Kolumne - Neulich im Netz Webshopping de Luxe: Alles nur geklaut


Oma Lottchen wünscht sich den röhrenden Hirsch vor Hambacher Schloss, der Sohnemann eine Playstation2, der schwarzarbeitende Nachbar aus dem Beitrittsgebiet eine größere Bohrmaschine und die pubertäre Clara ihren ersten Vibrator. Kein Problem, gibt's alles im Web für kein Geld der Welt. Schnell bestellt, nicht bezahlt.

Umsatz, Umsatz, Umsatz, japsen alerte Jungmanager. Jene gelgelackten Mountainbiker mit Münchner Cabrios, die die New Economy Dank überirdischer Gnade überlebt haben, pushen den E-Commerce und nehmen es mit der Sicherheit nicht so genau. Bonität halten sie je nach Erfahrungsgrad für elsässisches oder weibliches Weichgebäck und prahlen auf Visitenkartenpartys damit.

Erst bestellen, das mit der Bezahlung klappt schon. Post und Päckchendienste liefern, Rechnung anbei. Nur schade, dass der Name allzu oft nicht stimmt, denn es scheint deutscher Volkssport zu werden, unter falschem Namen und/oder ohne Hirn online zu bestellen, was offline nicht zu finanzieren wäre. Angeblich türmen sich mittlerweile pro Jahr eine Viertel Million solcher Fälle, wo entweder systematisch betrogen oder es dummdreist versucht wird.

Ob grün, gelb, braun oder sonst wie bunt, den Paketdiensten kann es egal sein. Sie sind mutmaßlich die einzigen, die vom Shopping-Wahn im Namen der Maus profitieren.

<a class="link--external" href="mailto:stern@ha-net.de">Guido Augustin</a>

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