bochum Neuer AStA, alter AStA?!


StuPa-Wahl in Bochum und ein Kommentar

StuPa-Wahl in Bochum und ein Kommentar

Wieder ein Jahr um! Wie jedes Jahr im Januar werden in den Gebäuden der RUB die Wahlurnen aufgestellt und die Tische in jeder Cafeteria mit Flugblättern überhäuft. Die Wahlkampfhelfer der verschiedenen Listen bemühen sich, den zumeist desinteressierten Studierenden doch wenigstens einen kleinen Teil ihrer vorgeblich politischen Inhalte nahe zu bringen. Alles für die Katz: nach der Wahlwoche vom 29.01. bis zum 2.2. 2001 kam die Wahlbeteiligung mal wieder einem Schlag ins Gesicht für die hochschul-politischen Aktivisten gleich - gerade mal 8,9% der Wahlberechtigten hatten ihre Stimme abgegeben. Wieder ein Prozent weniger als 2000.

Die Wahl bot keine nennenswerten Überraschungen. Die im letzten Jahr zwar stärkste, aber nicht am AStA beteiligte Liste, der RCDS, verlor zwei Sitze. Er wird sich dieses Jahr vermutlich erst recht nicht gegen die letztjährige AStA-Koalition durchsetzen können. So könnte es zu einer Neuauflage des 2000er-AStA kommen, der wieder aus Linker Liste (Lili), Fachschaftsinitiative (FSI) und alternativer liste (al) bestehen würde. Wer welchen Posten im AStA besetzt und ob die Zusammenarbeit nahtlos fortgeführt wird, sollte bald feststehen. Schließlich lobten die Beteiligten der alten und möglicherweise auch neuen Koalition in der Januarausgabe der Bochumer Studierenden Zeitung (BSZ) ihre inhaltliche Arbeit, die Sanierung der Finanzen und »den richtigen Kurs«, auf den der AStA wieder gebracht worden sei. Die Vorsitzende Mary Aptidou (Lili) stellte eine erneute Koalition ebenso in Aussicht wie ihre beiden Stellvertreter Heiko Jansen (al) und Hendrik Rüddel (FSI).

Doch was hat sich tatsächlich getan im letzten Jahr? Die Themen, die den AStA wieder näher ans gemeine Bochumer Studentenvolk bringen sollten, waren einseitig. Mit der Uni und den Belangen der Studierenden hatten sie nicht immer zu tun: neben der Kritik am neuen Ausweis, der so genannten Chipkarte, und der Ablehnung der gestuften B.A./M.A.-Studiengänge gab es vor allem viel ideologischen Ballast, der sich besonders in der BSZ niederschlug. Meinung wurde gemacht, andere Meinungen selten toleriert. Projekte wie die »Rote Ruhr Uni« scheinen ambitioniert, finden aber beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Studentische Initiativen werden - so scheint es manchmal - je nach politischer Ausrichtung finanziell unterstützt oder knapp gehalten. Konkrete Arbeit? Für den »Normal-Studi« kaum zu bemerken, trotz der Versuche, den AStA durch zusätzliche Publikationen in der Hochschulöffentlichkeit stärker zu profilieren. Die Haushaltsdebatte, die sich im Studierendenparlament abspielt und auf Flyern und im Internet fortsetzt, ist kaum zu durchschauen. Das einzig greifbare am Ende des Jahres ist die Erhöhung des Semesterbeitrages.

Die Ergebnisse der Wahl sind nebensächlich. Wirkliche Vertreter der Studenten können die StuPa-Mitglieder und AStA-Referenten nicht sein, wenn von knapp 34.000 Wahlberechtigten nur etwa 3000 Leute ihre Stimme abgeben. Die Ausreden »keine Zeit« oder »wo war das denn?« können nicht gelten, wenn eine StuPa-Wahl eine ganze Woche in fast jeder Cafeteria läuft. Die Studierenden haben sich auf andere Art und Weise entschieden. Sie wollten nicht. Sie wollten weder Studentenfunktionäre noch Ideologiepropagandisten legitimieren, gleich welcher politischen Färbung. Kein Interesse an der Interessenvertretung - so einfach lautet das diesjährige Ergebnis. (ts)


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