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Fachhochschule und Wirtschaft: Anatomie einer Beziehung

(Deutschlandfunk) Fachhochschulen legen ihren Schwerpunkt auf die angewandte Forschung. Naturgemäß streben sie deswegen Kooperationen mit der Wirtschaft speziell in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft an. Wie erfolgreich diese Kooperationen sind, hat das Fraunhofer-Institut untersucht und in einer Studie dokumentiert. Über die Entwicklung gibt Thomas Stahlecker vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung Auskunft.

Patrick Honecker: Herr Stahlecker, wie stellt sich denn die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft aus Sicht der Fachhochschulen dar?

Thomas Stahlecker: Im großen und ganzen können wir eigentlich ein recht positives Bild zeichnen. Unsere Studie hat gezeigt, dass unter den Mittelgebern für Forschungs- und Entwicklungsprojekte Unternehmen nach der Anzahl der Projekte immerhin an erster Stelle stehen. Auf den weiteren Plätzen würden dann der Bund mit 25 Prozent und die Länder mit 23 Prozent an allen von uns identifizierten 6000 Forschungsprojekten einnehmen. Damit würden die Fachhochschulen einen recht großen Anteil eigentlich an potentiellen Nachfragestrukturen auf sich ziehen, die von den Wirtschaftsunternehmen ausgehen. Dort, wo wir quantitative Angaben zum jährlichen Forschungs- und Entwicklungspotential für Aufträge aus der Wirtschaft identifizieren konnten, wurde deutlich, dass sich diese im Bereich von wenigen hunderttausend bis zu 2,5 Millionen Euro bewegen können.

Honecker: In welchen Bereichen arbeitet man denn zusammen?

Stahlecker: Das sind in erster Linie unabhängig von Auftraggebern die Bereiche Informationstechnik oder hier einschließlich Multimedia und Fertigungstechnik, dann der Bereich Materialforschung, physikalische und chemische Technologien und auch der Bereich Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften. Bund und Länder weisen hierbei eine weitgehend ähnliche Struktur auf wie wir ja herausgefunden haben. Lediglich im thematisch etwas breiter gefassten Bereich Materialforschung, physikalisch und chemische Technologien finden sich deutlich mehr vom Bund geförderte Vorhaben. Hier zählen typischerweise die Bereiche optische Technologien, Oberflächen- und Mikrosystemtechnik zu. Die Industrie weicht zum Teil deutlich hiervon ab. Also von industriellen Aufträgen haben wir ein größeres Gewicht bei den traditionellen Bereichen wie Messsteuerregeltechnik sowie auch weiteren technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen, also hier ist auch der Maschinenbau zu nennen.

Honecker: Warum wird denn von den Unternehmen diese Forschungs- und Entwicklungsarbeit überhaupt an die Fachhochschulen vergeben, haben die nicht eigene Forschungsabteilungen?

Stahlecker: Das ist in der Regel so. Wir konnten einen deutlichen Zusammenhang feststellen zwischen intern erbrachten F und E Aktivitäten und der sozusagen der Nachfrage nach externen Forschungs- und Entwicklungsleistungen. Also es ist ganz offensichtlich so, wir sprechen dort immer von einer Absorptionskapazität, die im Unternehmen vorhanden sein muss. Dass dort, wo technologisches Know-how vorhanden ist, dass dort auch sozusagen die Nachfrage nach weiteren Forschungs- und Entwicklungsleistungen, hier können auch Dienstleistungen übrigens zu zählen, gegeben ist.

Honecker: Ich sage es mal so, wenn ein Unternehmen Geld in Forschung intern investiert, dann ist meistens auch noch etwas übrig um es an Hochschulen outzusourcen wie es so schön heißt.

Stahlecker: Das kann man so sagen, ja. Es kann auch sozusagen auch strategisch vom Unternehmen so angelegt sein, dass man also ganz genau definiert, die und die Leistungen können wir intern erbringen vielleicht auch projektbezogen Kapazitäten aufbaut und wiederum ganz genau weiß für eine begrenzte Zeit, für eine begrenzte Projektlaufzeit für die es sich nicht lohnt dann interne Kapazitäten aufzubauen eben dann auch Leistungen nach außen zu geben.

Honecker: Gibt es da regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands?

Stahlecker: Die gibt es, wenn wir vielleicht mal alle Drittmittelstrukturen uns angucken wozu ja die Industriemittel oder Industrieprojekte auch zählen, also Drittmittel ja hier deutlich mehr als nur die industriellen Auftragsforschungsprojekte, stehen die Fachhochschule in Lübeck, Münster und Aachen an oberster Stelle. Zu den Fachhochschulen, deren anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in erheblichem Umfang, also wir sprechen auch von mehr als 40 Prozent, von regionalen Wirtschaftsakteuren, also von Unternehmen der Privatwirtschaft ausgehen, zählen die Fachhochschulen in Lübeck, Lippe-Höxter, Albstadt-Sigmaringen und Bremen zu den Vordersten, zu den Spitzenreitern.

Honecker: Man hofft ja häufig, dass eben aus der Hochschule Innovationen gerade in den strukturschwachen Gebieten geschaffen wird. Wie ist das mit dem Unterschied Ost-West.

Stahlecker: Also hier konnten wir herausfinden, dass die ostdeutschen Fachhochschulen natürlich weil sie eingebettet sind ,weil Fachhochschulen stärker eingebettet sind in ihr regionalökonomisches Umfeld natürlich weniger Mittel aus dem Wirtschaftssektor akquirieren können. Ihre Reichweite ist teilweise allerdings größer, weil sie sich dann sozusagen andere Kunden oder Kunden aus anderen Regionen suchen müssen beziehungsweise sich über Verbundstrukturen mit anderen Fachhochschulen oder vielleicht auch mit Universitäten zusammentun müssen. Hier sind die Ballungsräume im Westen, Berlin auch aber gerade im Westen im Vorteil. Beispielsweise die Region Stuttgart mit einem sehr breiten institutionellen set up, wie wir sagen, einer ganzen Reihe von Forschungsinstituten außeruniversitärer Art, die ganzen Universitäten, die Fachhochschulen und natürlich die regionale Wirtschaft. Also da gibt es natürlich große Unterschiede zwischen solchen historisch geprägten, sage ich jetzt auch mal, Ballungsräumen und eben eher strukturschwachen Regionen, die sich typischerweise in Ostdeutschland finden.

Honecker: Eine Studie über Fachhochschulen als Wirtschaftspartner, Thomas Stahlecker war das vom Fraunhoferinstitut für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe.

Quelle: Campus & Karriere - Deutschlandfunk

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