Neulich im Netz Daten für die Ewigkeit - oder auch nicht


Auf großen Labberdisketten liegen bestimmt unschätzbare Werte. Doch zum Laufen bekomme ich die Dinger nicht mehr. Sei's drum, bald hat es auch mit Bilddaten ein Ende.

Da haben sie uns immer vorgegaukelt, digitale Datenhaltung sei besser, weil ewig haltbar. Theoretisch. Gehen Sie mal in ein Museum, da liegen Bücher oder Schriftrollen, die sind Jahrhunderte, manchmal sogar Jahrtausende alt. Meine jüngsten Fünfeinviertel-Zoll-Disketten sind aus dem Jahr 1998, also noch nicht einmal ein Jahrzehnt alt. Keine Ahnung, ob sie noch gut sind. Ich habe kein passendes Laufwerk mehr. Und ein Freund, der noch eins hat, bekam es auf seiner superduper XP-Mühle mit Platz für Daten von 50.000 Disketten nicht zum Laufen.

Bei Bilddaten wird es noch schlimmer. Die sind zwar da, also etwa auf der Festplatte, aber nicht verfügbar. Zumindest bald nicht mehr. Denn mittlerweile kochen alle Kamerahersteller, die auf sich halten, ihr eigenes Dateiformat-Süppchen und beginnen langsam, die schönen Bilder so zu verschlüsseln, dass sie sich nur mit der hauseigenen Software öffnen lassen. Und die großen Software-Häuser wie Adobe oder Macromedia trauen sich nicht, den Code zu knacken, auch wenn der manchmal im Internet zu haben ist. Denn damit verstießen sie gegen amerikanisches Recht. Das, haben wir gelernt, kann sehr teuer werden.

Da wird man versucht, sich der hochintellektuellen Künstlergruppe Monochrom (www.monochrom.at) anzuschließen, die jetzt mit einem Magnet-Festival floppte. In Los Angeles wollten die kreativen Köpfe mit einem handelsüblichen Elektromagneten möglichst viele Daten fressen. Von Festplatten, MP3-Spielern, Disketten und so weiter. Der Ansturm der Massen mit ihren Datenträgern war aber recht überschaubar. Alles Jäger und vor allem Sammler eben.

Dabei ist das wirklich eine tolle Idee. Wenn die Daten weg sind, brauche ich mir auch keine Gedanken über Kompatibilität im kommenden Leben zu machen. Weil mir der Weg nach L.A. zu weit war, habe ich meine Fünfeinviertel-Zöller in die Mülltonne geschmissen. Wenn ich sie nicht lesen kann, kann's die Stadtreinigung bestimmt auch nicht.

<a class="link--external" href="mailto:stern@ha-net.de">Guido Augustin</a>

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