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Allensbach-Familienstudie: Wie in den Fifties - Papa verdient, Mama dient

Eine Studie zur Aufgabenverteilung in Familie und Beruf gibt neue Einblicke in die deutsche Gesellschaft. Die Untersuchung zeigt: Wir sind ganz schön hinterwäldlerisch. 

Von Beke Detlefsen

Allensbach Familienstudie über die Aufgabenverteilung zwischen Vater und Mutter

Mama bleibt zuhause: Die Aufgaben-Verteilung zwischen Mutter und Vater ist häufig dauerhaft. 

Papa verlässt morgens mit dem Aktenkoffer das Haus. Mama bleibt daheim und kümmert sich um die Kinder. So war das in den 50er Jahren, vor der Emanzipation, vor der sexuellen Revolution. Die klassische Rollenverteilung ist heute Schnee von gestern.

Dachten wir. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, die am Dienstag von Familienministerin Manuela Schwesig in Berlin vorgestellt wurde, zeichnet ein überraschendes Bild von der heutigen deutschen Familie. Gleichberechtigte Arbeitsverhältnisse? Geteilte Verantwortung für die Kinder? Pustekuchen.

Die Wissenschaftler haben von Oktober bis Dezember vergangenen Jahres über 3000 Interviews geführt. Zielgruppe waren Mütter und Väter, die als Paare mit gemeinsamen Kindern unter sechs Jahren zusammenleben. Die repräsentative Studie untersuchte, wie und warum sich Eltern für eine bestimmte Verteilung der Erziehungsaufgaben von Mutter und Vater entschieden haben. Die überraschenden Ergebnisse:

1. Männer bleiben im Beruf 

Vor der Geburt des ersten Kindes arbeiten bei 71 Prozent der Paare beide Elternteile in Vollzeit. Diese Konstellation behalten nach der ersten Elternzeit nur 15 Prozent der Paare bei. Stattdessen arbeitet bei einem Viertel der Paare die Mutter anschließend in Teilzeit, während der Vater weiter in Vollzeit beschäftigt ist. Bei 17 Prozent der Paare etabliert sich nach der ersten Elternzeit die Konstellation, dass der Vater Vollzeit arbeitet und die Mutter gar nicht mehr.

2. Frauen übernehmen die Erziehungsaufgaben 

Die Studie belegt, dass die Mütter den Großteil der Kinderbetreuung und übrigen Familienarbeit übernehmen. Nach den Ergebnissen ist es in 62 Prozent der Familien die Mutter, die sich um den allergrößten Teil beziehungsweise fast alle Aufgaben kümmert.

3. Frauen arbeiten dauerhaft weniger 

Die Entscheidung, die die Eltern über die Aufgabenverteilung in der Familie treffen, ist für die Frau häufig berufs- und lebensprägend. Zwei Drittel der Mütter und 89 Prozent der Väter entscheiden sich nach der Geburt weiterer Kinder wieder für die gleiche Arbeitszeit wie beim ersten Kind. Insgesamt unterscheidet sich der Berufsverlauf von Frauen daher sehr stark von denen der Männer. Bis zum etwa 30. Lebensjahr ist die Mehrheit der Frauen Vollzeit beschäftigt. Bei älteren Frauen sinkt der Anteil der voll Erwerbstätigen deutlich unter 50 Prozent. Bei den Männern steigt er gleichzeitig auf fast 90 Prozent.

Grafik zur Vollzeitberufstätigkeit bei Männern und Frauen


4. Unterschied zwischen Ost und West 

Ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung ist Deutschland bei der Kinderbetreuung weiterhin gespalten. Vor der Geburt des ersten Kindes arbeiteten bei 71 Prozent der ost- sowie westdeutschen Paare beide Elternteile in Vollzeit. Nach der Elternzeit verfolgen dieses Arbeitsmodell in Ostdeutschland noch 34 Prozent der Paare, im Westen nur noch elf Prozent.

Das klassische Bild der Mama, die sich um die Kinder kümmert, ist in Westdeutschland noch deutlich weiter verbreitet. 

Die Studie zeigt aber auch, dass die Deutschen sich eine weniger ungleiche Verteilung in der Kinderbetreuung wünschen. 52 Prozent der Väter würden sich gerne mehr beteiligen, aber nur wenige verwirklichen diese Vorstellung - aus Angst, weniger zu verdienen oder Karrierechancen zu mindern.

Ein altmodisches Deutschland

"Die Politik hat die Verantwortung, die Rahmenbedingungen für die Wünsche der Eltern zu schaffen und Optionen zu eröffnen", sagte Renate Köcher vom Allensbach-Institut in Berlin.

24-Stunden-Kitas, steuerliche Entlastungen für Alleinerziehende, das ElterngeldPlus - Maßnahmen und Gesetze, mit denen Manuela Schwesig Familien mehr Flexibilität, umfassende Betreuungsmöglichkeiten und finanzielle Sicherheit gewährleisten möchte.

Nur: Wo sind die Familien dazu? Im altmodischen Deutschland offenbar nicht. 

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