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Coronakrise in England: Brief von Schulleiter: Lieber ein Schuljahr wiederholen als "ein Kind zu verlieren"

Am 1. Juni sollen die Grundschulen in England wieder öffnen. Im Vorfeld verbreitet sich der Brief eines Schulleiters an die Eltern seiner Schüler. Darin spricht er auch offen davon, dass es Tote geben könnte.

Eine Grundschülerin meldet sich im Unterricht

Viele Lehrer sehen die Öffnung der Schulen in England mit Sorge (Symbolbild)

DPA

Ab dem 1. Juni sollen zumindest einige Grundschüler in England wieder die Schule besuchen, so sieht es ein Plan von Premierminister Boris Johnson vor. Voraussetzung dafür ist, dass die Infektionsrate, der sogenannte R-Wert, unter eins bleibt. Der Schulbesuch soll aber zunächst freiwillig sein. Wegen des Coronavirus waren die Schulen im ganzen Land über Wochen geschlossen gewesen.

Unter Lehrern und Eltern ist jedoch die Sorge groß, dass sich Kinder in der Schule mit dem Virus infizieren und dieses weiter verbreiten könnten. Mehrere Lehrerverbände meldeten Zweifel an, ob Schulöffnungen wirklich sicher sind. Auf der Insel hat zudem ein Brief des Schulleiters einer Grundschule in Sheerness, Howard Fisher, für einiges Aufsehen gesorgt. Fisher wendet sich darin an die Eltern und macht aus seinen Bedenken keinen Hehl. Er spricht sogar offen von Gefahren, die für das Leben der Kinder bedrohlich sein können.

Please see below a message from Mr Fisher this morning following the Prime Ministers address last night. This information has also been shared with parents via our parent app.

Gepostet von St Georges Primary School Sheppey am Montag, 11. Mai 2020

"Es gibt kein Social Distancing in der Schule"

Fisher hatte den Brief einen Tag nach der Ankündigung des Premierministers verfasst. Ihm lägen noch keine genaueren Anweisungen vor, er habe aber "nichts gehört, was mich beruhigt". Im neuen Schulalltag müssten sich die Kinder an Abstandsregeln halten – aus Sicht von Fisher völlig abwegig: "Es gibt kein Social Distancing in der Schule, das gab es nicht und das wird es nicht geben." Jeder sei mit jedem in Kontakt.

Natürlich wolle er gern seine Lehrer und Schüler wiedersehen. Doch Fisher hat starke Zweifel daran, dass er für ihre Sicherheit garantieren kann. Es gebe weder zuverlässige Tests noch eine Impfung – "nur die Möglichkeit, dass alles okay sein wird (...) – und okay reicht nicht aus, wenn es um ein solches Geschenk wie Ihr Kind geht."

Es könnte auch zu Todesfällen kommen

Die Lösungen, die die Regierung anbietet, überzeugen Fisher nicht: Seiner Ansicht nach würden sich Infektionen bei Grundschulkindern nicht mit Abstandsregeln, verpflichtendem Händewaschen und kleineren Klassen verhindern lassen. In seiner Zeit als Schulleiter und Lehrer habe er zwei Dinge gelernt, schreibt der Rektor: immer ehrlich zu sein und im Zusammenhang mit Kindern immer auf das Schlimmste vorbereitet zu sein.

Deshalb spricht Fisher auch das Schlimmstmögliche aus: Es könnte zu Todesfällen kommen. "Mir wäre es lieber, dass jedes Kind ein Schuljahr wiederholt als dass wir zu früh zurückgehen und ein Kind verlieren", schreibt er an die Eltern. Die Entscheidung aber liegt letztendlich bei der Politik – und bei den Eltern. Die müssten nun abwägen, ob sie ihr Kind in die Schule schicken und es der Gefahr aussetzen wollten.

Quellen: St. George's Primary School Sheppey auf Facebook / BBC

epp

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