Editorial Die neue grüne Welle


Liebe stern-Leser!

Grüner leben hat wieder Konjunktur. Nicht erst seit vergangener Woche, als die UN ihre globale Klimaprognose veröffentlichten, eine Art letzter Weckruf an die Bewohner unseres Planeten. Schon seit Monaten steht der Klimawandel ganz oben auf der Agenda von Wissenschaftlern, Politikern und Medien weltweit. Al Gore und der Demokrat Barack Obama, der neue Mann im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur, rütteln ihre Landsleute wach. Die Briten bauen den weltgrößten Offshore-Windpark, Frankreichs Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal setzt auf erneuerbare Energien, deutsche Bauern freuen sich über steigende Nachfrage nach grünem Kraftstoff und Biogas. Und bei immer mehr Discountern steht nun ein Kühlregal mit Bioprodukten. Spätestens seit dem UN-Klimabericht kann sich kein Politiker, keine Regierung, kein Konzernlenker mehr hinter den "Alles halb so wild"-Wissenschaftlern verstecken. Verhindern lässt sich die von Menschen gemachte Erderwärmung nicht mehr. Aber das Ausmaß der Veränderung können wir beeinflussen. Das allerdings setzt voraus, dass wir alle uns der Schere zwischen ökologischem Wissen und Handeln bewusst werden. Mit anderen Worten: Ich denke grün - aber lebe ich auch so? Dieser Frage, die sich vom Autofahren bis zur Ernährung ständig stellt, widmet sich unsere Titelgeschichte.

Der Krieg im Irak geht bald ins fünfte Jahr. Mehr als 3000 US-Soldaten hat er das Leben gekostet und die Mehrheit der Amerikaner zu Gegnern ihres Präsidenten gemacht. Auf einen beson-deren Todesfall stießen un-ser US-Korrespondent Jan Christoph Wiechmann und der Fotograf Peter van Agtmael bei ihren Recherchen über das Militärhospital in Bagdad. Der junge Sanitäter James R. Worster sei an Herzversagen gestorben, so hieß es. Wie sich jedoch herausstellte, starb er an einer Überdosis Drogen, die sich der junge Familienvater gespritzt hatte. Wiechmann und van Agtmael recherchierten in Worsters Heimatort in Alaska, in Colorado und Indiana und stießen auf eine bislang unbekannte Schattenseite des Krieges: den Missbrauch von Drogen unter GIs. Sieben Kameraden von Worster brachen gegenüber den stern-Reportern ihr Schweigen und erzählten vom alltäglichen Tod in der Klinik, von schwersten Traumata und Drogenproblemen und der Untreue der Ehefrauen in der Heimat. Die Reportage "Emergency Room Irak" über den langen Tod des Sergeant Worster lesen Sie im ab Seite 50.

Herzlichst Ihr

Andreas Petzold

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