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Schicksals-Adoption: Sie konnte keine Kinder bekommen, dann traf eine Krankenschwester auf ein Baby, das sie dringend brauchte

Manchmal geht das Schicksal verschlungene Wege, etwa bei Liz Smith und Giselle. Die beiden trafen im Krankenhaus zufällig aufeinander und sind nun eine Familie – auch wenn der Weg dahin nicht leicht war.

Seit dem 18. Oktober 2018 teilen Liz Smith und die kleine Giselle nicht nur ein Zuhause und ihre Liebe zueinander, sondern auch den Nachnamen. Die 45-jährige Krankenschwester hat Giselle auf ihrer Station kennengelernt, sie arbeitet als leitende Krankenschwester am Franciscan-Kinderkrankenhaus in Boston. Seit 22 Jahren ist sie Kinderkrankenschwester, was schon immer einer ihrer beiden Lebensträume war. Der andere war, Mutter zu sein. Doch das erwies sich als schwierig. Als sie 40 Jahre alt war und bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken konnte, versuchte sie alles, um auch ihr zweites Ziel zu erreichen. Damals arbeitete sie noch an einem anderen Krankenhaus. Da sie zu der Zeit gerade Single war, probierte sie alternative Methoden, um schwanger zu werden – sie konsultierte Fruchtbarkeitsspezialisten, suchte Samenspender, ließ künstliche Befruchtungen vornehmen sowie In-Vitro-Fertilisations-Behandlungen. Alles ohne Erfolg. Also gab sie ihren Wunsch auf und zog für ihren jetzigen Job zurück nach Boston, ihre Heimatstadt, und trat ihre Arbeit in dem Krankenhaus aus, in dem sie 20 Jahre zuvor gelernt hatte. Und dort traf sie auf Giselle.

"Ich kam aus einer Untersuchung", berichtet sie dem "Boston Globe" und, wie sie das häufig tat, ging sie bei ihren jüngsten Patienten vorbei. Dort entdeckte sie ein acht Monate altes Baby, das von einer Krankenschwester umhergeschoben wurde und ungewöhnlich ausdruckslos wirkte. "Wer ist dieses hübsche Engelchen", habe sie die Kollegin gefragt, die daraufhin antwortete: "Das ist Giselle." "Das war's. Ich begann, sie jeden Tag nach der Arbeit zu besuchen."

Das Baby hatte einen schwierigen Start

Giselle war in der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen, hat nur knapp 900 Gramm gewogen und litt unter dem neonatalen Abstinenzsyndrom als Folge des Drogenmissbrauchs ihrer Mutter. Das Baby war auf Entzug – von Methadon, Heroin und Kokain. Es war 90 Tage lang künstlich beatmet worden und seine neurologische Entwicklung war ungewiss. Giselle war unterentwickelt – und hatte Smith' Herz gerührt. "Sie war an einem kritischen Punkt und wenn sie das Krankenhaus nicht verlassen würde, würde sie in ihrer Entwicklung zurückbleiben", wusste Smith. Im Oktober 2016 hatte der Staat die Fürsorge übernommen, Giselle bekam fast keinen Besuch und brauchte eine Pflegemutter. Liz Smith sprang ein. Ihre Krankenhauskollegen waren begeistert, beschenkten sie mit einer Babyausstattung und verwandelten ihre Single-Wohnung in ein kindgerechtes Zuhause. In Smith' Schlafzimmer kam ein Gitterbettchen, in dem sie Giselle im Auge behalten konnte. Sie wurde damals künstlich ernährt und übergab sich regelmäßig.

"Eines Nachts hatte ich sie auf dem Arm und ging an einem Spiegel vorbei. Plötzlich dachte ich, 'ich könnte sie verlieren'", erzählt Smith dem "Boston Globe". Sie sprach mit den staatlichen Behörden, die ihr sagten, sie kämen nicht einfach mitten in der Nacht. So etwas würde vorher geplant. Und Smith wurde schlecht. "Man kann nicht nur ein bisschen lieben", sagt sie. "Man gibt alles." Und genau das tat sie, denn vor einer Adoption mussten rechtliche Schritte eingehalten werden. Überwachte Besuche der leiblichen Eltern, Gespräche über eine mögliche Wiederzusammenführung der Familie, die jedoch allmählich verblassten. "Als ich den Anruf bekam, dass die Eltern keine rechtlichen Ansprüche mehr stellen können, war ich unerwartet traurig – für sie. Ich würde sie bekommen, aber sie würden sie verlieren. Aber eine Sucht zu bekämpfen und Mutter zu sein, ist unmöglich."

Endlich, endlich, endlich

Am 18. Oktober 2018, dem Geburtstag von Smith' Großmutter, war es soweit. Die ganze Familie kam im Gericht zusammen. Im Gerichtssaal stand die Richterin auf und sagte: "Wenn ein Richter den Raum betritt, steht jeder auf, aus Respekt. Aber heute stehe ich für Sie auf, Liz, denn Ihnen gebührt der Respekt dieses Raumes." Alle begannen zu weinen. "Eine Geburt ist ein Wunder. Aber auf diese Weise ein Kind zu adoptieren, ist Schicksal. Das hat Sie beide zusammengebracht." Smith erhielt die offiziellen Adoptionspapiere und alle jubelten.

Inzwischen geht Giselle in den Kindergarten. Smith schönste Momente sind, sie morgens zu wecken und am Nachmittag wieder abzuholen. Sie muss schaffen, was alle allein erziehenden Mütter schaffen müssen. Und Giselle und sie lieben schon Kleinigkeiten. Zum Beispiel das erste TV-Dinner mit Pizza, jetzt, wo Giselle selbst essen kann und wie Smith es als Kind auch schon geliebt hat. "Sie war außer sich", erzählt Smith. "Dasitzen und ein Stück Pizza essen. Es war einer unserer glücklichsten Momente. Ich könnte nicht glücklicher sein. Und ich könnte sie nicht noch mehr lieben."

Quellen: Facebook, "Boston Globe"

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