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Editorial: Die stern -Aktion "Schulen helfen Schulen"

Liebe stern-Leser!

Es ging den Deutschen nicht nur darum, ihr Gewissen zu erleichtern, als sie in den vergangenen Tagen eine Spendenaktion auf die Beine stellten, die vermutlich die bisher größte deutsche Privathilfe, die 350 Millionen Euro nach der Elbeflut, noch übertreffen wird. Der Vergleich der eigenen Lebenswelt mit den Bildern aus den verwüsteten Regionen Südasiens führte bei vielen Bürgern schockartig zu der Erkenntnis, dass wir nach wie vor in einem enorm reichen Land leben. Einem Land, das wirkliche Not zuletzt vor 60 Jahren erleiden musste. Einem Land, das sich vor Tsunamis, Erdbeben, Dürre und Vulkanausbrüchen nicht zu fürchten braucht.

Aus der Erkenntnis wuchs die Tat. Als die Regierung noch bei 20 Millionen Euro zugesagter Hilfe dümpelte, simsten, telefonierten und überwiesen die Deutschen bereits Spenden in vielfacher Höhe. Woraufhin Berlin rasch nachlegte: auf 500 Millionen Euro staatlicher Hilfe.

Jetzt geht es darum, den internationalen Spendenstrom richtig zu leiten und dabei auch Länder wie den Kongo und den Sudan nicht zu vergessen. Und wir dürfen des Mitleids nicht schnell wieder müde werden. Oder, wie es Bundeskanzler Gerhard Schröder formulierte: "Es geht hier nicht um die Frage: Wer hilft als Erster, sondern, wer hilft am besten und nachhaltigsten." Wenn wir uns längst wieder um Hartz IV, um Krankenkassen und die Nebenverdienste der Politiker streiten, braucht diese Jahrhundert-Katastrophe weiter unsere Aufmerksamkeit.

Deshalb startet

die stern-Stiftung die Aktion "Schulen helfen Schulen", die über viele Monate, möglicherweise über Jahre, den Aufbau von Schulen in den zerstörten Regionen sichern soll. Wir rufen in erster Linie Lehrer, Schüler und Eltern auf, mit fantasievollen Projekten Geld zu sammeln und "Schulen helfen Schulen" zu unterstützen (mehr Informationen ab Seite 22). Wir kooperieren für diese Aktion mit der Deutschen Welthungerhilfe, die seit Jahren weltweit Erfahrung beim Aufbau von Schulen gesammelt hat. In Indonesien und Sri Lanka sollen mehr als tausend Schulgebäude beschädigt oder völlig zerstört sein. Derzeit sichten Teams der Welthungerhilfe, was für den Wiederaufbau gebraucht wird. So kostet der Bau eines Klassenzimmers für 60 Kinder auf Sri Lanka 6000 Euro, eine Wandtafel 30 Euro, ein Lehrergehalt beträgt 3600 Euro pro Jahr. Für die Aktion "Schulen helfen Schulen" wollen wir auch jene Spenden verwenden, die bislang unter dem Stichwort "Asien-Flut" bei der stern-Stiftung eingegangen sind. Auch der Verlag Gruner+Jahr, in dem der stern erscheint, spendet 100 000 Euro. Es sind Investitionen in die Zukunft von Kindern, die wieder eine Schulausbildung und die Normalität eines geregelten Tagesablaufs haben wollen. Auch der Bundeskanzler unterstützt das stern-Langzeitprojekt "Schulen helfen Schulen" (Seite 33).

Seit Jahrzehnten hat sich der stern immer wieder mit großen Hilfsaktionen für Menschen in Not engagiert: Es begann mit dem Kampf gegen die Hungersnöte in Äthiopien 1973 und 1984, es folgte ein mehrjähriges Projekt für krebskranke Kinder, 1990 sammelte der stern 138 Millionen Mark für das frierende Russland im Umbruch. Ob es um das Elend in Bosnien ging oder um das Jahrhundert-Hochwasser an der Elbe vor knapp drei Jahren - stets spendeten stern-Leser Millionen, um zu helfen.

Als seinerzeit die ersten Fotos von ausgemergelten äthiopischen Kindern im Heft erschienen, sagte stern-Gründer Henri Nannen: "Es gibt Situationen, in denen der Journalist nicht nur über etwas berichten, sondern in denen er selber etwas tun muss." Zu diesem Wort stehen wir.

Herzlichst Ihr
Andreas Petzold

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