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Hilfe für Eltern Junge Britin wählt Namen für chinesische Babys aus – und verdient damit gutes Geld

Chinesisches Baby
Viele Chinesen sind auf der Suche nach westlichen Namen für ihre Babys
© chee gin tan / Getty Images
Chinesische Eltern wollen ihren Kindern gern englische Namen geben, um ihnen im Westen Türen zu öffnen. Daraus hat eine britische Teenagerin ein florierendes Geschäft gemacht.

China ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Supermacht der Zukunft – wenn das Reich der Mitte diese Rolle nicht schon jetzt eingenommen hat. Durch die fortschreitende Globalisierung wird China zum entscheidenden Wirtschaftsmarkt für europäische und amerikanische Firmen, im Gegenzug wollen auch viele Chinesen von den Möglichkeiten im Westen profitieren. Dafür fehlt ihnen allerdings oft ein passender Name.

Hier kommt Beau Jessup ins Spiel. Jessup ist 20 Jahre alt und hat das Unternehmen Special Name gegründet. Sie hat eine Marktlücke entdeckt: Die junge Engländerin empfiehlt chinesischen Eltern passende englische Namen für ihre Babys. Damit verdient sie gutes Geld – bisher schon mehr als 500.000 Dollar. Genug, um damit ihren Besuch auf dem College zu finanzieren. Insgesamt hat sie die Namen für mehr als eine Million Kinder aus China ausgesucht.

Chinesen suchen englische Namen für E-Mail-Adressen

Ihr Service ist aus zwei Gründen sehr gefragt. Zum einen möchten viele reiche chinesische Familien ihre Sprösslinge später auf Schulen oder Universitäten im Westen schicken. Dort sollen die Kinder möglichst nicht mit unpassenden Namen unangenehm auffallen, schließlich kann das schnell zu Mobbing führen. In der Vergangenheit soll es vorgekommen sein, dass chinesische Eltern ihre Kinder Gandalf, Popcorn oder Rambo genannt haben – englischsprachige Begriffe, die sie irgendwo aufgeschnappt haben.

Der zweite Grund ist eher praktischer Natur: Für eine E-Mail-Adresse braucht man einen westlichen Namen, zumindest einen, der sich mit lateinischen Buchstaben schreiben lässt. Aufgrund der Zensurmaßnahmen der Regierung hat die Bevölkerung kaum Möglichkeiten, sich selbst im Internet über englischsprachige Namen zu informieren. Dennoch fühlen sich viele Chinesen in der Kommunikation mit englischsprachigen Menschen sicherer, wenn sie selbst einen westlichen Namen tragen.

Vor allem die Namen der Royals sind beliebt

Ein Kollegin ihres Vaters hat Beau Jessup auf die Idee gebracht. Als Jessup ihren Vater auf eine Geschäftsreise nach China begleitete, fragte die, welchen englischen Namen sie ihrer Tochter geben sollte. Jessup empfahl Eliza, nach der Hauptfigur aus dem Musical "My Fair Lady". Damals war sie 16 – und hatte die Idee, diesen Service über das Internet auch vielen anderen Chinesen anzubieten. Zuerst kostenlos, dann gegen eine kleine Gebühr. Mittlerweile ist daraus ein florierendes Geschäft geworden.

Die meiste Arbeit erledigt ein Algorithmus, ähnlich wie bei Google, erklärt Jessup. User können einige Charaktereigenschaften auswählen, die sie sich für ihr Kind wünschen. Auf dieser Grundlage werden drei passende Namen vorgeschlagen, von denen die Eltern sich einen aussuchen können. Jessup kann zwar Chinesisch, muss sich dank des automatisierten Prozesses und einiger Mitarbeiter aber kaum noch um das Alltagsgeschäft kümmern. Besonders beliebt seien die Namen der britischen Royals, verrät sie: Katherine, Charlotte, Elizabeth oder William.

Quellen: CNBC / "News.com.au" / TED Talk von Beau Jessup

epp

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