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Kolumne Neulich im Netz: Himalaja digital: Weg mit dem Dreck

Ruhe war, als Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay vor 50 Jahren als erste Menschen auf dem Dach der Welt standen. Kein Ton außer dem Atem der Abenteurer und dem Wind, der um den Gipfel des Mount Everest wehte. Das war gestern, heute ist Internet.

Ruhe war, als Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay vor 50 Jahren als erste Menschen auf dem Dach der Welt standen. Kein Ton außer dem Atem der Abenteurer und dem Wind, der um den Gipfel des Mount Everest wehte. Das war gestern, heute ist Internet.

Kein Platz für den Stehschreibtisch

Elektropost schreiben vom Everest, Cisco macht's möglich via Laptop und drahtloser Verbindung. Zwar nicht auf dem Scheitel des Felsens in 8.848 Meter Höhe, weil da nicht auch noch Platz war für einen Stehschreibtisch, den es ohnehin ständig verwehen würde angesichts der steten Böen. Und so als herrenloses Flugobjekt jederzeit beträchtlichen Schaden in einer der unaufhaltsam heranrückenden Touristenkarawanen verursachen könnte. Wohl auch weil einem heutzutage auch Stehschreibtische nicht geschenkt werden, entschloss sich das amerikanische Netzwerkunternehmen, das welthöchste "Cybercafe" in 5.300 Meter Höhe zu eröffnen. Dort im Base Camp treffen sich nun E-Mail-Schreiber aus allen Kontinenten und schreiben der Mutti, dass es kalt ist unter der Lawine und einsam ohne Zehen.

Für den guten Zweck?

Angeblich dient die Gerätebereitstellung nicht nur der Publizität des Unternehmens, sondern auch einem guten Zweck. "Der Großteil der Einnahmen", heißt es in der Pressemeldung, "kommt dem Sagarmatha Pollution Control Commitee zugute, das sich bemüht, den Abfall zu beseitigen, die die wachsende Zahl von Kletterern am Mount Everest hinterlässt." Eine titanische Aufgabe. Allein während der derzeit stattfindenden Jubiläumswochen auf dem Dach der Welt trampeln rund 40 Expeditionen die Pfade rauf und runter. Hunderte von Spaziergängern, Tonnen von Dreck.

Disneyland für Besserverdiener

Rund 2.500 Dollar kostet der E-Mail-Spaß pro Team und Saison, die knapp drei Monate währt. Danach kehrt wieder Stille ein. Bis zur nächsten Saison. Und dann wieder von vorn. Wann die Horden grenzerfahrungsgeiler Besserverdiener schließlich vom Gipfel aus ihre elektronischen Botschaften rund um den Globus schicken, ist letzten Endes ziemlich egal. Denn Disneyland ist längst angekommen am Berg der Berge.

Schade um die Ruhe.

Thomas Hirschbiegel