Raubkopierer Heißt es bald: "Good bye, 'Good bye, Lenin'"?

Deutsche Filmindustrie gegen Raubkopierer, nächste Runde: Mit einer großen PR-Kampagne sollen das illegale Herunterladen von Filmen auf dem Netz geächtet und das Unrechtsbewusstsein der Täter geweckt werden.

Der junge Mann hat nur Augen für seinen Computer. Dabei wälzt sich seine leicht bekleidete, hübsche Freundin verführerisch auf dem Bett. "Lass den Raubkopien-Schwachsinn - entweder das Bett, oder ich hole die Polizei", warnt sie, bevor eine Stimme aus dem Off erklärt, dass Raubkopierern Freiheitsentzug bis zu fünf Jahren droht. Mit Spots wie diesen und Plakaten will die deutsche Filmindustrie bundesweit auf ihr größtes Problem aufmerksam machen und es eindämmen: die dramatisch zunehmende Filmpiraterie.

Die Zahlen steigen

Die Zahlen sind tatsächlich alarmierend: Allein von Januar bis August 2003 haben 5,1 Millionen Deutsche rund 30,3 Millionen CDs oder DVDs mit Spielfilmen gebrannt - das sind bereits jetzt rund 3,3 Millionen mehr als im gesamten Vorjahr. Nach Berechnungen der Filmwirtschaft beläuft sich der dadurch entstandene Schaden für 2002 auf rund 800 Millionen Euro. Für dieses Jahr wird mit einem Verlust von über einer Milliarde Euro gerechnet.

Das Unrechtsbewusstsein wecken

Die Filmspots und Plakate der auf zwei Jahre angelegten Kampagne mit dem Titel "Raubkopierer sind Verbrecher - eine Initiative zum Schutz des Originals" sollen aggressiv, provokativ und zugleich witzig sein, erklärt Elke Esser, Geschäftsführerin Zukunft Kino Marketing. "Vielen fehlt das Unrechtsbewusstsein, die wissen noch nicht einmal, dass das Kopieren verboten ist", sagt Esser. Natürlich wisse sie auch, dass eine Kampagne so provokativ und überzogen sein könne wie sie wolle - mit professionell organisierten Raubkopierern komme man so natürlich nicht in Kontakt.

Vielmehr werde angestrebt, mit der "breiten Öffentlichkeit" ins Gespräch zu kommen. Vor allem Lehrer, Erzieher und Eltern sowie diejenigen, "die kein Problem haben, auf dem Flohmarkt Kopien zu kaufen oder einfach aus dem Netz herunterzuladen", sollen angesprochen werden.

Krasse Plakate

Neben einem weiteren Filmspot sind es Plakate mit fünf verschiedenen Motiven, die für Aufsehen sorgen sollen. Eines zeigt Gefängnisinsassen und hat die Unterzeile: "Wir freuen uns auf Euch." Ein anderes zeigt unter der Überschrift "Herr der Ringe" die mit Handschellen gefesselten Arme eines Verbrechers. Übrigens: Zuständige Werbeagentur ist die, die unter anderem auch für die Bundesregierung Werbung macht: "Zum goldenen Hirschen".

Arndt warnt vor den Folgen

"Wenn es so weiter geht, schwimmen unsere Felle davon", warnt Stefan Arndt, Produzent des Erfolgsfilms "Good Bye, Lenin!". Seine Firma X-Filme habe allein durch den Verkauf illegaler Kopien von "Good Bye, Lenin!" rund zwei Millionen Euro verloren. Nach dem Kinostart im Februar seien rund 770.000 illegale Kopien verkauft worden. "Die Leute müssen an dem, was sie geschaffen haben, angemessen beteiligt werden."

Heute sei es via DSL und Internet-Tauschbörsen einfach, die aktuellsten Kinofilme per Mausklick herunterzuladen, sagt Arndt. Eigentlich gebe es zum Zeitpunkt des Kinostarts aber nur eine einzige legale Möglichkeit, den Film zu sehen: den Kinobesuch.

Forderungen an die Provider

Der Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher, Johannes Klingsporn, forderte darüber hinaus eine Verschärfung des Urheberrechtsgesetzes: Der Filmwirtschaft müsse gegenüber den Providern ein besonderes Auskunftsrecht eingeräumt werden, um den "Diebstahl geistigen Eigentums" einzudämmen. Die entsprechenden Provider müssten die Klarnamen derjenigen nennen, die illegale Kopien ins Netz stellten und vertrieben.

Nach der vor zwei Wochen von der Filmförderungsanstalt veröffentlichten "Brenner-Studie 2" lädt sich jeder zweite Konsument Filme aus dem Internet herunter, bevor diese im Handel verfügbar sind, jeder Vierte "zieht" sie sich bereits vor dem Kinostart aus dem Netz. Das geht natürlich auf Kosten der Filmwirtschaft, die massive Einbrüche bei Besucher- und Umsatzzahlen beklagt - in den ersten neun Monaten dieses Jahres kamen lediglich 102 Millionen Kinofans und damit 14 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sank der Kinoumsatz um 13,3 Prozent auf 584,1 Millionen Euro. Die Studie basiert auf den Aussagen von 10.000 Personen.

Holger Mehlig, AP AP DPA

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