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Mutter-Schelte: Ein Stück Schokokuchen in der Brotdose? Das macht die Lehrerin echt ":-("

Dass Kinder gesunde Lebensmittel in ihrer Brotdose haben, ist Erziehern vieler Länder ein Anliegen. In Australien reagieren Eltern allerdings total sauer, wenn sie deswegen ermahnt werden. Das geht zu weit, finden sie.

Zettel aus der Vorschule mit Ermahnung an die Mutter

Kein Fleißsternchen für Mutti, sondern ein echt trauriger Smiley. Warum? Weil fürs Frühstück ein Stück Schokoladenkuchen in der Brotdose ihres dreijährigen Kindes war.

In einer deutschen Großstadt würde es sich wahrscheinlich keine Mutter oder kein Vater, je nachdem, wer im Haushalt für die Brotdosen der Kinder zuständig ist, mehr trauen. Wir haben uns in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, den Kindern Obst, Gemüse und ein Vollkornbrot mit Käse mitzugeben statt Croissant oder Franzbrötchen plus Schokoriegel. Wir wissen, wie Kinder aufdrehen, wenn sie zuckerhaltige Nahrung zu sich nehmen, was das mit ihren Zähnen macht – und für welche Dynamik das unter den Gleichaltrigen sorgt. Hat einer Gummibären dabei, wollen alle welche.

In Australiens Hauptstadt Canberra scheint sich das Thema von gesund befüllten Lunchboxen noch nicht so durchgesetzt zu haben. Anders lässt sich kaum erklären, warum sich unter einem Facebook-Posting der Frauenrechts-Expertin, Autorin und Kommentatorin Melinda Tankard Reist mehr als tausend Menschen wütend in den Kommentaren äußern. Tankard Reist hatte einen Zettel veröffentlicht, den eine befreundete Mutter vom Kindergarten ihres dreijährigen Kindes erhalten hatte.


"Ihr Kind hatte heute ein Stück Schokoladenkuchen aus der Kategorie Rote Lebensmittel. Bitte wählen Sie gesündere Alternativen für den Kindergarten", steht dort geschrieben. Obendrüber ein bekümmert blickender Smiley. DAS wäre ein Thema, über das man sich in Deutschland aufregen würde: dass die Mutter angesprochen wird, als wäre sie selbst ein Kindergartenkind. Nicht so auf dem fünften Kontinent.

Diese Vorschrift schmeckt australischen Eltern nicht

"Bei uns war im vergangenen Jahr auch die Lebensmittel-Polizei. Tüten mit Tiny Teddies [australische Kekse für Kinder, Anm. d. Red.] wurden zurück nach Hause geschickt und den Kindern gesagt, sie dürften sie nicht essen. Seit wann sind Vorschullehrer qualifizierte Ernährungsberater?", regt sich Georgie C. zum Beispiel auf. Als eine Mutter wagt, das Vorgehen zu verteidigen, weil die Kekse vielleicht nicht für jedes Kind verträglich sind, ergießt sich die gesammelte Wut über sie. "Was für ein Unsinn!", schreibt Anthea L.T., "die Lehrerin war wahrscheinlich nur neidisch, weil sie keinen Schokladenkuchen hatte ... diese Lebensmittelpolizei geht zu weit."

Auch Tankard Reist zeigt kein Verständnis für die Ansage, sie hatte ihr Posting folgendermaßen anmoderiert: " Meine Freundin (Mutter von 8 gesunden Kindern, der angefügte Zettel betrifft Kind Nummer 7) bekam das heute vom Kindergarten ihrer/s Dreijährigen. Ich habe ihr gesagt, sie soll morgen zwei Stück einpacken und ihnen sagen, sie sollen ihr den Buckel runterrutschen."

In Deutschland sähe man sich wohl nicht nur mahnenden Erziehern gegenüber, sondern noch viel mehr höchst besorgten Müttern. Stichwort Nussallergie, Kreuzallergie, weißer Zucker etc. Wir sind da einfach einen Schritt weiter. Oder so.

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