VG-Wort Pixel

Verbraucherschützer gegen Magier Ebay verbietet Hokuspokus am anderen Ende der Welt


Keine Zauberei mehr in Amerika: Das Internet-Auktionshaus hat Magiern ihr Handwerk auf dem Portal untersagt. Auf der deutschen Seite ist es noch erlaubt. Verbraucherschützer warnen.
Von Malte Arnsperger

Sind Sie vielleicht verflucht? Ist es ein böser Zauber, der auf Ihnen lastet und der dafür sorgt, dass Sie Ihren Job verloren haben oder Ihr Haus abgebrannt ist? "Madame Avalon" kann es herausfinden. Für einen Euro prüft sie, "ob ein Fluch vorliegt oder nicht". Ganz wichtig zu wissen: In dem Preis ist das "Entfluchungsritual nicht enthalten". "Madame Avalon" heißt eigentlich Beate Trieschmann und ihre magischen Dienste kann man über ebay.de buchen. Noch, denn in den USA will das Internet-Auktionshaus künftig keinen Zauber mehr auf seinen Seiten.

Seit dem 1. September dürfen einige metaphysische Angebote nicht mehr auf ebay.com platziert werden. Schluss also mit dem Lesen von Tarotkarten oder dem Verkauf von Verzauberungssprüchen. "Wir wollen einen vertrauenswürdigen Marktplatz anbieten. Die Kunden sollen sich wohl fühlen und mit einem guten Gefühl einkaufen. Wenn es eine Kategorie gibt, die nicht unseren Anforderungen entspricht, dann fliegt sie raus", sagt Devin Wenig, Präsident von Ebay Marketplaces. Weiter heißt es in einer Ebay-Stellungnahme: "Käufer und Verkäufer haben uns mitgeteilt, dass Transaktionen in diesen Kategorien häufig zu Problemen führen, die schwierig zu lösen sind."

Beratung für 9,90 Euro

Probleme zu lösen ist Beate Trieschmanns Spezialität. Behauptet sie jedenfalls. So wie sie auch behauptet, Hohepriesterin, Hexe und Magierin zu sein, eine Tochter Avalons, die eine Blutlinie bis zu Merlins Wurzeln habe. Auf ihrer Ebay-Seite bietet sie für so ziemlich jedes Problem eine Lösung an. Ihre Beratungsbereiche sind unter anderem "Liebe & Partnerschaft", "Ruhestand und Rente", "Traumdeutung" oder "Selbstfindung". Mithilfe der "Ritualmagie mit Zahlencodes" verspricht sie "Gewichtsverlust ohne Diät". Kosten: 29 Euro. Für 9,90 Euro legt sie 35 Minuten lang die Tarotkarten, "präzise & ehrlich". Für denselben Preis beantwortet sie auch folgende Fragen: "Wer ist dein Seelenpartner? Wer ist dein Schicksalsspartner? Wer ist dein Karmapartner?"

Beate Trieschmann kann überhaupt nicht verstehen, dass Ebay in den USA Menschen wie ihr das Handwerk verbietet. "Natürlich kommt es mal vor, dass man mit den Kunden nicht so den Draht findet. Wenn sie blockiert sind, dann komme ich nicht an sie ran." Das passiere aber nur äußerst selten, sagt "Madame Avalon" im Gespräch mit stern.de. Und 99 Prozent ihrer Kunden seien zufrieden mit ihr.

Das stimmt, wenn man den Bewertungen glaubt, die Ebay-Käufer und -Verkäufer gegenseitig abgeben können. Demnach wurde die Magie von "Madame Avalon" in den vergangenen zwölf Monaten 237 mal positiv bewertet, 2 mal neutral, 0 mal negativ. "Sehr gute Beratung sowie genaue Aussagen ! Danke ! Sehr empfehlenswert", schreibt ein Kunde. Aber andere waren, trotz positiver Bewertung, offensichtlich doch unzufrieden: "ausführliche Beratung stimmt nicht !!! Für ein JA der Engel zahlt man 99 €", empört sich ein Kunde. Und einer beschwert sich in etwas fehlerhaftem Deutsch: "schneller beratungstermin - freudliches gespräch- bis jetzt nichts eingetroffen". "Madame Avalon" antwortete ihm: "Geduld....dann kann es auch eintreffen was in den Karten steht."

"Wahrsager und Rattenfänger sind ein Problem"

Genau diesen Konflikt zwischen den oft großen Versprechungen der angeblichen Zauberer und den offenbar wenig magischen Resultaten scheint Ebay in den USA künftig vermeiden zu wollen. "Da hat es in der Vergangenheit wohl vermehrt Probleme bei der Abwicklung gegeben, etwa, ob ein Zauberspruch tatsächlich gewirkt hat", sagt Maike Fuest, Sprecherin von Ebay-Deutschland zu stern.de. Die deutsche Sparte des Internet-Auktionshauses sieht trotzdem keinen Anlass, seine Kunden auf ähnliche Weise zu schützen. So ein Verbot sei zwar nicht ausgeschlossen, derzeit aber nicht angedacht. Der Grund: "Mir sind keine Probleme im größeren Umfang bekannt", sagt Fuest. Auch würden von mehr als 50 Millionen Artikeln auf der deutschen eBay-Seite aktuell nur rund 57.000 Artikel im Bereich Esoterik, Mystik & Magie angeboten. Fuest: "Gemessen am Gesamtangebot hat dieser Bereich also eine untergeordnete Bedeutung."

Aber selbst in der Szene von Magiern und Zauberern wird der Hokuspokus auf Ebay kritisch gesehen. "Wahrsager und ähnliche Rattenfänger sind ein Riesenproblem. Durch das Internet, das den Kontakt zu potenziellen Opfern vereinfacht, hat sich die Situation noch verschlimmert", sagte Ingo Heinemann von der "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit", einem Online-Portal.

stern.de-Anfragen bei einigen Verbraucherschutzverbänden ergaben, dass es noch keine Beschwerden von Kunden über faulen Zauber auf Ebay gab. Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg warnt trotzdem: "Ich kann mir schon vorstellen, warum Ebay dieses Verbot in den USA ausgesprochen hat. Denn ich glaube nicht, dass das Internet der richtige Ort für Lebensberatung und ähnliches ist. Gerade in solchen Bereichen ist ein persönliches Auge-in-Auge-Gespräch enorm wichtig. Ich befürchte, dass manche Deuter und Kartenleger die Notsituation von Leuten ausnutzen, die eigentlich eher eine richtige Psychotherapie benötigen."

Biergeld durch Gespräche mit Toten

Wie banal die angeblichen Zauberer auf Ebay.com agieren, will das "Wall Street Journal Deutschland" herausgefunden haben. Joe Fening, ein 19-jähriger Journalismus-Student aus Missouri, sagte der Zeitung, er habe im vergangenen Jahr über Ebay Gespräche mit Toten verkauft und angeboten, mit Zaubersprüchen Pech von seinen Kunden abzuwehren. Für diese Zaubersprüche habe er nur etwas "herumgegoogelt". Die Angebote seien eine gute Quelle für Biergeld gewesen, die nun leider versiegt sei. "Ich fürchte, jetzt hat mich mein eigenes Glück einmal verlassen."

Für "Madame Avalon" geht es um mehr als um Biergeld. Sie beschäftigt sich seit 2011 hauptberuflich mit der Magie. "95 Prozent meiner Kunden kommen über Ebay zu mir", sagt Beate Trieschmann. "Es wäre ein Katastrophe für mich, wenn sie in Deutschland ein Verbot wie in den USA durchsetzen würden." Aber auch für diesen Fall hat "Madame Avalon" schon eine Lösung parat. "Ich vertraue auf das Universum, dass alles gut wird."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker