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Obdachlose geben Bitcoins zu früh aus "Hätten wir doch besser gehungert"


Keine Wohnung, dafür aber Laptops und Smartphones: Drei Obdachlose aus Florida hielten sich mit Bitcoins über Wasser. Doch heute ärgern sie sich, dass sie das digitale Geld für Essen ausgegeben haben.
Von Timo Brücken

Die Bitcoins halfen Jesse Angle, Chris Kantola und Paul Harrison, auf der Straße zu überleben. Dank der digitalen Währung konnten sie sich an Tagen, an denen die Suppenküchen kein Essen ausgaben, eine Pizza oder ein paar Chicken-Nuggets leisten. So lange bis sie wieder eine Unterkunft fanden. Doch heute sagt Angle: "Ich wünschte, wir hätten gehungert." Denn die digitalen Münzen, die die drei damals für Essen ausgaben, wären mittlerweile das Zehnfache wert.

Wie das Magazin "Wired" berichtet waren die drei Männer aus Pensacola in Florida bis vor Kurzem arbeits- und obdachlos. Jobs und Wohnungen hatten sie nicht, dafür aber Laptops und Smartphones, mit denen sie versuchten, kleine Mengen der Online-Währung Bitcoin zu verdienen. Diese wird rein digital, unabhängig von Regierungen und Notenbanken erzeugt, dient im Internet zunehmend als Zahlungsmittel und kann gegen reale Währungen eingetauscht werden.

Tippen zum Geldverdienen

Angle, Kantola und Harrison gingen jeden Tag in den Martin-Luther-King-Park oder zur Stadtbibliothek von Pensacola, wo es kostenloses WLAN gab und sie ihre Geräte aufladen konnten. Ihr Geld verdienten sie zum Beispiel mit Programmen, die dem Nutzer kleine Bitcoin-Beträge überweisen, wenn er sich bestimmte Werbevideos ansieht oder immer wieder mit dem Finger auf eine Schaltfläche tippt. Die Bitcoins konnten sie dann mit einer dritten App in Gutscheine von Restaurants und Imbissläden umtauschen.

Auf diese Weise verdiente das Trio laut "Wired" zwar nur ein paar Cent am Tag, konnte aber dank zusätzlicher Bitcoin-Spenden Lebensmittel für umgerechnet insgesamt 600 Dollar kaufen. Der Wechselkurs der Online Währung ist seit der Einführung 2009 rasant gestiegen. Immer wieder entdecken Nutzer längst vergessene Guthaben, die mittlerweile ein Vielfaches wert sind. Deswegen ärgern sich die drei aus Pensacola, ihre Bitcoins nicht gespart zu haben. "Wir haben 5000 bis 6000 Dollar für Essen ausgegeben!", sagt Kantola.

Doch der Ärger dürfte nicht allzu tief sitzen. Heute können die Männer sich gemeinsam mit einem vierten Freund ein Haus leisten und müssen nicht mehr im Freien schlafen. Und sie versuchen weiter, Bitcoins zu verdienen. Doch das ist schwerer geworden: Die Menge ist begrenzt, und je höher der Wert steigt, desto weniger wollen die Leute ihre Münzen hergeben.


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