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Preissenkungen: EU beharrt auf ihren Roaming-Plänen

Die Mobilfunkfirmen wollen die bei Handygesprächen im Ausland fällig werdenden Roaming-Gebühren reduzieren. Trotz dieses Entgegenkommens will die EU-Kommission eine entsprechende Verordnung umsetzen.

EU-Medienkommissarin Viviane Reding hält ungeachtet von Kritik und Preissenkungen der Mobilfunkanbieter an einer EU-Verordnung für niedrigere Preise für Handy-Gespräche im Ausland fest.

Nach Vodafone und T-Mobile kündigte auch O2 an, die Roamingpreise zu senken. Die Telefonunternehmen haben bis Freitag Zeit, zu Redings Plänen Stellung zu nehmen. Sie will gesetzlich dafür sorgen, dass bis zum Sommer 2007 Handygespräche in ausländischen Netzen nicht mehr kosten als im Heimatnetz. Die Gruppe der nationalen Regulierungsbehörden in der EU erklärte, sie unterstütze zwar die Ziele der Kommission, habe aber deutliche Bedenken gegen den eingeschlagenen Weg dahin.

Erste Angebote mit Einheitspreis

O2-Kunden sollen für diesen Sommer eine kostenlose Option buchen können, die ankommende und abgehende Gespräche für 59 Cent pro Minute ermöglicht. Dies sei eine Preissenkung von bis zu 60 Prozent, erklärte das zur spanischen Telefonica gehörende Unternehmen. Vom Herbst dieses Jahres an will O2 eine Tarifoption für häufig ins Ausland reisende Kunden anbieten, die sich eher an Redings Plänen orientiert. Damit sollen ankommende Gespräche in 17 europäischen Ländern umsonst sein und abgehende Gespräche ähnlich viel kosten wie in Deutschland. Allerdings muss der Tarif für jeweils einen Monat für ein bestimmtes Land gegen eine Gebühr aktiviert werden. Redings Pläne sind aber noch weitergehender: Danach wären ankommende Gespräche in allen 25 EU-Staaten umsonst.

Kritik an Ausmaß der Regulierung

Die nationalen Regulierungsbehörden wandten sich dagegen, die Endpreise für den Kunden vorzuschreiben. Die Regulierung solle sich auf die Großhandelspreise zwischen den Mobiltelefongesellschaften beschränken, forderten sie. Nur wenn die Unternehmen die Preissenkungen dadurch nicht an ihre Kunden weiter geben, sollten auch die Endpreise reguliert werden.

Reding ist nach Worten ihres Sprechers aber weiter entschlossen, im Juli eine EU-Verordnung von der Kommission annehmen zu lassen, die ihren ursprünglichen Plänen folgt. Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hatte erst diese Woche die Senkung der Roamingpreise als ein Beispiel genannt, wie die EU die Bürger von ihrem Nutzen überzeugen könnte. Mit ähnlichen Initiativen auch gegen hohe Kreditkartengebühren und gegen Wettbewerbshürden bei Versicherungen will die Kommission in der Bevölkerung für Vertrauen werben.

Auch die Preissenkungen der Telefonunternehmen würden die Kommission nicht aufhalten, sagte Redings Sprecher. Falls die Unternehmen die Preise selbst weiter senken, dann schade die EU-Regelung nicht. Falls Reding ihre Pläne aufgeben würde, sei allerdings der Druck für Preisanpassungen weg. Er betonte, die Unternehmen sollten auch weiterhin Gewinne machen können. Allerdings müssten übertriebene Aufschläge beseitigt werden.

Preissenkungen sollen schnell umgesetzt werden

Bei der Regulierung der Endpreise werde die Kommission den nationalen Regulierern nicht folgen, sagte ihr Sprecher. "Da haben wir eine Differenz." Die Kommission wolle sofort sicher stellen, dass Preissenkungen auch beim Kunden ankommen. Es seien die nationalen Regulierer gewesen, die in der Vergangenheit bemängelt hätten, dass Preissenkungen zwischen den Telefonunternehmen nicht an die Telefonkunden weitergegeben worden seien. In anderen Bereichen werde die Kommission wahrscheinlich aber Hinweise der Regulierergruppe aufgreifen.

Reuters / Reuters