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Kolumne: Neulich im Netz: Beamte vernetzt

Dafür muss man das Internet einfach lieben: Alles fängt an mit der Neugierde, was Beamte in Berlin zu Zehntausenden auf die Straße treibt und endet mit einem tiefen Blick durch die blaue Brille in die Hochfinanz.

Dafür muss man das Internet einfach lieben: Alles fängt an mit der Neugierde, was Beamte in Berlin zu Zehntausenden auf die Straße treibt und endet mit einem tiefen Blick durch die blaue Brille in die Hochfinanz.

Da die gemeine Presse ja längst Partie wider das Beamtenwesen ergriffen haben soll, führt der Weg an die Quelle, zum Deutschen Beamten-Bund (DBB) nämlich, zu erreichen unter www.dbb.de. Dort sind die Berlin-Reden des DBB-Chefs Geyer und seines Tarifboxers Dera online gestellt - unter den markanten Titeln »Es reicht« (Geyer) und »Uns reicht's« (Dera) ziehen die beiden mächtig vom Leder. Robert Dera: »Die Schuldenpolitik soll durch die Geiselnahme des öffentlichen Dienstes blutig beendet werden«. Kochen eben alle mit Wasser, nur nicht jeder taugt zum Sterne-Koch. Das hat alles nichts mit blauen Brillen zu tun, und mit rosaroten schon mal gar nicht.

Im Bereich »interaktiv« wird Politik gemacht

Aber auch der Ober-Beamte Geyer setzt Akzente. Wer in seinem Redemanuskript nur die gefetteten Passagen überfliegt, liest viel »wir«, dann diverse »es reicht«, auch in den Varianten »Schnauze voll«, »bis hierhin und nicht weiter«, zum Schluss viele viele »nein« und eine Häufung von »wir fordern«. Wer sich davon motiviert sieht, selbst am Diskurs teilzunehmen, landet im Bereich »dbb interaktiv«. Dort wird Politik gemacht. Beispielsweise kann jeder abstimmen, ob ihm das neue Design der Seite besser gefällt. Oder das Forum zum Thema »Mobbing« wieder beleben, herrscht dort doch seit einem halben Jahr eisiges Schweigen.

Auf dem schwarzen Brett ist richtig was los

Bleibt das schwarze Brett. Zu dem kommt, wer zu Mobbing will. Dort ist richtig was los: Beamtenhasser lassen Dampf ab, Beamtenhasserhasser lassen sich provozieren - und ganz aktuell poltern Streikopfer gegen die Arbeitsniederlegungen, zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr. Mitunter kommt es dabei zu netten Dialogen: Dass »wir Mitarbeiter im öffentlichen Dienst nicht alles schlucken«, unterstreicht ein namenloser Gast. »Sollten sie aber, hält ein anderer Anonymus entgegen, denn «ihre Chefs (die Steuerzahler)» müssten das ja auch. Und manch einer hat nichts mehr zum Schlucken - rund fünf Millionen Menschen. Der DBB hat etwa 1,2 Millionen Mitglieder.

Verzwickt, verzwickt...

Spannend an dem ganzen Hin und Her ist das Prinzip der großen deutschen Gewerkschaften, und jetzt färbt sich der Blick langsam blau. Denn wer über die Webseiten des Beamtenbundes surft, findet dort die »DBB-Stellenbörse«, verlinkt unter der Domain Verwaltungsberufe.de, wo öffentliche Verwaltungen Personal suchen können - für 130 Euro pro Annonce. Allerdings steht nicht der DBB, sondern die IMC GmbH, eine Berliner Agentur, im Impressum. Auf Nachfrage erklärt die Verantwortliche, Frau Beckmann, dass die IMC GmbH eine 100-prozentige Tochter des DBB sei. Denn der DBB dürfe ja für Inserate wie jene auf der neuen Plattform kein Geld verlangen. Aus steuerrechtlichen Gründen.

Jetzt wird's verwirrend

Witzigerweise meldete sich unter der IMC-Nummer zunächst die »BTA«, was für die Betriebs- und Anlegergesellschaft mbH steht, ebenfalls eine DBB-Tochter. Diese wiederum besitzt unter anderem 34 Prozent an der BHW Holding AG, derzeitiger Wert: 156 Millionen Euro. Genau, die BHW ist die mit den blauen Brillen. Die machen Versicherungen, Baufinanzierungen und gute Gewinne, in den ersten neun Monaten des Jahres über 100 Millionen Euro. Und DBB-Chef Geyer sitzt dem Aufsichtsrat vor.

Zu viel ist zu viel

Was zu viel ist, ist zu viel, meint eben dieser Erhart Geyer und erlaubt sich bald nach der Demo die Frage, ob Deutschland wirklich 16 Bundesländer brauche. Vermutlich hat er diesen Denkanstoß mit seinen 38 Untergewerkschaften abgestimmt, zum Beispiel mit dem Bund Deutscher Forstleute (BDF), dem Verband der Beschäftigten der obersten und oberen Bundesbehörden (VBOB), der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und dem Verband der Bundesbankbeamten (VdB), um nur einige zu nennen. Dafür muss man das Internet einfach lieben.

Guido Augustin
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.