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Seit 30 Jahren unbewohnt: Das Geheimnis der mysteriösen Geisterstadt Kitsault

Alles wirkt ganz alltäglich: Der frisch gemähte Rasen, die Bücher in der Bibliothek und die Einkaufswagen beim Supermarkt - dabei lebt im kanadischen Kitsault seit 35 Jahren kein Mensch mehr. Wieso verließen die Einwohner ihre Stadt?

Das Shopping-Center wurde 1982 geschlossen

Das Shopping-Center wurde 1982 geschlossen

Lebensmittel stehen nicht mehr in dem Supermarkt. Doch die Regale sind noch an den Wänden, die Einkaufswagen am Eingang könnten sofort wieder zum Einsatz kommen. Doch das werden sie nicht, denn in der kanadischen Kitsault wurde seit rund 35 Jahren nicht mehr eingekauft. Oder gelebt. Die Stadt im Westen des Landes ist eine Geisterstadt.

Dass Menschen immer wieder ihre Heimat verlassen haben, ist in der Geschichte der Menschheit keine Seltenheit. Doch das Gruselige an Kitsault ist wohl die unfassbare Alltäglichkeit, die dieser Ort - Jahrzehnte nach dem Auszug der Bewohner - immer noch ausstrahlt. Sessel stehen in mit Teppichboden ausgelegten Wohnzimmern, die Betten in den Schlafzimmern sind ordentlich bezogen, in den Regalen der Bücherei stehen säuberlich Bücher aufgereiht, sogar der Rasen vor den Häusern ist frisch gemäht. Hier verfällt nichts, die Stadt scheint auf ihre Bewohner zu warten.

Das Geheimnis hinter der Geisterstadt Kitsault

Das Geheimnis der mysteriösen Geisterstadt ist Molybdän, ein , das zur Härtung von Stahl eingesetzt wird, bei der Fertigung von elektrischen Bauteilen oder auch als Schmiermittel. Molybdän kommt dort in der Region vor - doch für Minenarbeiter war es auch im vergangenen Jahrhundert wenig attraktiv, in provisorischen Unterkünften zu leben, um es abzubauen. Die Firma Amax Canada hatte eine brillante Idee: Sie ließ eine ganze Kleinstadt für die Minenarbeiter erreichten. Wohnhäuser, Schulen, einen Supermarkt. Als im Jahr 1979 die Mine wieder eröffnete, kamen die Arbeiter in die Stadt. Mit ihren Familien. Bis zu 2000 Einwohner fanden an der Grenze zu Alaska ein Heim. 

Doch es lief nicht, wie es sich die Firma gewünscht hatte. Der Preis für das besondere Metall fiel, die Mine wurde geschlossen. Und die Einwohner verließen das Dorf. Doch Amax Canada überließ die Stadt nicht der Wildnis, sondern beschäftigte einen Wärter, der den Rasen pflegt und nach dem Rechten sieht.

Zukunft von Kitsault ist ungewiss

2005 kaufte das US-Unternehmen Krishnan Suthanthiran die Stadt, die bis heute in ihrem Eigentum ist. Gegen eine Gebühr kann die Stadt in Begleitung des Wärters, der immer noch dort arbeitet, besucht werden. Wie es mit Kitsault weitergeht ist ungewiss. Bis es eine Zukunft für die Minenstadt gibt, wird Kitsault wohl weiterhin wie eine Zeitreise in die frühen 1980er Jahre wirken.


Weitere Bilder der Stadt gibt es in unserer Fotostrecke oder unter flickr.com.


kg

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