HOME

Stern Logo Familienbande

Ansichten einer Mutter: Vier Gründe, warum Jungs toll und einer, warum Mädchen toller sind

Ihre Söhne sind vier Jahre und zehn Monate alt und Jenifer DeMattia hat durch sie eine neue Welt kennengelernt, die sie glücklich macht. Noch besser wäre allerdings, wenn sie auch ein Mädchen hätte.

Als Vollzeitmutter von zwei Söhnen war die Amerikanerin Jenifer DeMattia verzweifelt auf der Suche nach einem Zufluchtsortort. Daher schreibt sie, obwohl sie sich selbst nicht als Supermutter bezeichnen würde, den Blog "Bugs, Dirt, & Mommy". Da sie ohnehin schon immer zu spät kommt, weil sie noch einen Schuh suchen muss oder gerade kurz vorm Nervenzusammenbruch steht. Doch aus jeder Krise entsteht auch eine Geschichte ... Diese hier ist eine Art Resumee:

Ich habe zwei Söhne und bislang keine Tochter, also bin ich vielleicht etwas parteiisch. Falls ich jemals mutig oder betrunken genug sein sollte, um noch ein Kind bekommen zu wollen, und das würde ein Mädchen, wäre ich außer mir vor Glück. Aber mit zwei umtriebigen Jungs - wer hat da noch Zeit, sich zu betrinken? Ich kann also nur über das schreiben, was ich kenne.

Mein älterer Sohn ist gerade vier geworden. Er ist blond, läuft am liebsten barfuß und wenn es nicht gesellschaftlich geächtet wäre, wäre es besser, ich hielte ihn an einer Leine. Der jüngere krabbelt gerade durch seinen zehnten Lebensmonat. Sein Haar ist etwas dunkler, er ist niedlich und schmust gern. Aber täglich beobachtet er seinen Bruder. Er lacht über jede seiner Bewegungen und setzt alles daran, jeden Unfug mitzumachen. Er befindet sich daher im Vor-Leinen-Stadium.

Die beiden bestimmen mein ganzes Leben und haben mich bereits auf so viele Weisen herausgefordert, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Und mich öfter zum Lachen gebracht, als ich je für möglich gehalten hätte. Die Gedankengänge von Kindern begeistern mich. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich selbst einmal so frei, ehrlich und perfekt war. Und Jungen zu beobachten, deren Natur so anders ist als meine, hat mir die Augen geöffnet. Es sind faszinierende Wesen. Total unstet, aber toll. Hier sind die Ergebnisse meiner bisherigen Beobachtungen, die mich zu dem Schluss gebracht haben, dass Jungen wirklich super sind.

1. Mach das Beste draus.

Der Leitspruch meines Sohnes. Er pinkelt im Bad in eine Tasse und bietet mir Limonade an. So jung und schon so schlau. Auf einem Campingtrip vergangenen Monat, es war schon spät und dunkel, musste er zur Toilette. Weil ich keine Lust hatte, mit ihm zu den Waschräumen zu gehen, sagte ich, er könne sich an einen Baum stellen. Damit verschaffte ich ihm Zutritt zu einer neuen Welt. Einer, in der Toiletten nicht länger existieren. Einer, in der man das Spiel nicht unterbrechen muss, um sich zu erleichtern.

Vor ein paar Tagen waren wir im Park und ich sah ihn ganz selbstverständlich neben die Rutsche pinkeln. Er hat sogar ein Muster gepinkelt, sowas wie das Zorro-Z. Natürlich konnten die anderen Parkbesucher nicht fassen, was sie sahen. Sie zeigten mit dem Finger auf ihn. Er blieb total entspannt. Als er fertig war, zog er die Hose hoch und spielte weiter. Es war etwas peinlich. Er bringt mich eigentlich jeden Tag in Verlegenheit, aber letztendlich zeigt er mir damit eine neue Welt. Eine, in der ich mich über seine Marotten kaputtlache. Eine, in der die Freiheit und die ungezähmte Natur ihn seine Hosen runterziehen und vor versammelter Mannschaft pinkeln lassen, weil er gerade muss. Ganz egal, was jemand darüber denkt. Leider musste ich ihm sagen, dass er das nicht mehr tun darf. Dass öffentliches Urinieren für späte Abende auf Zeltplätzen reserviert ist. Derzeit pinkelt er in die Wanne. Praktisch neben den Kopf und das Lachen seines Bruders - und ich mache einen Aufstand.

2. Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel.

Alles ist essbar. Babys stecken alles in den Mund. Folglich schrie ich zwar auf, als mein älterer Sohn mit neun Monaten Sand aß. Doch mir war klar, er weiß es nicht besser. Ich spule vor auf vierjährig - und eben dieser Sohn kommt mit Sand rund um den Mund aus der Sandkiste. Als ich ihn fragte, warum ihm Sand im Gesicht klebt, sagte er: "Weil ich welchen gegessen habe", und zog von dannen. Ich glaube nicht, dass er bewusst auf Dreck steht. Aber es wäre auch nicht so schlimm, wenn mal etwas von seiner dreckigen Hand beim Nasejucken in seinen Mund fiele. Keine Ahnung, ob eine Art Defizit oder meine Kochkunst ihn zu derart verzweifelten Maßnahmen zwingt. Er lebt das Prinzip "Ein bisschen Dreck hat noch niemandem geschadet". Für reguläre Mahlzeiten kann er sich nicht so begeistern. Dafür hat er zu viele Abenteuer zu erleben. Ich bin so stolz auf ihn, wenn er mit seinem Dreckschnurrbart wie ein richtig großer Junge aussieht.

3. Weil ihr Leben wie Radfahren ist: Um die Balance zu behalten, muss man sich bewegen.

Mein Sohn hörte mit elf Monaten auf, durchzuschlafen. Er ging mit seinem Spielzeug ins Bett, für den Fall, dass er mitten in der Nacht noch mal 30 Sekunden lang mit einem Auto rumdüsen muss, bevor er wieder einschläft. In manchen Nächten kam er in unser Bett gekrabbelt, ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn, schlief direkt wieder ein und wurde von einem Tritt ins Gesicht wach, weil er im Liegen ein Rad schlug. Er rennt im Kreis durch den Hof wie ein Hund. Er fährt mit dem Roller aufs Klo. Sein Lieblingsspiel heißt Couchsprung. Kein origineller Name, aber es bedeutet auch nur, dass er aufs Sofa rennt und von dort aus in meine Arme springt. Alles, was sich bewegt, macht ihm Spaß, ob es ein vorbeifahrender Zug ist oder eine Seifenblase in der Luft.

Der Kleine krabbelt inzwischen und zieht sich hoch in den Stand. Ich habe die Phase überstanden, in der ich mit Schnappatmung kurz vorm Herzinfarkt stehe, weil er auf seinen wackeligen Beinchen umzukippen und mit dem Kopf auf den harten Holzfußboden aufzuschlagen droht. Mit anderen Worten: Die beiden haben mir beigebracht, in Bewegung zu bleiben, Sport zu treiben und auf meine Fitness zu achten, damit ich mit ihnen mithalten kann. Meine Söhne sind mein Sonnenschein. Sie liefern all die Energie, die ich brauche, um in der Welt zu bestehen.

4. Wenn ich sage, ich liebe euch bis zum Mond und zurück, bauen sie die Rakete dazu.

Mein Sohn nimmt alles wörtlich und mit dieser Liebeserklärung beginnt jedes Mal eine Unterhaltung über den Weltraum. Meist sitzen wir in einer Rakete oder Raumfähre, erreichen das All - und verlassen es erst wieder, wenn etwas anderes seine Aufmerksamkeit fesselt. Was ist nur dran, an den Gedankengängen dieses Jungen, die mich immer wieder so faszinieren? Es ist die intensive, lebendige Neugier, nicht so sehr seine Niedlichkeit, die ihn rettet, wenn er mich mit einem Wutanfall an den Rand des Wahnsinns bringt. Ich glaube, genau deshalb sagt man, "Mädchen werden früher reif" oder "Männer sind wie Bäume, sie brauchen ewig, um zu wachsen". Warum sollte man als Junge schnell wachsen wollen? Wozu die Eile? Nicht ein Gedanke wird daran verschwendet, was man anziehen soll oder was andere denken. Können Sie sich ein Leben vorstellen, in dem das unwichtig wäre? Das Allerwichtigste ist, dass er bestimmen kann, wo's lang geht. Und als seine Mutter kann ich mir nichts Besseres vorstellen.

Mein Sohn hat mir nicht nur beigebracht, dass Dreck den Magen reinigt, sondern auch, dass im Stehen pinkeln Freiheit bedeutet. Dass das Leben kurz ist und man unwichtigen Dingen deshalb möglichst wenig Zeit widmen sollte. Dass etwas, was sich bewegt, höchstwahrscheinlich seine Aufmerksamkeit fesseln wird, kurz bevor er sich durch seinen Übermut verletzt. Und dass das Leben ein Abenteuer ist, das es auszukosten gilt.

Jungs sind die Besten. Aber es gibt einen Grund, warum Mädchen besser sind.

Mädchen werden Mütter und wenn nicht, trotzdem tolle Frauen. Das ist leider nicht zu toppen, Jungs.

Mädchen werden Mütter und wenn nicht, trotzdem tolle Frauen. Das ist leider nicht zu toppen, Jungs.

1."Hinter den meisten Fällen der Geschichte, deren Schöpfer anonym blieb, steckt eine Frau." Virginia Woolf

Wie ziehen Jungs auf. Und das ohne Logesänge und Unterstützung. Weil hinter jedem großen Mann, eine große Frau steht. Ich habe mich nie stärker gefühlt als derzeit. Jetzt, wo ich Mutter bin. Ich kenne sogar Frauen, die keine Mütter sind, aber dennoch das Leben eines Kindes besser machen. Die stärksten Menschen, die ich kenne, begannen ihr Leben als unsicheres kleines Mädchen, mich selbst eingeschlossen. Für Frauen ist es eine schwierige Welt, weil wir, warum auch immer, auch noch schön sein müssen. Für Männer vielleicht oder für einander, ich bin mir nicht mehr sicher. Aber das bleibt nicht immer so. Frauen haben eine einmalige Art, zu sich selbst zu finden. Und ist das erstmal passiert, kann uns nichts mehr aufhalten. Und manchmal, wenn wir ganz großes Glück haben, können wir einen kleinen Teil unseres Lebens mit einem kleinen Jungen verbringen, der uns daran erinnert, das Blödsinnmachen nicht zu vergessen. Denn ohne das ist das Leben nichts wert.

bal
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity