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Bertelsmann-Studie: Frühkindliche Bildung? Im Osten schwierig

Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Beim Personalschlüssel in deutschen Kitas und Kindergärten lässt sich ein positiver Trend erkennen. Doch noch immer gibt es zu wenig Erzieher. Und die leiden unter befristeten Arbeitsverträgen und Zeitdruck.

Von Susanne Baller

Bislang erfüllt noch kein Bundesland den Personalschlüssel in den Kitas, doch am schwierigsten ist das Verhältnis Erzieher:Kinder in den ostdeutschen Bundesländern

Bislang erfüllt noch kein Bundesland den Personalschlüssel in den Kitas, doch am schwierigsten ist das Verhältnis Erzieher:Kinder in den ostdeutschen Bundesländern

Alljährlich erhebt die Bertelsmann Stiftung die aktuellen Zahlen zur frühkindlichen Bildung in einem sogenannten Ländermonitor, der die einzelnen deutschen Bundesländer miteinander vergleichbar macht. Nachdem früher vorwiegend in den Ausbau an Kitaplätzen, also quantitativ, investiert worden ist, soll sich nun die Qualität verbessern, indem der Betreuungsschlüssel optimiert wird. Und tatsächlich hat sich schon ein bisschen was getan. Das ist allerdings kein Grund für die Bundesländer, sich zurückzulehnen, denn die Empfehlung der Bertelsmann Stiftung für ein kindgerechtes Verhältnis hat bislang noch kein Bundesland erreicht. Nur Baden-Württemberg ist schon ganz nah dran:

Die extremsten Zahlen in West und Ost

Top oder FlopBundeslandKinder pro ErzieherKinder pro Erzieher
Betreuungsart
Krippe
(0 bis 3 Jahre)
Kindergarten
(3 bis 6 Jahre)
Idealfür alle Länder37,5
bester Wert WestBaden-Württemberg3,17,7
schlechtester Wert WestHamburg5,18,7
bester Wert OstThüringen5,311,4
schlechtester Wert OstSachsen6,513,6

Was sofort ins Auge sticht, ist, dass das schlechteste westdeutsche Bundesland bei U3-Kindern, Hamburg, immer noch mit besseren Zahlen aufwarten kann als das beste ostdeutsche, Thüringen. "Die Personalschlüssel sind längst noch nicht überall kindgerecht und pädagogisch sinnvoll, aber der Trend ist positiv", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Die schlechten Zahlen im Osten Deutschlands erklären sich auch dadurch, dass Krippenplätze dort deutlich stärker beansprucht werden: Während im Westen lediglich 22,7 Prozent der Unter-Dreijährigen betreut werden, sind es in den ostdeutschen Bundesländern fast die Hälfte (46,6 Prozent). Wie negativ sich ein schlechtes Betreuungsverhältnis nicht nur auf Kinder, sondern auch auf das Personal auswirkt, hat die Alice Salomon Hochschule Berlin nachgewiesen. Deshalb hat Bertelsmann in diesem Jahr auch die Arbeitsbedingungen der Erzieher unter die Lupe genommen.

Theorie versus Alltag

Dabei stellte sich heraus, dass es keine klare Regelung gibt, wie viel Zeit der Betreuer für die Kinder und wie viel für Team- und Elterngespräche, Dokumentation von Bildungs- und Lernprozessen sowie für die eigene Fortbildung vorgesehen ist. Gerade Teilzeitkräfte, immerhin 41 Prozent der Erzieher, arbeiten weniger als 32 Stunden pro Woche, und geraten dadurch unter Zeitdruck, weil sie für diese Zeit komplett für die Betreuung verplant werden - die anderen Aufgaben aber ebenfalls erledigen müssen.

Hinzu kommen noch die prekären Arbeitsverhältnisse, denen sie ausgesetzt sind: 41 Prozent der Fachkräfte unter 25 Jahren haben ein befristetes Arbeitsverhältnis. Obwohl hoher Fachkräftemangel beklagt wird, werden die ausgebildeten Erzieher also nicht durch eine Festanstellung an ihre Kindergarten gebunden und gewertschätzt. Inklusionsfachkräften ergeht es kaum besser, jede dritte erhält nur einen Zeitvertrag. Lediglich für Führungskräfte sieht es anders aus, Kita-Leitungen gelten als Stammpersonal und sind nahezu überall fest angestellt. "Angesichts der konstant hohen Unterschiede zwischen den Bundesländern werden bundeseinheitliche Qualitätsstandards für Kindertagesbetreuung immer drängender", sagt Dräger dazu.

So sieht's aus: aus dem Alltag einer Erzieherin

Bertelsmann Stiftung 2015


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