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Sony Ericsson K850i: Mein Handy, seine Macken und ich

Hightech kann auch anstrengend sein. Mit dem einst sündhaft teuren Sony Ericsson K850i führte ich für eineinhalb Jahre eine On-Off-Beziehung: Ganze neun Mal gab das Handy den Geist auf und musste ausgetauscht werden. In einer beispiellosen Hass-Liebe wurde die Gadget-Schwärmerei zum Albtraum.

Von Dominik Lechler

Mein Sony Ericsson hatte über die Jahre so einige Macken

Mein Sony Ericsson hatte über die Jahre so einige Macken

Es fing alles ganz friedlich mit diesem erwartungsvollen Kribbeln an, das man immer hat vor dem ersten Aufeinandertreffen. Als mein Mobilfunk-Vertrag im Herbst 2007 auslief, geriet die Fahndung nach einem frischen Telefon für mich, den bekennenden Fan des neuesten technischen Schnickschnacks, zu einer Art Lebensaufgabe. Doch all die aufmerksame Marktforschung wurde nichtig, als ich es sah: Es war Liebe auf den ersten Blick. Eine 5-Megapixel-Kamera, flottes Internet für unterwegs und ein sexy Design ließen das Sony Ericsson K850i nach einem Volltreffer aussehen. Bei der vorsichtigen Kontaktaufnahme über meinen Vertragspartner Vodafone erhielt ich zunächst eine Abfuhr. Im August 2007 vertröstete man mich auf den nächsten Monat, denn das Gerät durchliefe im Moment noch ausgiebige Qualitätstests bei Vodafone. Im September sagte man mir dasselbe. Inzwischen kribbelte es schon ganz schön.

Als ich mein Objekt der Begierde dann Mitte Oktober endlich in der Hand hielt, konnte ich mir sicher sein: Hier stimmt die Qualität. Und tatsächlich schien das Sony Ercisson K850i in den ersten Monaten wie ein Gerät, mit dem man alt werden konnte: Wir wuchsen zu einem unzertrennlichen Paar zusammen. Hätte ich geahnt, welch anstrengende On-Off-Beziehung mir mit diesem Handy in den nächsten eineinhalb Jahren bevorstehen würde - ich hätte die rosa Brille sicher ganz schnell abgesetzt.

Der Schein trügt

Denn allzu bald wurde klar: Der Schein hatte getrogen. Mit einem Mal fühlte sich mein K850i irgendwie fremd an, wenn ich es berührte. Der Grund war schnell ausgemacht: Eine der Sensortasten des Touchscreens funktionierte nicht mehr. Das war ziemlich nervig, denn so konnte ich nur noch über umständliche Menünavigation ins mobile Internet. Also trat ich den Weg zum Vodafone-Shop an und brachte mein Anliegen vor. "Kein Problem", hieß es dort. "Wir tauschen es aus. Sie müssen sich auch nur für zwei Tage davon trennen." Ich schluckte. Trennung? Doch was hatte ich schon für eine Wahl? Schweren Herzens gab ich das defekte Gerät in die Hände von Vodafone. Für zwei Tage musste ich auf meinen alten Klapphandy-Klotz zurückgreifen - die Beziehung zum K850i stand zum ersten Mal auf "off".

Dementsprechend groß war die Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen. Und umso größer die Enttäuschung, als auch Handy-Ausgabe Nummer zwei unser Verhältnis einer Belastungsprobe unterzog. Schon bald verabschiedeten sich auf Grund eines Software-Fehlers sämtliche Anwendungen wie GoogleMaps, TrackID oder der PhotoDJ. Das war mehr als nur ein Schönheitsfehler, und so gab's das gleiche Spiel noch mal: Vodafone zeigte sich erneut kulant und schickte mir nur zwei Tage später ein werksneues Gerät nach Hause. On, off.

Anrufe aus der Hosentasche

Als ich nur einen Tag später mit K850i Nummer drei erneut im Vodafone-Shop stand, war aus Liebe erstmals Hass geworden. Verständlich, wie ich finde, denn dem wohlgemerkt werksneuen Handy war nur Stunden, nachdem ich es ausgepackt hatte, eine Taste abgebrochen. Zu allem Überfluss auch noch die Sternchen-Taste, weshalb die Tastensperre nicht mehr funktionierte und ich folglich andauernd Leute aus meiner Hosentasche anrief. Meine Wut richtete sich jetzt nicht mehr allein gegen Sony Ericsson, sondern auch gegen Vodafone: War nicht die Rede von monatelangen Qualitätstests gewesen? Wie konnte es dann sein, dass mir ein brandneues K850i nach ein paar Stunden auseinanderfiel? Auch bei Vodafone zeigte man sich leicht verwundert. Trotzdem bekam ich nur einen Tag später bereits Handy Nummer vier. Dass der freundliche Vodafone-Mitarbeiter mir an jenem Tag eine kleine, aber entscheidende Information vorenthielt, sollte ich erst ein Jahr später herausfinden.

Bis es so weit war, wandelte sich mein einstiges Handy der Träume immer häufiger zum Albtraum-Auslöser. Heute, eineinhalb Jahre nach Vertragsabschluss, besitze ich mein neuntes Sony Ericsson K850i - alle vorangegangenen Modelle haben auf die eine oder andere Weise den Geist aufgegeben. Immer öfter wurde aus "On" ein sprichwörtliches "Off", immer öfter musste ich mit meinem alten Klapp-Handyklotz Vorlieb nehmen. Wenigstens funktionierte das immer, wenn ich es mal brauchte.

Spätestens bei Handy Nummer fünf wäre der eine oder andere vielleicht auf die Barrikaden gegangen und hätte bei Vodafone ein gänzlich anderes Gerät verlangt. Doch immer, wenn mein K850i mal funktionierte, flammte die alte Liebe wieder auf: Schicke Fotos und Internet, wo immer man geht und steht ließen mein Herz noch immer höher schlagen. Und vielleicht war auch ein wenig Stolz dabei: Einfach aufgeben war noch nie mein Ding gewesen, schon gar nicht im Kampf gegen die Technik. Und vielleicht, so redete ich es mir zumindest ein, machte ja auch ich Fehler.

Man kannte mich längst beim Namen

Als ich mit dem defekten Handy Nummer acht (es hatte sich urplötzlich ausgeschaltet und war partout nicht mehr anzukriegen) im Vodafone-Shop auftauchte, kannte man mich längst beim Namen. Die freundliche Kundenberaterin, auf die ich an jenem Tag traf, wollte nach einem Blick auf meine Kundenkartei das ein Jahr zurückliegende Versäumnis ihres Kollegen ausbügeln. "Sie wissen schon, dass Ihnen nach dem dritten defekten Gerät ein neues aus unserem Sortiment zusteht, oder?" Ich musste wohl etwas verdattert aus der Wäsche geguckt haben, denn sie hakte nach: "Hat Ihnen das bisher noch niemand gesagt?"

Natürlich hatte mir das bis dato niemand gesagt, nicht bei Handy-Tausch Nummer sieben und schon gar nicht bei Umtausch Nummer drei. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass es an der Zeit war, einen Schlussstrich zu ziehen. Ich war das ewige Hin und Her satt! Weil man mir zusicherte, dass der Wechsel auch dann kein Problem sei, wenn ich bereits ein neues K850i hätte, ließ ich mir erstmal ein neues nach Hause liefern. In der Zwischenzeit kramte ich den Handykarton und sämtliches Zubehör hervor, das mit abgegeben werden musste. Nichts sollte mich mehr an meine verflossene Hass-Liebe erinnern.

Am nächsten Tag schlug ich wieder im Vodafone-Shop auf und war frohen Mutes, dieses unselige Kapitel beenden zu können. Als ich einem Mitarbeiter mein frisch ausgetauschtes K850i hinhielt, und nach einem neuen Gerät aus dem Sortiment fragte, schüttelte der nur den Kopf. "Das geht erst, wenn ihr aktuelles Handy wieder kaputt ist", sagte er. Ich starrte ihn nur an und er zuckte mit den Schultern. "Hat Ihnen das denn niemand gesagt?"

Stellungnahme

stern.de hat den betroffenen Unternehmen vor Veröffentlichung des Artikels eine Möglichkeit der Stellungnahme eingeräumt.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.