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Erblindender Junge: Louis' letzte Chance, die Welt zu sehen

Louis leidet unter einer unheilbaren Krankheit und wird bald blind sein. Doch vorher reist der Zwölfjährige noch an seine Wunschziele - zum Beispiel in ein amerikanisches Basketballstadion.

Von Viktoria Meinholz

Dass die Boston Celtics das Spiel am Ende 88 zu 108 verlieren, war einem Zuschauer ganz egal. Louis Corbett strahlte von einem Ohr zum anderen. Der Zwölfjährige ist riesiger Celtics-Fan und hat zum ersten Mal ein Spiel seiner Idole live gesehen. Zum ersten und wahrscheinlich auch letzten Mal. Denn Louis leidet unter Retinopathia pigmentosa, einer Netzhautkrankheit, durch die er sein Augenlicht verlieren wird. Auch zwei seiner Brüder erbten die Krankheit. Doch schreitet sie bei ihnen um einiges langsamer voran als bei Louis. Der Junge aus Neuseeland hat bereits die Hälfte seiner Sehkraft verloren und wird voraussichtlich im Laufe des Jahres komplett erblinden.

Deswegen saß er an einem Märzabend in der TD Garden-Arena und war für einen Moment ein interessanterer Star als die doppelt so großen Spieler. Mehrere Kamerateams waren gekommen, um Louis zu interviewen. Er durfte seine Mannschaft in der Umkleide besuchen, saß beim Spiel in der ersten Reihe und staubte so manch ein signiertes Kleidungsstück ab.

Möglich gemacht hat diesen Abend ein sehr großzügiger und wohlhabender Nachbar. Als er von Louis' Krankheit hörte, rief er eine Spendenseite für den Jungen ins Leben. Und steuerte selbst eine sehr große Summe bei. Durch die Unterstützung völlig fremder Menschen und einiger Firmen konnte Louis zusammen mit seinem Vater und einem seiner Brüder von Neuseeland in die USA fliegen, um dort die größten Wünsche des Jungen in Erfüllung gehen zu lassen.

Zu Google und ins Disneyland

Als Louis' Eltern erfuhren, dass die Krankheit so viel schneller fortschreitet als gedacht, beschlossen sie, ihrem Sohn ganz besondere Erinnerungen zu schenken. Und Orientierungspunkte für seine Zukunft ohne Augenlicht. Wenn ihm später jemand von einem Wolkenkratzer erzählt, kann er fragen: "So hoch wie das Empire State Building?" Und wenn ein Sonnenuntergang besonders spektakulär sein soll, kann er sich all die Sonnenuntergänge vorstellen, die seine Eltern ihm seit der Diagnose gezeigt haben.

Sie fragten ihn, was er am allerliebsten auf der ganzen Welt sehen würde. "Ein Basketballspiel in einem großen Stadion in Amerika", war die prompte Antwort des Zwölfjährigen. Eigentlich hatte seine Mutter auf "Europa in acht Tagen" gehofft. Doch statt Eiffelturm, Big Ben und Kolosseum zieht es ihren Sohn zu den Niagarafällen, nach New York City, ins Disneyland und zum Google-Hauptquartier.

Im Disneyland und bei Google waren Vater und Sohn bereits, wie man auf der Facebookseite der Familie lesen kann. Doch der Abend bei den Celtics war bislang das Highlight ihrer Reise. Ein Abend, den Louis nie vergessen wird.

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