethandel deutschlandweit und im Rest von Europa wäre im vergangenen Jahr eine einzige Katastrophe gewesen. Dann nämlich wäre es Essig gewesen mit der Verdopplung der Käuferzahlen. So aber waren es vor allem Frauen, die die Zahl der Webshopper von 30 Millionen im Jahr 2003 auf 60 Millionen hinaufschnellen ließen. Sagen jedenfalls die Marktforscher von Forrester Research.

Auch im echten Leben sind Frauen die besseren Käufer. Sie sind entschlossen, zahlungswillig und haben Spaß beim Shoppen. Sie hinterfragen nicht alles, sondern kaufen, weil es jetzt und hier eben sein muss. Sie genießen es, sich lustvoll an großen Schaufenstern zu reiben und Besitz zu ergreifen von Dingen, von deren Existenz sie wenige Sekunden zuvor nicht einmal eine Ahnung hatten.

Männer leiden

Anders Männer. Von einigen wenigen gesegneten Exemplaren abgesehen, durchleiden sie schlimmste Qualen auf dem Weg durch Boutiquen, Shops und Kaufhäuser. Einerlei, ob real oder virtuell. Wenngleich sie beim Internetshoppingversuch wenigstens vor dem Computer sitzen bleiben können und sich nicht hinaus in verwirrende Warenwelten begeben müssen und obendrein noch einen Parkplatz suchen müssen und das Ticket nicht verlieren dürfen.

Die Höllenqualen sind wissenschaftlich bewiesen. Die Belastung beim Shoppen entspricht dem Stress, den der Pilot eines Kampfjets aushalten muss. Frauen haben damit kein Problem. Sie schauen und kucken und sind nachdenklich und kucken noch einmal, dort oder woanders, und kaufen einfach. Wählen, an die Kasse damit und bezahlen. Und weiter. Egal, ob darüber nun Stunden vergehen oder nur ein paar Minuten. Kein Wunder, dass Frauen die originelleren Geschenke schenken. Und das nicht erst seit dem Internet, sondern wahrscheinlich schon seit Jahrtausenden.

Frauen tun das mit einem Lächeln. Und nun eben auch in Onlineshops. 2004, sagen die Trendforscher, war erst der Anfang. 2005 soll es gerade so weitergehen, ach was, noch viel besser werden. Darauf bereiten sich, sagt eine Studie der Postbank, insbesondere die Hersteller von Wellnessartikeln vor. Denn Frauen kaufen nicht nur Geschenke für andere, sondern denken manchmal auch an sich. Und wenn dann zum Jahresende erstmals eine den Alterungsprozess hinauszögernde Gesichtslotion für ihn abfällt, hat das ja einen schönen Nebeneffekt.

Thomas Hirschbiegel