Mobiles Surfen Frische Luft fürs Internet


Online geht man längst nicht mehr nur am Schreibtisch oder im Internetcafé. Mobiles Surfen, ob mit Handy oder Laptop, ist eines der großen Themen auf der Cebit. Neue Geräte und günstige Datentarife machen es zum Massenphänomen.
Von Ulf Schönert

Raus jetzt, Surfer! Raus aus dem Büro. Raus aus dem Wohnzimmer, raus auf die Straße, sogar raus aus der Stadt: Das Internet gibt es jetzt überall. Vorbei ist die Zeit, in der Internetnutzer mit Kabeln ans Netz gefesselt waren wie ein Gefangener an die Eisenkugel. Im Bus, im Klassenzimmer, am Strand, im Café, auf der Parkbank, im Stadion, auf dem Berggipfel, im Zug, im Wald: Niemand muss mehr offline sein.

Es sind die modernisierten Handynetze, die das Überall-Surfen möglich machen. Allein in diesem Jahr erwartet der Branchenverband Bitkom eine Zunahme der mobilen Internetanschlüsse von 16 auf 22 Millionen. Wofür das Telefon rund 100 Jahre gebraucht hat - vom kabelgebundenen Kommunikationspunkt zum allgegenwärtigen Begleiter zu werden -, scheint dem Internet nun in einem Bruchteil der Zeit zu gelingen. Es wird flügge.

Wenn am 3. März in Hannover die diesjährige Cebit eröffnet wird, dreht sich alles nur um das mobile Netz. Provider, Gerätebauer, Software- und Webseiten-Programmierer erfinden neue Hardware und neue Datenübertragungstechniken für das mobile Zeitalter. Und selbst die Art, wie Webseiten gestaltet werden, verändert sich (siehe Kasten). Das Internet macht sich bereit zum Ausgehen.

Kein Kabelsalat mehr

Genau genommen stimmt selbst die Bezeichnung "Internet" nicht mehr. Denn mit einem Netz hat das, was man aus dem Englischen mit "Zwischennetz" oder "Verbundnetz" übersetzen kann, nicht mehr so viel zu tun. Leitungen aus Kupfer oder Glas, die zu Maschen verwoben sind: Das war früher, als alles noch neu war. Straßen und Wände mussten da aufgerissen werden, um all die Kabel zu verlegen, an deren Ende Computer, meist klobige, graue Kisten, angeschlossen wurden. Das Internet war ein großer Kabelsalat, versteckt hinter Putz, vor allem aber voller Löcher.

Beim neuen Internet kommen die Daten nicht mehr aus Erdkabeln und Wandsteckdosen. Sie werden durch die Luft gefunkt, blitzschnell und unsichtbar wie Radiowellen. Geschäftsleute, die sich den mobilen Datentransfer von der Firma bezahlen lassen, surfen schon lange so mit ihren Notebooks und Blackberrys - zu Preisen aber, die sich nur wenige Privatleute leisten mochten. Doch jetzt, wo die Tarife günstiger geworden sind, erreicht der Trend auch die breiten Massen. Der Hausarrest für Surfer ist vorbei.

Abends nach Hause kommen und "erst einmal E-Mails checken"? Warum denn, die hat man doch alle schon unterwegs gelesen! Ein teures Navigationsgerät kaufen? Man kann doch unterwegs einfach "Google Maps" benutzen. Einen Reiseführer mitnehmen? Infos über die Sehenswürdigkeit, vor der man steht, gibt es doch kostenlos bei Wikipedia!

Überblick verschaffen

Über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter halten sich Freunde auch dann auf dem Laufenden, wenn sie nicht zu Hause sind. Verbraucher vergleichen den Ladenpreis im Kaufhaus mit Angeboten aus dem Internet oder lassen sich mit Google Maps anzeigen, wie weit es bis zum billigeren Konkurrenz-Laden ist.

Konnte der Besuch einer einzigen Webseite vor ein paar Jahren noch mehrere Euro kosten, sind die Tarife inzwischen überwiegend fair. Die Mobilfunkanbieter kommen fast im Wochentakt mit neuen Billigtarifen, und auch die DSL-Betreiber machen beim Preiswettbewerb mit.

Zwei Möglichkeiten gibt es hauptsächlich, unterwegs online zu gehen. Die erste ist die altmodischere: über WLAN. Das ist die Abkürzung für Wireless Local Area Network und steht für die gleiche Technologie, die auch in vielen Wohnungen für drahtloses Internet sorgt. WLAN hat viele Vorteile und nur einen Nachteil. Die Vorteile: Jedes Notebook kann sich über WLAN mit dem Internet verbinden, Zusatzhardware ist also unnötig. Die Verbindung ist in der Regel schnell, stabil und kostengünstig, verfügt aber - und das ist der Nachteil - nur über eine begrenzte Reichweite. Wer unterwegs über WLAN ins Internet möchte, muss sich also in der Nähe eines WLAN-Senders aufhalten, auch Access Point oder Hotspot genannt, und das schränkt die Mobilität erheblich ein. WLAN ist deshalb erste Wahl, wenn man an einem bestimmten Ort ins Netz gehen will, zum Beispiel in einem Café, Restaurant, Hotel, in der Flughafenlobby, in den Bahn-Wartebereichen. Wer aber versucht, außerhalb der Reichweiten solcher (manchmal kostenlosen, oft aber kostenpflichtigen) Hotspots mobil zu surfen, bekommt die Fehlermeldung: kein Empfang.

Ohne Hotspot auskommen

Dann hilft nur noch die zweite, modernere Möglichkeit: Surfen über das Handynetz. Genauer gesagt über UMTS, das für Universal Mobile Telecommunications System steht. UMTS gibt es noch nicht überall: Die Netze, deren Frequenzen im Jahr 2000 für rund 50 Milliarden Euro versteigert wurden, werden noch immer ausgebaut, sind in allen wichtigen Ballungsgebieten aber verfügbar. Mit UMTS ist bequemes Surfen auch außerhalb der Reichweite von Hotspots möglich. Das in Teilen des UMTS-Netzes gebräuchliche Übertragungsverfahren HSDPA ermöglicht Verbindungen sogar in DSL-Geschwindigkeit. Das geht allerdings nur in den Netzen von T-Mobile, Vodafone und zum Teil bei O2. Viele neue Handys beherrschen von Haus aus diese Technologie, Computer müssen normalerweise mit einem UMTS-Stick nachgerüstet werden. Doch auch dort, wo UMTS nicht funktioniert, kann man mobil ins Netz, über das zwar veraltete, aber immer noch funktionsfähige GPRS oder dessen schnellere Variante EDGE, die vor allem von T-Mobile in großem Stil eingesetzt wird. Voraussetzung ist ein entsprechender Handyvertrag, der Datenübertragung zulässt. Und Hardware, mit der man die Funkdaten aus dem Handynetz empfangen kann.

Auf der nächsten Seite finden Sie eine Übersicht der aktuellen Datentarife für die mobile Internetnutzung

Dafür hat man die Wahl zwischen Notebooks und Handys, die sich aber in letzter Zeit ohnehin immer ähnlicher geworden sind. Notebooks werden tendenziell kleiner, Mobiltelefone dagegen größer und mit immer mehr Funktionen ausgestattet - sodass sie selbst fast schon wie kleine Computer sind. Smartphones nennt man solche aufgemotzten Handys, bei denen das Telefonieren nur noch eine von vielen Funktionen ist.

Neben E-Mail-Software und Internetbrowsern verfügen sie oft über Spezialprogramme zum Abrufen von Youtube-Videos oder zum Betrachten von Google-Earth-Satellitenbildern. Angestoßen wurde dieser Trend von Apple, deren innovatives Vorzeige-Handy iPhone mit vielen kleinen Internetanwendungen um unzählige Funktionen erweitert werden kann. Doch auch die neuen Internet-Handys von T-Mobile, Nokia, Samsung und von anderen führenden Herstellern eignen sich ausgezeichnet fürs mobile Surfen.

Handy oder Mini-Notebook

Wem Handy-Displays zu klein sind und wer anstatt eines kleinen Touchscreens lieber eine Tastatur benutzen will, entscheidet sich nach wie vor besser für einen tragbaren Computer. Hier geht der Trend zum Mini-Notebook, auch Netbook genannt. Etwa 35 Millionen dieser Kleinstrechner werden in diesem Jahr weltweit verkauft werden, schätzen Analysten. Es gibt sie ab etwa 300 Euro, und sie sind genau auf die Bedürfnisse des mobilen Internetsurfers ausgerichtet: dünn und leicht und kaum größer als eine DIN-A5-Seite, außerdem mit einem Akku ausgerüstet, der wesentlich länger hält als bei einem herkömmlichen Notebook - zum Teil bis zu acht Stunden.

Alle Netbooks können drahtloses Internet über WLAN empfangen, ganz neue Geräte haben auch schon ein UMTS-Empfangsmodul eingebaut. Doch auch ältere Computer kann man für das Überall-Netz aufrüsten: am besten mit einem UMTS-Stick, der so ähnlich aussieht wie ein Daten- oder DVB-T-Fernsehstick. Die bekommt man oft verbilligt oder sogar kostenlos, wenn man einen neuen Daten-Vertrag abschließt.

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