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Farbvorlieben bei der Entbindung: Nabelschnurscheren in Rosa und Blau: (K)ein schlechter Witz aus dem Kreißsaal?

Mädchen und Jungen von klein auf in feste Geschlechterrollen zu pressen, nervt nicht nur Eltern, sondern auch Kinder. Ihnen allerdings schon bei der Durchtrennung der Nabelschnur die Farben Rosa und Blau zuzuweisen, kann doch nur ein Witz für Hebammen sein. Oder?

Wenn man sich OP-Besteck vorstellt, sieht man frisch sterilisiertes blankes Metall vor seinem inneren Auge. So haben es uns die US-amerikanischen Ärzteserien schließlich stets vorgeführt. Und so sieht auch das Werkzeug unseres Zahnarztes aus. Dass es aber Ausnahmen gibt, zeigt uns gerade eine Twitter-Userin, die ein Bild aus dem Kreißsaal gepostet hat. Unter dem Namen "Hebamme im Studium" veröffentlicht sie seit Oktober Dinge, die ihr auffallen. Am Abend des 12. November war es gegendertes Einmalbesteck zum Durchtrennen der Nabelschnur, mit anderen Worten zwei Arten von Scheren mit Griffen in Rosa und Blau.

Was steckt dahinter?

Wer nun vermutet, dass medizinische Gründe die Erklärung sind, der irrt. Weder haben Jungen und Mädchen so unterschiedliche Nabelschnüre, dass sie eigene Geschlechtsscheren brauchen. Noch handelt es sich bei den Produkten um Modelle für Links- bzw. Rechtshänderscheren für die entbindenden Hebammen, was ja eventuell noch sinnvoll sein könnte. Auf die Anfrage beim Hersteller Aesculap in Tuttlingen, der vergleichbare Scheren an Krankenhäuser vertreibt, erhielt der stern zunächst die Antwort: "Naja, blau für Jungen, rosa für Mädchen." Auf den Einwand, dass Kindern an der Nabelschnur wahrscheinlich egal sei, welche Farbe die Schere hat, mit der sie von der Mutter entbunden werden, machte man sich die Mühe nachzufragen.

Und, ja: Es ist, wonach es aussieht. Ein Marketinggag. Bei Aesculap seit 2014 im Angebot. Der Hashtag rosahellblaufalle ist in der Marketingabteilung im Süden Baden-Württembergs noch nicht angekommen.

Deutlich interessanter sind dagegen die Fragen und Erklärungen, die bei Twitter dazu kursieren. Die Reaktionen reichen von scheinbarer Sorge: "Was passiert mit dem Baby, wenn man die "falsche" Schere nimmt?", über Bosheit: "Die rosafarbene schneidet automatisch den Penis mit ab, egal wo man ansetzt!", bis hin zum Wunschgeschlecht: "Wird die Nabelschnur bei der Entbindung mit der rosa Schere durchtrennt, wird es ein _Weibchen_ - nimmt man die blaue Schere, so wird es ein _Männchen_...". Alles klar?

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