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Handytarife Die billige Nummer


Seit Aldi auch Mobilfunkkarten verkauft, sinken die Handytarife noch schneller. Die Discount-Anbieter locken sogar mit Gratisgesprächen.

Wenn der Discounter Aldi ein Produkt neu in sein Sortiment nimmt, hat der Preis dafür meist einen Tiefststand erreicht. So ist "Aldi-PC" für viele Deutsche nur ein anderes Wort für "billiger Computer".

Seit Mitte vergangener Woche gibt es in den rund 4000 deutschen Filialen auch Mobilfunkkarten und Handys zu kaufen. Zuvor hatten Billiganbieter wie Simyo, Blau.de und Easymobile mit wenig Service und niedrigen Gebühren monatelang um die Gunst der Mobiltelefonierer gebuhlt. Dieser Preiskampf findet mit dem Start von "Aldi Talk" nun seinen vorläufigen Höhepunkt. Aber ist Aldi wirklich der Preisbrecher?

Mit fünf Cent pro Minute bei Anrufen bei anderen "Aldi Talkern" und 15 Cent für Gespräche ins Festnetz oder zu anderen inländischen Mobilfunknummern und pro SMS scheint der Tarif zunächst recht günstig. Der Kunde muss wie bei allen Discountern in unserer Vergleichstabelle keinen Vertrag abschließen. Es handelt sich um "Prepaid"-Angebote: Ein Guthaben wird vor dem Telefonieren eingezahlt und dann abtelefoniert. Bei Aldi geht das über Karten, die an den Kassen zu haben sind - und zwar "dauerhaft im Sortiment". Allerdings sind die "Starter-Sets" mit der Mobilfunkkarte nur erhältlich, "solange der Vorrat reicht".

Der nächste Discounter folgt bald: Die Plus-Kette bietet im Internet seit zwei Wochen den Tarif Debitel-Light an. Die Gesprächsminute kostet einen Cent mehr als bei Aldi, dafür ist eine SMS vier Cent günstiger. Anfang des Jahres sollen Handykarten auch in den 2800 Filialen der Billigmarktkette zu haben sein. Bei Lidl, dem Dritten im Bunde der großen Discounter, war Ende voriger Woche "eine abschließende Entscheidung noch nicht getroffen", so eine Firmensprecherin.

So aggressiv wie in diesen Wochen wurden Mobiltelefonierer noch nie umworben. Der Kunde, der nur billig telefonieren will, keinen Vertrag abschließen möchte und auch auf das darin meist enthaltene Handy für einen Euro verzichtet, hat die Qual der Wahl. Selbst kostenlose Gespräche mit anderen Kunden desselben Anbieters sind derzeit drin - etwa bei den Internetanbietern Simply und Easymobile. Diese sind allerdings bis Ende Februar 2006 befristet. Wo ein Mobilfunkvertrag endet, kann der Kunde die Karte eines Billiganbieters in das vorhandene Handy stecken und oft günstiger weiter telefonieren. Auf die jetzige Nummer muss er dann allerdings meist verzichten. Lockt der Betreiber bei einer Vertragsverlängerung mit einem neuen Handy, sollte man die in 24 Monaten Laufzeit anfallenden Grundgebühren mit dem Kaufpreis für das Telefon gegenrechnen.

Und wer eine große Familie oder einen kleinen Betrieb hat, sollte besonders auf den Preis für Gespräche zwischen den Kunden eines Anbieters achten. Der reicht von null bis zu fünf Cent bei Aldi und Tchibo. T-Mobile hat bei dem Prepaid-Tarif "Xtra Click & Go" netzinterne Gespräche ebenfalls auf fünf Cent verbilligt. Dafür sind Anrufe in andere Handynetze mit 25 Cent recht teuer. Die günstigsten Anbieter liegen bei 14 Cent. Der Tarifdschungel wird zwar komplizierter, aber das mobile Telefonieren immer billiger. Wenn das keine frohe Botschaft ist.

Dirk Liedtke print

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