HOME
Blog

Daddylicious: Von Muscheln zu Fußballbildern – Liegt uns das Sammeln im Blut?

Das Überraschungsei als Einstiegsdroge: Die Sammelleidenschaft vieler Kinder schlägt sich immer ungehemmter Bahn. Auch Kai Bösel kann davon ein Lied singen. Seine Tochter hat eine ausgeprägte Leidenschaft für Steine.

Ein Kind präsentiert stolz seine Muscheln

Die Ausbeute eines Strandspaziergangs. Eines sehr kurzen Spaziergangs.

Die Fußball-EM steht vor der Tür und die Hamburger Innenstadt wird extra abgesperrt, um mit der Panini-Tauschbörse dafür zu sorgen, dass die kleinen Sammler ihre letzten Sticker in das Heft zur UEFA EURO 2016 kleben können. Welches nach dem Finale wahrscheinlich in den Untiefen der deutschen Kinderzimmer verschwindet. Zum Fußballfest des Jahres zeigt der Sammelwahn seine wildesten Auswüchse. Und wir wissen nun endlich, wo das seinen Ursprung hat. Aber dazu später …

Panini ist nur die Spitze des Eisberges. Den Kindern wird das Sammeln von allen Seiten nahegebracht, meist mit kommerziellen Absichten. An der Supermarktkasse gibt es "Star Wars"-Sticker, einen pro zehn Euro Einkauf. Es gibt 36 Sticker. Wenn ihr eurem Nachwuchs das Album füllen wollt, dann müsst ihr ohne doppelte Sticker für 360 Euro einkaufen. Mit Doppelten werdet ihr wahrscheinlich vierstellig. Und das in einem recht kurzem Aktions-Zeitraum.

Einstiegsdroge ist für viele das Kinder-Überraschungsei, quasi die Mutter aller Blindpacks. Was wurde da schon geschüttelt, gehorcht und gewackelt auf der Suche nach Happy Hippos oder den Schlumpfsets. Es ist eben doch was dran an dem "Jäger und Sammler"-Gen. Bei den Kleinen ist die Sammelleidenschaft dabei auf jeden Fall ausgeprägter als der Drang zu jagen.

Alle Steine müssen mit!

Und jetzt habe ich den Beweis, dass der Sammelwahn unseren Kindern offensichtlich sogar in die Wiege gelegt wurde. Zumindest einigen von ihnen. Wir haben so ein Exemplar zu Hause. Gerade waren wir für elf Tage im Familienurlaub auf Lanzarote. Jeden Tag haben wir mit unserer Tochter unsere Runden über die Strände und Vulkansteinfelsen gedreht. Und dabei auf ihren Wunsch hin haufenweise kleine Schätze in Form von Steinen, Muscheln und Schneckenhäusern gesammelt. Keinesfalls ging es dabei nur um die ganz hübschen, glänzenden oder besonderen Fundstücke. Vielmehr war alles, was größer als ein Sandkorn war, schon des Sammelns wert. Nachdem die Taschen schon voll waren, wurde die Ansage, dass nun nur noch die ganz besonderen Muscheln, Schnecken und Steine ins Körbchen dürfen, geschickt umschifft, indem bei jedem Fund sofort laut "Oh, guckt mal Mama, Papa …die ist aber besonders hübsch!" mit entsprechender Euphorie ausgerufen wurde. Schönheit liegt nun mal im Auge des Betrachters.

Die Muschel-Ausbeute

Die Muschel-Ausbeute

So haben wir im Laufe des Urlaubes einige kleine Eimer gefüllt. Und wir konnten unsere Tochter nur mit Mühe und Not davon abhalten, die komplette Ladung in ihrem Koffer zu verstauen und mit nach Hause zu nehmen. Ein paar der wirklich schönen Modelle haben am Ende trotzdem den Weg zu uns geschafft. Was ich allerdings nicht abstreiten kann, ist auch bei mir die freudige Spannung bei der Suche nach den schönsten der angespülten Exemplare.

Sammeln scheint in unserer Natur zu liegen. Ob nun Bierdeckel, Briefmarken (die Älteren erinnern sich) oder Sticker. Die Gründe scheinen verschieden. Die Glücksmomente bei einem vollständigen Set, die beruhigende Stimmung bei der Suche oder die aufregende Jagd nach den letzten noch fehlenden Objekten. Ich bin gespannt, wie die Sache mit den Steinen weitergeht. Aktuell tippen wir auf den Berufswunsch Geologin. Aber vielleicht wird der auch bald abgelöst von Ballerina, Reiterin oder Busfahrerin. Wir bleiben dran.

Wissenscommunity