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Drohender Datenstromverlust

Aus dem beschaulichen badischen Brühl kommt eine Software, die Werbung aus Fernsehsendungen filtert. Und Kolumnist Augustin bekommt eine Fehlermeldung, wonach Microsoft einen »Datenstromverlust« festgestellt habe. Und wenn da ein Zusammenhang besteht?

Da soll einer was gegen den Standort Deutschland sagen: Aus dem beschaulichen badischen Brühl kommt eine Software, die Werbung aus Fernsehsendungen filtert. Und ich bekomme eine Fehlermeldung, wonach Microsoft einen »Datenstromverlust« festgestellt habe. Und wenn da ein Zusammenhang besteht?

Icons aus der Hölle

So hart war mein PC noch nie zu mir. Sein »Datenstrom«: plötzlich weg. Keine Ahnung, wohin. Dabei sollte er nur eine total legale MP3-Datei kopieren - von einem Netzwerklaufwerk auf meinen Desktop. Da kam dieses Fenster: »Datenstromverlust bestätigen«. Und ich dachte, dass mich an Windows-Rechnern wirklich nichts mehr schockieren könnte. Unter der bedrohlichen Überschrift das nie gesehene Symbol eines Papierkorbs, in dem ein Ordner steckt. Und der erhellende Satz: »Die Datei «herr_wenzel.mp3» enthält mehrere Datenströme. Da der Zieldatenträger diese Funktion nicht unterstützt, können einige Daten nicht erhalten bleiben.« und die übliche Gewissensfrage: »Möchten Sie den Vorgang trotzdem fortsetzen?« Da kommt schon Erleichterung auf, dass es überhaupt möglich ist, in dieser aussichtslosen Lage den Vorgang fortzusetzen. Augen zu, Klick auf »Ja«, Herrn Wenzel geht?s gut, Danke der Nachfrage. Zurück zur Werbung.

»Oma, des isch wege dem Ätt-Killa«

Die Firma Cy.Control aus dem Badischen hat den »Adkiller« entwickelt, ein Programm, dessen Name schon wie die Byte-gewordene Apokalypse der werbetreibenden Industrie klingt. Ob die allerdings wirklich fürchten müssen? Das Programm verrät dem Videorecorder, wann Werbung läuft und wann nicht. Wenn nicht, wird nicht aufgenommen. So einfach ist das. Nicht ganz so einfach wird dagegen in manchen Fernsehhaushalten sein, der Oma zu erklären, warum ein rasselnder PC neben ihrem Ohrensessel sein schepperndes Tagwerk verrichten muss. »Des isch«, würden die Brühler in ihrem schwer zu transkribierenden Dialekt rufen »wege dem Ätt-Killa, Oma! Des g'hert soo!« Wer so seine Großmutti beruhigt haben sollte, muss nur noch darauf achten, dass der Rechenknecht auch Internet-Zugang hat. Denn um »Adkiller« anständig zu betreiben, ist eine regelmäßige Verbindung mit dem Web unerlässlich.

»Ich war mal VPS-Signal«

Und eine stabile Infrarotverbindung. Deshalb bitte nicht durch den Lichtstrahl laufen, denn bekanntlich sind solcherlei Verbindungen empfindlich. Wenn Wauzi wedelt, kann's das gewesen sein. Niemand ist perfekt, Technik schon gar nicht. Das Beste zum Schluss: In der Brühler Konzern-Zentrale werden Werbeeinblendungen von Hand markiert. Von echten Menschen, mutmaßlich badischen, denn chinesische oder polnische Leiharbeiter können womöglich nicht zwischen Serienquark und Werbemargarine unterscheiden. Zu riskant also. Eine Studienkollegin war in den Semesterferien VPS-Signal bei Sat.1. Ihr Job: Knopf drücken, wenn eine Sendung anfing. Das ist zehn Jahre her. Hat aber funktioniert, meist ohne Datenstromverlust.

Guido Augustin

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