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Supermarkt-Flirt: Mit dem Einkaufswagen auf Partnersuche

Single-Shopping heißt die Aktion der Kaufhaus-Kette Wal-Mart. Zwischen Tomaten, Hühnchen und Nudeln kann nach Herzenslust geflirtet werden.

Krebsrot läuft er an, als Michaela ihn anspricht. Im Gang mit den Konservendosen hat sie ihn abgepasst. Schon bei der Joghurt-Kühltheke war ihr der 45-Jährige in der hellen Lederjacke aufgefallen - bei ihrer Pirsch nach Singles, Freitagabend in einem großen Dortmunder Einkaufsmarkt. Single-Shopping heißt die Aktion der Kaufhaus-Kette Wal-Mart - Flirten zwischen Tomaten, Hühnchen und Nudeln.

"So ein bisschen komm’ ich mir schon wie ein Affe im Zoo vor", sagt Michaela (39), während sie ihren Einkaufswagen verziert mit einer roten Single-Erkennungs-Schleife vor sich herschiebt. Einige schleifenlose Einkäufer hätten mitleidig geguckt, "als würden die denken, die muss sich schon ihren Mann im Supermarkt besorgen". Doch auch bewundernde Blicke seien ihr zugeworfen worden, "weil ich mich traue". Dabei ist die Dortmunderin erst seit ein paar Tagen solo. Ein bisschen gucken will sie, das Angebot checken - wie die meisten Singles hier.

"Einkaufen muss ich sowieso"

, sagt eine 20-Jährige aus Selm. Da könne sie gleich das Notwendige mit dem Angenehmen verknüpfen. "Endlich kann ich mit der Schleife erlaubt gucken", meint eine 36- jährige Dortmunderin. Man bekenne sich zwar als Single, bleibe aber anonym. Sie hat sich über die Gemüseabteilung bis zur Fleischtheke vorgearbeitet. Erst bei der Tiefkühlkost sei sie auf die ersten männlichen Flirtwilligen gestoßen - Klaus und Rainer. Sehr schüchtern seien sie gewesen. "Wir müssen erstmal wieder flirten lernen", sagen die beiden Mittvierziger.

Mit der Idee des Single-Shoppings will der Wal-Mart-Filialleiter Rudolf Baumann den Umsatz ankurbeln, Kunden binden und Beziehungslosen die Partnersuche erleichtern. Der Dortmunder Einkaufsmarkt sei bisher der einzige der rund 92 Filialen bundesweit, der Singles freitagabends zum Einkaufen lockt.

Rund 14 Millionen Ein-Personen-Haushalte

gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland. Auch wenn davon nicht jeder als Single im klassischen Sinne von alleinlebend und ohne feste Beziehung zu verstehen ist, die potenzielle Zielgruppe ist groß.

Der Berliner Single-Berater Christian Thiel hält die Idee des Single-Shoppings zur ersten Kontaktaufnahme für geeignet: "Über Suppentüten, Sekt- und Weinsorten kommen Menschen ins Gespräch." Ein kurzer Flirt sei im Supermarkt genauso möglich wie auf einer Single- Party. Doch nur Wenige könnten so spontan einen Wildfremden kennen lernen. "Das ist nur was für äußerst extrovertierte Charaktere", meint Thiel. Die Chance, beim Single-Shopping den Partner fürs Leben zu finden, sei verschwindend gering.

Für effektiver hält der Experte

Single-Treffs in Museen. Dort gebe es ein gemeinsames Interesse und einen ähnlichen Bildungshorizont. "Da ist es wahrscheinlicher, jemand passenden kennen zu lernen, als wenn ich den gleichen Joghurt kaufe."

Michaela ist anderer Ansicht: Sie hält den Blick in den Einkaufskorb für geeignet um zu sehen, "ob sein Geschmack mir gefallen würde". Ihre Flirt-Bilanz liegt bei einem Mann nach rund zwei Stunden Einkauf. Enttäuscht sei sie nicht. "Hab’ sowieso nicht viel erwartet. Ich dachte nur, die Männer hier wären aufgeschlossener." Der Laden sei aber zu groß. "Denn wenn ich durch den Joghurt gehe, kann mein Traummann schon bei den Eiern sein." Wiederkommen will sie trotzdem. Wenn ihr nicht ein netter Mann dazwischen kommen sollte.

Karoline Springer

Wissenscommunity