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Studie Eineiige Zwillinge sind genetisch unterschiedlicher als bisher angenommen

Eine Studie fand  heraus, dass eineiige Zwillinge unterschiedlicher sind als bisher angenommen
Eine Studie fand  heraus, dass eineiige Zwillinge unterschiedlicher sind als bisher angenommen
© Oscar Carrascosa Martinez / Picture Alliance
Bisher ging man davon aus, dass eineiige Zwillinge genetisch vollkommen identisch sind. Forscher fanden nun heraus, dass Zwillinge von Geburt an deutlich mehr Unterschiede bilden als gedacht. Dies ist auch für die zukünftige Erforschung von Krankheiten relevant.

Obwohl eineiige Zwillinge sich genetisch fast vollkommen gleich sind, gibt es auch bei ihnen teils deutliche optische Unterschiede. Eine neue Studie der Universität Island hat jetzt herausgefunden, dass sich diese Unterschiede auch in den Genen niederschlagen. Veröffentlicht wurde die Studie im Magazin "Nature Genetics". Dafür haben die Wissenschaftler die DNS von 387 eineiigen Zwillingen sequenziert. Demnach seien frühe Mutationen die Ursache, die dazu führt, dass sich eineiige Geschwister voneinander absetzen.

Zwillinge: Bis zu 100 Unterschiede in der Genetik

Eine Mutation ist eine Veränderung in einer DNS-Sequenz – eine winzige Abweichung, die weder gut noch schlecht ist, aber körperliche Merkmale oder die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten oder Störungen beeinflussen kann. Bei der Entwicklung im Mutterleib werden im Zuge des Wachstums Zellen geteilt, wobei der genetische Code des Menschen immer wieder kopiert wird. Aus der Studie geht hervor, dass bei Zwillingen im Frühstadium der Entwicklung kleine Fehler während des Kopierens des genetischen Codes entstehen und somit für eine Veränderung in der DNS sorgen. Dies kann sich beispielsweise entweder im äußeren Erscheinungsbild oder in der Anfälligkeit für Krankheiten bemerkbar machen. Laut der Studie weisen eineiige Zwillinge im Schnitt 5,2 solcher Mutationen auf – bei 15 Prozent der untersuchten Paare waren es deutlich mehr, teilweise bis zu 100.

Diese kleinen Mutationen machen demnach in der Gesamtheit zwar nur einen winzigen Teil des genetischen Codes aus, können sich aber in der Optik der jeweiligen Zwillinge deutlich bemerkbar machen. Sie sind der Grund, warum eines der Geschwister beispielsweise ein paar Zentimeter größer wird oder einer von ihnen später an Krebs erkrankt. Die Erkenntnis, dass eineiige Zwillinge genetisch voneinander abweichen, ist nicht ganz neu. Jedoch untersuchte die aktuelle Studie erstmals auch die DNS von Eltern und Kindern der Probanden, um die Mutation exakt festmachen zu können. 

Studie wird in Forscherkreisen hochgelobt

Bisher wurden Zwillingsstudien durchgeführt, um zu erforschen, inwieweit Umwelt und Genetik bei der Entstehung von Krankheiten Einfluss nehmen, sagt Kari Stefansson, Co-Autor der Studie, laut "The Guardian" gegenüber "Associated Press". Seien Zwillinge getrennt voneinander aufgewachsen und einer von ihnen entwickelte Autismus, so sei man bisher davon ausgegangen, dass dieser Unterschied durch die Umwelt verursacht wird, so der Forscher. 

Jan Dumanski, Genforscher an der Universität Uppsala, sagte der "Associated Press", dass die Ergebnisse ein "wichtiger Beitrag" für die medizinische Forschung sei. Die Studie deute dabei an, dass man sich nicht vollends auf Zwillingsstudien verlassen könne, wenn man den Einfluss von Umwelt und Genetik bei Krankheiten erforschen wolle.

Quelle: Associated Press

yak

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