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Kommunikation in der Familie: "Sagen wir erstmal Mitternacht, okay?"

Die Kommunikation in der Familie hat sich verändert, heißt es in einer neuen Studie zur Techniknutzung. Susanne Baller kann das nur bestätigen, ihr Sohn verhandelt mit ihr alles schriftlich.

Teenager reden zwar nicht besonders viel mit ihren Eltern, aber dafür schreiben sie ihnen. Dauernd.

Teenager reden zwar nicht besonders viel mit ihren Eltern, aber dafür schreiben sie ihnen. Dauernd.

Als mein Sohn sein erstes Smartphone bekam, war er 13 Jahre alt. Mit dem Telefon zog auch Whatsapp in unsere Familie ein - und brachte grundlegende Veränderungen mit. Verliebt in sein neues Spielzeug, bekam ich plötzlich zwischendurch Fotos, Nachrichten mit Herzen und Zwinkersmilies und hatte das Gefühl, viel mehr am Leben meines Kindes teilzunehmen als in den Monaten zuvor. Was für ein Segen! Wir schreiben uns, wenn es darum geht Kleinigkeiten zu regeln oder Verabredungen zu treffen, und sind damit nicht alleine.

In einer neuen Studie zur Techniknutzung, für die das Marktforschungsinstitut Ipsos Mori für Samsung 5000 Europäer zwischen 18 und 65 zu Technikausstattung, Techniknutzung und Lebensstil befragte, sagen zwei von drei Europäern: "Neue Technologien schaffen mehr Nähe in der Familie." 36 Prozent der Eltern kommunizieren per SMS mit ihren Kindern, belegt der Samsung Techonomic Index. Samsungs Marketing-Vizepräsident Georg Rötzer erklärt das so: "Auf diesem Weg halten sie engen Kontakt und schenken ihren Kindern gleichzeitig ein Stück Freiheit." Genau so habe ich das auch empfunden: lange Leine, aber im Ernstfall Zugriff.

Dann kam die Pubertät

Dass wir uns schreiben, ist natürlich toll. Was wir uns schreiben, hat sich etwas gewandelt, als das Verpuppungsstadium begann: Aus der freundlichen, mitteilungsfreudigen Raupe wurde eine, die den Kühlschrank leer isst und am liebsten möglichst wenig mit Erwachsenen kommuniziert. Mündlich jedenfalls. Zum Glück erinnert man sich ja noch an die eigene Jugend und versucht, das neue Verhalten nicht allzu persönlich zu nehmen. (Was mal mehr, mal weniger gelingt.)

Die Termine der Eltern nehmen zu, denn ob man zu Hause ist oder nicht, macht kaum noch einen Unterschied. Das Kind bleibt im eigenen Zimmer, am liebsten auf dem Bett, um nahtlos zwischen chatten, rumdaddeln und schlafen hin und her wechseln zu können. Gegessen und getrunken wird dort ebenfalls. Und ansonsten - ist es weg. Spontane Einladungen zu "Partys" bei "Freunden", deren Namen man noch nie gehört hat. Oder man trifft sich noch "im Park", "an der Alster", "an der Elbe", "haben wir gerade verabredet". Da ist es 21.45 Uhr. Auf die Frage: "Wie, du willst noch weg?" kommt ein empörtes "Es ist Freitag!", "Es ist Samstag!", "Ich hab morgen 'ne Stunde später Schule!", "Ich hab Ferien!!". Das Gefeilsche endet in: "Okay, aber um 23 Uhr bist du hier." Sohn: "Was??? Sagen wir Mitternacht!" Mutter: "Lass uns um elf noch mal whatsappen." In dem Irrglauben, man könne aus einer Kurzmitteilung die Verfassung des Kindes ablesen (Alkohol und so). Was aber um elf beginnt, sind zähe Verhandlungen.

Neue Technologien verändern unsere Beziehungen, belegt der Samsung Techonomic Index, "sie führen zu häufigem und intensivem sozialen Austausch". Mein Reden. Statt einfach zur verabredeten Zeit zu Hause sein, wird x-mal nachverhandelt. Wie war das eigentlich früher? Man war pünktlich, oder man hat Ärger gekriegt.

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