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Yahoo: Mit allen Mitteln gegen Microsoft

Der Yahoo-Chef spielt mit den Muskeln: Um dem Werben von Microsoft nicht nachgeben zu müssen, bändelt Jerry Yang mit Google an. Im August muss er bei der Yahoo-Hauptversammlung seine Strategie erklären - doch die Aktionäre haben möglicherweise andere Interessen.

Ein Kommentar von Gerd Blank

Yahoo-Chef Jerry Yang darf sich freuen, die Übernahme seines Unternehmens durch Microsoft scheint endgültig vom Tisch. Microsoft habe kein Interesse mehr an Yahoo. Weder komplett noch in Teilen. Kaum einen Wimpernschlag nach der Absage präsentiert Yang eine Werbepartnerschaft mit Google. Für die kommenden vier Jahre - vorausgesetzt, die US-Kartellbehörden stimmen zu - erscheint auf vielen Yahoo-Seiten von Google verkaufte Werbung. Rund 800 Millionen Dollar soll Yahoo damit jedes Jahr verdienen.

Mit diesem Deal hat sich Yahoo seinen schärfsten Konkurrenten ins Bett geholt - nur um dem Werben einer anderen Braut widerstehen zu können. Für Google ist die Situation sehr komfortabel. Der Marktführer bei Suchmaschinen und Onlinevermarktung bekommt Macht bei seinem direkten Verfolger, ohne sich mit lästigen Verpflichtungen zu plagen. Zwar betonen beide Partner, dass Yahoo nur durch diese Kooperation gestärkt wird und unabhängig bleiben kann. Aber diese Beteuerungen sind nur heiße Luft, denn ohne Google wird Yahoo künftig nicht mehr unabhängig agieren können. Und der Verhandlungsspielraum wird durch eine enge Verzahnung eher eingeschränkt als ausgeweitet.

Aktionäre waren nicht entzückt

Tut Yang seinem Unternehmen mit dieser Entscheidung wirklich einen Gefallen? Die Aktionäre waren jedenfalls nicht entzückt, der Kurs des Unternehmens fiel um satte zehn Prozent. Der Unmut ist zu verstehen, schließlich wurden sie bei der Entscheidung übergangen.

Erst vor wenigen Wochen verschob Yang die Hauptversammlung der Aktionäre auf Anfang August. Er brauchte Zeit, denn bis zu diesem Termin musste er einen Plan entwickeln, der Microsoft vertreiben und die Aktionäre vor vollendete Tatsachen stellen würde. Yang will sich nicht in sein Unternehmen hineinreden lassen, nicht von den Medien, nicht von Microsoft und schon gar nicht vom mächtigen Großaktionär Carl Icahn. Mit breiter Brust zeigte Yang, wer der Boss im Laden ist. Aber er sollte sich seiner Macht nicht zu sicher sein, denn Geschichte kann sich wiederholen.

Zusammen mit David Filo gründete Yang 1994 das Internetverzeichnis "Jerry and David's Guide to the World Wide Web", welches ein Jahr später als Yahoo an die Börse ging. Ende des Jahrtausends übernahm Terry Semel den Chef-Posten. Doch Semel wurde 2007 mit Schimpf und Schande vertrieben: Am Ende seiner Ära verliefen erste Annäherungsversuche zwischen Microsoft und Yahoo im Sande, Fusionsgespräche wurden abgebrochen. Um das Unternehmen wieder voran zu bringen, wurde Gründer Jerry Yang zurück geholt und zum Chef gemacht. Und diesmal verhinderte er die Microsoft-Übernahme.

Natürlich möchte Yang sein Yahoo schützen. Er hat es aufgbaut und zu einem der führenden Internetkonzerne der Welt gemacht. Allerdings könnte es sein, dass er mit seinem Verhalten dem Unternehmen mehr geschadet als genützt hat. Es liegt nun an ihm, auf der Hauptversammlung zu erklären, warum sein Weg der richtige für Yahoo ist.

Ob die Aktionäre dem neuen Kurs folgen werden, bleibt bis zum 11. August ungewiss. Vielen Anlegern wäre eine Übernahme durch Microsoft sehr lieb gewesen, hätten sie doch mehr für ihre Anteile bekommen, als diese eigentlich Wert gewesen wären. Ihnen wird Yang erklären müssen, warum die Verbindung mit Google besser sein soll als eine Ehe mit Microsoft. Und wie die Yahoo-Geschichte zeigt, sollte sich Yang der Zustimmung und seiner Position nicht zu sicher sein.