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HAMBURG: »Bitte draußen bleiben«

Schiebt die Hamburger Uni einen Riegel vor das Lehramtsstudium?

Schiebt die Hamburger Uni einen Riegel vor das Lehramtsstudium?

Der Asta-Referent Christian Schomann ist sauer. Der Plan der Uni Hamburg, im Sommer keine Lehramtsstudenten mehr aufzunehmen oder zumindest die Zahl sehr zu beschränken, würde für viele baldige Erstsemester das Aus bedeuten. Dieser Vorschlag »muss aber noch mit der Wissenschaftsbehörde abgestimmt werden«, meint Schomann und hofft, dass das Vorhaben daran scheitert.

Der drohende Lehrermangel hatte dazu geführt, dass in Hamburg die Zulassungsbeschränkungen für Lehramtsfächer aufgehoben wurden - ohne jedoch den Fachbereich zu informieren. Der ist nun mit der Verdoppelung der Anfängerzahl auf 1.200 Studenten völlig überfordert. Für diese große Anzahl gibt es jedoch weder ausreichende Lehrkapazität noch genügend Räume. »Vor den Seminarräumen in Politik drängen sich teilweise bis zu 50 Leute. Und die Profs werfen deshalb zum Teil die Anfänger oder Nebenfächler aus den Seminaren, um unterrichten zu können«, beschreibt Oliver die Situation in seinem Fachbereich. Viele Studenten warten somit auf einer offiziellen »Pechvogelliste« auf einen Platz in den wichtigen Einführungsveranstaltungen. Es ist geradezu paradox: Die Zulassung zum Studium war leichter als die Seminarteilnahme.

Die Grenze ist erreicht

Als Maßnahmen fasst die Uni Hamburg ins Auge, für das Oberstufen-Lehramt nur noch Studienplätze für die Mangelfächer Physik, Chemie, Erdkunde und Russisch anzubieten. Ein hoher Numerus clausus könnte für Grund- und Mittelstufenlehrer eingeführt werden und für die beliebten Fächer Geschichte, Englisch und Mathematik gäbe es eventuell gar eine Sperre.

Dennoch wehrt sich Uni-Vize-Präsident Holger Weidner gegen die Vorwürfe und betont, dass die Hochschule ihre Kapazität in diesem Jahr »von 1.000 auf 1.200 erhöht habe«. Für insgesamt 300.000 Mark habe die Hamburger Universität Vertretungsprofessoren, Lehr- und Hilfskräfte eingestellt. Die Grenze sei nun erreicht.

Die Grenze ist laut des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) noch lange nicht erreicht. So müssten bis 2010 jedes Jahr rund 2.000 Junglehrer eingestellt werden, um die entstehenden Lücken zu füllen, die durch die Pensionierungen entstehen. Volle Seminarräume und zu wenig Professoren sind eine schlechte Grundlage für die zukünftige Lehrergeneration. Aber eine Bildungspolitik, die jetzt erst auf einen Notstand reagiert, ist genauso schlecht vorbereitet wie mancher Fachbereich. Quo vadis? In Hamburg führt der Weg zu verschlossenen Seminartüren. (yk)

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