Voice over IP Plaudern ganz ohne Zeitdruck


Telefonieren per Internet kann eine günstige Alternative für Vieltelefonierer werden. Neue Geräte machen es besonders einfach.

Wer eine E-Mail schreibt, macht sich keine Gedanken darüber, was die wohl kosten wird. Zahlt man pünktlich für seinen Online-Anschluss, kann man im Prinzip so viele Mitteilungen verschicken, wie man mag. Wer mit einer Flatrate im Netz surft, muss genau so wenig die Eieruhr neben den Monitor stellen. Ähnlich soll bald auch das Telefonieren funktionieren - einmal zahlen, dann plappern ohne Ende. Denn wie alle E-Mails werden auch immer mehr Anrufe über das Internet transportiert. Und das drückt die Preise.

Bisher ging's nicht ohne PC

Gratis-Telefonate am Computer sind schon länger möglich. Dazu genügt eine kostenlose Software, ein Headset mit Kopfhörer und Mikro, das an den PC angeschlossen wird, sowie ein Gesprächspartner, der genauso ausgestattet ist. Per Internet-Verbindung kann man so ohne weitere Kosten sprechen. "Voice over IP" (Sprache über das Internet-Protokoll) nennt sich diese schon seit Jahren bekannte Technik, bei der aber bislang beide Partner einen eingeschalteten PC mit Online-Verbindung brauchten. Jetzt allerdings sind die ersten "IP-Telefone" auf den Markt, die ganz ohne PC funktionieren.

Lohnend ist der Umstieg auf das Internet-Telefonieren derzeit für Besitzer eines schnellen DSL-Zugangs. Dann wird es besonders für Vieltelefonierer interessant, die etwa einen Freund in London oder eine Tochter in den USA haben. Denn einen Zeittakt gibt es bei VoIP nicht.

Am anderen Ende der Leitung muss inzwischen nicht einmal mehr ein Computer hängen: Immer mehr Anbieter leiten gegen eine Gebühr die Gespräche aus dem Internet ins normale Telefonnetz. Das kann viel Geld sparen, wenn beispielsweise bei einem Ferngespräch nach New York der Weg bis dahin kostenlos durchs Internet führt und erst in Amerika als Ortsgespräch im Telefonnetz landet. Beim DSL-Anbieter Freenet kostet die Verbindung ins deutsche Festnetz mit der Freenet-Telefonier-Software "iPhone" rund um die Uhr nur einen Cent pro Minute, ins Handynetz 19 Cent. Broadnet Mediascape verkauft 1000 "Freiminuten" für 27,99 Euro, Sipgate für 8,90 Euro.

Angerufen werden bleibt schwierig

Für Anrufer von traditionellen Telefonen ist man bei Freenet allerdings noch nicht erreichbar. Das soll erst ab Sommer möglich sein, falls bis dahin Internet-Telefonanbieter eigene Nummern mit der Vorwahl 032 vergeben können. Gleichzeitig will Freenet dann Zusatzgeräte verkaufen, über die man vorhandene, normale Telefone und Faxgeräte anschließen kann.

Der Düsseldorfer Anbieter Sipgate bietet schon jetzt die Möglichkeit an, in beide Richtungen zu telefonieren - allerdings mit einer Düsseldorfer Nummer. Wer mit seinem Kumpel in der Nachbarschaft schwatzen will, muss dann plötzlich ein Ferngespräch in die Stadt am Rhein bezahlen.

Komplizierte Tarife

Zu einer komfortablen Alternative zum Festnetz wird das Internet-Telefon wohl erst, wenn man seine bisherige Nummer behalten kann. Auch schrecken die VoIP-Anbieter ihre Kunden derzeit noch mit komplizierten Mischungen aus DSL-Volumentarifen und Minutenpaketen ab.

Von dem Preisdruck, der durch die Internet-Telefon-Netze ausgeht, profitieren aber alle Kunden schon jetzt. So will die Telekom - gegen eine erhöhte Grundgebühr - ab Herbst Anrufe für 10 Cent pro Stunde anbieten. Das ist schon mal ein Schritt in Richtung auf den Pauschalpreis pro Monat, wie er bei der Internet-Flatrate ganz normal ist.

Dirk Liedtke print

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