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Antworten auf Jungsfragen: "Eltern verbieten Sex, was jetzt?!"

Eine Zeitschrift kaufen, um sich aufklären zu lassen? Macht kein Teenager mehr. Auf dem Youtube-Kanal Jungsfragen können Jungen alles fragen, was sie wissen wollen. Es dreht sich vor allem um eins.

Ben Scholz dreht seine Aufklärungsvideos im heimischen Wohnzimmer. Die meisten Jungen, die sich mit Fragen an ihn wenden, sind 13 oder 14 Jahre alt.

Ben Scholz dreht seine Aufklärungsvideos im heimischen Wohnzimmer. Die meisten Jungen, die sich mit Fragen an ihn wenden, sind 13 oder 14 Jahre alt.

In der Pubertät lernen Kinder vor allem ein Gefühl ganz neu kennen: Alles ist peinlich. Die Eltern, die eigenen Klamotten, die Pickel im Gesicht. Und das Allerpeinlichste sind die Veränderungen untenrum. Jahrelang war "Bravos" Dr. Sommer für Fragen rund um Körper, Sexualität und vorzeitigen Samenerguss zuständig, aber inzwischen investieren Teenager ihr Taschengeld selten in Printprodukte. Sie sind online, viele Stunden am Tag. Kommuniziert wird über Facebook, Whatsapp, Instagram und Snapchat und für den Rest gibt's Youtube. Und bei Youtube gibt es Ben.

Ben Scholz hat vor gut einem Jahr die ersten Aufklärungs-Videos für Jungen hochgeladen und den Kanal "Jungsfragen" eingerichtet. Der 34-jährige Kölner kennt die Nöte und Sorgen von Teenagern, weil er unter anderem an Schulen unterrichtet - Sexualerziehung. "Da merke ich ganz oft, dass es eine riesige Unsicherheit gibt", sagt er. Mit dem Youtube-Kanal will er auch Eltern erreichen und ihnen eine Vorlage geben, wie sie Fragen ihrer pubertierenden Kinder beantworten können.

Auf seiner Website verwaltet Scholz zum Beispiel eine Datenbank, in die Jungen ihr Alter, Größe, Gewicht und die Maße ihres Penis eingeben - und vergleichen können. Die knapp 6000 Eingaben schwere Sammlung trägt insofern zur Aufklärung bei, als dass sie zeigt, dass die Bandbreite riesig ist. Und im Laufe der Jahre am eigenen Körper durchaus noch Veränderungen anstehen.

stern sprach mit dem Youtuber über seinen Kanal, seine Zielgruppe und über sein Motiv, die Jungsfragen zu beantworten.

Sind die Kinder in der Schule genauso offen wie anonym bei Youtube?
Das ist ganz unterschiedlich und hängt von der Dynamik in der Klasse ab. Wenn sie sich gut verstehen und tolerant miteinander umgehen, stellt auch jeder eine Frage und keiner hat Angst. Ganz tolle Gespräche entstehen dort. Wenn es aber eine Klasse ist, in der zwei Platzhirsche um den Alphastatus kämpfen und alle anderen sowieso unterbuttern, passiert in der Klasse gar nichts. Unterm Strich kann man sagen, dass sie im Internet freier sind, weil sie sich hinter ihrem Nickname verstecken können.

Der Tenor in deinen Antworten auf die Fragen der Jungen ist meistens "Mach dir keine Sorgen, du bist genau richtig, wie du bist". Fehlt den Jungen ein Ansprechpartner im "echten Leben"?


Ja, ich denke schon. Und ich glaube, dass die ganzen Trolle im Netz ein großes Problem sind. Wenn die Kids das Gefühl haben, mit meinem Penis stimmt was nicht, geben sie ihre Symptome bei Google ein und landen dann bei Antworten wie "Dir muss der Sack amputiert werden". Im Schulunterricht merke ich das an Fragen wie: "Ist das jetzt normal oder muss ich mir Sorgen machen? Bei meinem Kumpel ist das so, bei mir ist das nicht so. Bin ich unnormal?" Die Jungen haben keine Vergleichsmöglichkeiten und da ist es wichtig, dass man ihnen sagt, es ist alles völlig okay, bei dem einen ist es so, bei dem anderen so. Oft fehlt es am absoluten Basiswissen.

Generierst du die Themen aus deiner Community?
Exakt. Die meisten Fragen sind von den Jungs selbst. Die schreiben mich ja auch pausenlos über E-Mail oder bei Youtube in den Kommentaren an, die ich auch alle zu beantworten versuche. Alles wird gelesen. Daraus resultieren die Themen. Wenn ich merke, dass sich eine Frage häuft, beantworte ich diese in einem Video. Oder aber mich interessiert selbst etwas oder ich denke, dies und das ist wichtig, darüber sollten wir noch sprechen, dann ziehe ich das Thema vor.

Sind viele deiner Zuschauer schwul?


Das frage ich mich auch, das kann ich leider schlecht messen. Was ich aber gemerkt habe ist, dass unter meinen Videos ganz viele Schwule ganz offen mit ihrer Sexualität umgehen. Und was ich ganz bedeutend und toll finde, ist, dass meine Hetero-Zielgruppe auch super tolerant mit den Homosexuellen umgeht. Die "Jungsfragen" sind eine große tolerante Familie und nicht so wie unter anderen Videos, wo nur rumgehatet wird.

In der Penisliste wird auf die Frage "Mit wem hattest du deinen ersten Sex"? oft "Mit einem Jungen" angegeben.


Man muss immer gucken, wie die Jungs "erstes Mal" definieren. Wenn sie es so auslegen "Wer hat mir zum ersten Mal einen Orgasmus verschafft, den ich nicht selber gemacht habe?", weil man sich gemeinsam mit dem besten Kumpel einen Porno angeguckt hat, dann ist es klar, dass diese Zahl so hoch ist. Aber in der Penisliste gibt es eine genaue Statistik, darin werden alle bisher knapp 6000 Einträge analysiert. Ich habe 2700 heterosexuelle Jungs in der Liste, 1200 bisexuelle und 1700 homosexuelle. Die Mehrheit liegt also bei den Heteros. Wenn man Rückschlüsse von der Liste auf die Abonnenten ziehen möchte, hätte ich also mehr heterosexuelle als homosexuelle Zuschauer. Was mir im Grunde aber völlig egal ist, denn es ticken ja alle gleich - egal welche sexuelle Neigung jemand hat; und das bezieht sich auf jeden Lebensbereich.

Viele der Fragen an dich sind auch medizinischer Natur. Holst du dir Rat bei Ärzten?
Unter anderem auch. Ich habe selbst ein großes medizinisches Interesse und bin in dem Bereich nicht ganz doof. Ich sauge solche medizinischen Themen auf, ohne zu detailliertes Wissen zu haben. Deswegen kann ich bei vielen Fragen eine erste Einschätzung geben und sagen, das wird wahrscheinlich dies oder das sein. Aber bei wirklich schwierigen medizinischen Fragen kommt immer der Ratschlag: Wenn du unsicher bist, geh zum Arzt. Oder auch: Du gehst sofort zum Arzt!

Verdienst du Geld mit der Seite?
Ich würde jetzt gerne ja sagen, aber nein, da bin ich noch ganz am Anfang. Momentan ist das ein Projekt, in das ich sehr viel Zeit, Engagement und auch Geld stecke, ohne dass wirklich was zurückkommt - bis auf die Danke-Mails von den Nutzern.

Ist Geldverdienen das Ziel?


Jein. Ich mache das tatsächlich, weil es mir Spaß macht und weil ich es wichtig finde. Bei mir gab's das damals nicht in der Schule und wenn, dann war das immer stocksteif. Und das hat uns relativ wenig gebracht. Deswegen wollte ich das goodwillmäßig machen. Wenn ich letztendlich etwas damit verdienen kann, dann gern. Aber ich mache es nicht des Geldes wegen.

Was machst du neben dem Unterrichten beruflich?


Ich habe eine Halbtagsstelle in einem gemeinnützigen Verein hier in Köln und die andere Hälfte des Tages bin ich selbstständig, da verdiene ich zum Beispiel auch mit meiner Stimme Geld. Ich bin eigentlich gelernter Mediengestalter mit Schwerpunkt Design. Ab und zu stehe ich vor der Kamera oder auf der Bühne und moderiere. Neulich zum Beispiel die Filmpremiere von "Zwei Gesichter", das ist ein Film über das Outing eines schwulen Jung-Fußballers. Die habe ich aufgrund der Jungsfragen moderiert, und so schließt sich der Kreis.

Wie oft stellst du neue Videos online?
Am Anfang habe ich deutlich häufiger Videos veröffentlicht, manchmal drei pro Woche. Jetzt bin ich dazu übergegangen, einmal die Woche ein Video zu veröffentlichen und zwar samstags. Das habe ich ganz demokratisch entschieden. Ich habe die Jungs in einem Video gefragt: Wann wollt ihr, dass ich neue Videos online stelle? Wenn es aber was Dringendes gibt, wie jetzt zum Beispiel den Valentinstag, dann haue ich auch zwischendurch was raus.

Gibt es auch eine feste Uhrzeit?


Gerne morgens. Wenn die Jungs aufstehen und auf ihr Handy gucken, dann öffnen sie selbstverständlich auch Youtube und sehen es. Das können sie sich dann noch ganz entspannt im Bett angucken.

Du hast rund dreieinhalbtausend Abonnenten. Wie viele User sehen im Schnitt ein Video?


Das ist unterschiedlich. Das Video "Wie merkt man, ob man schwul ist?" haben zum Beispiel 30.000 gesehen. "Penislänge" auch 30.000. Und "Untenrum rasieren" 18.000. Es gibt aber auch Themen, die krepeln bei 4000 rum.

Hast du schon mal Ärger mit Eltern gekriegt, denen deine Seite zu freizügig ist?
Nein, das wäre auch lächerlich. Die Eltern sind ja in der Pflicht, ihre Kinder zu beaufsichtigen und bis zu einem gewissen Alter gilt das auch fürs Internet. Und wenn sie das nicht tun, können sie mir auch nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Außerdem mache ich das ja auf einem Level, auf dem sich die Jungs eh unterhalten - das ist also nichts Neues für die Kinder. Und da ich ihnen keinen Blödsinn erzähle, greife ich den Eltern ja ein Stück weit unter die Arme.

Und haben sich vielleicht schon mal Eltern bedankt, dass ihr Kind bei dir ein offenes Ohr für seine Fragen findet?


Ja, das ist definitiv passiert. Nicht so häufig, aber ich habe tatsächlich acht oder neun E-Mails von Eltern bekommen, die schrieben: "Das finden wir cool. Mein Sohn ist zwar noch viel zu jung, aber ich höre mir das an, denn irgendwann wird er ja Fragen stellen." Neulich hat mich die Kinder- und Jugend-Ärztekammer angeschrieben und meinte, was ich mache, sei supergut und besetze eine Nische. Diverse Sexualpädagogen haben mich angeschrieben und berichtet, dass sie mit meinen Videos Schulungen gäben. Und vor einer Woche hat mich eine Biolehrerin angeschrieben, sie meinte: "Meine ganze Klasse feiert dich total, weil du das so gut erklärst."

Interview: Susanne Baller
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