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Erziehungstipps vom Experten: Hausarrest und Internetsperre - sind Strafen sinnvoll?

Halten die Kinder sich nicht an Regeln, greifen Eltern mit Strafen ein, von Stubenarrest bis Handyverbot. Doch bringt das Kinder dazu, ihr Verhalten zu ändern?, fragte der stern einen Experten.

Von Viktoria Meinholz

Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kindern lassen sich leider nicht immer vermeiden

Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kindern lassen sich leider nicht immer vermeiden

Jamie Oliver und seine Erziehungsmethoden sorgten in den letzten Tagen für Kopfschütteln: Der Spitzenkoch rächte sich an seiner Tochter, indem er ihr einen mit Chili eingeriebenen Apfel zu essen gab - weil sie frech zu ihm gewesen war. Nicht nur die kleine Poppy fand das überhaupt nicht lustig. Auch Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung und Leiter des Caritas Beratungs- und Jugendhilfezentrum Sankt Nikolaus in Mainz, hält nicht viel vom unreifen Verhalten des vierfachen Vaters: "Das geht gar nicht und ist auch nicht erlaubt. Körperliche Strafen, seelische Verletzungen, das Bloßstellen und Erniedrigen von Kindern, das alles ist ein absolutes No-Go."

"Es ist nicht mehr üblich, seine Kinder zu schlagen, es ist nicht sehr modern und nicht erlaubt", sagte Jamie Oliver zu seiner umstrittenen Chili-Erziehung. "Und wenn man, wie ich, ein Starkoch ist, liest sich das nicht besonders gut in der Zeitung. Also braucht man Alternativen." Doch sind Strafen in der Kindererziehung überhaupt sinnvoll? Nein, sagt Ulrich Gerth. "Man weiß aus der Lernpsychologie, dass die Strafe das ungeeignetste Mittel ist, um Verhalten zu steuern." Oft würden Eltern Strafen verhängen, weil sie sauer seien oder sich an den Kindern rächen wollten. Diese Aktionen hätten in der Regel keinen großen Effekt. "Viel wirksamer sind zum Beispiel Belohnungen", so Gerth. Wenn Kinder also etwas richtig machen, ist es gut, sie dafür zu loben - besonders wenn man sich genau dieses Verhalten öfter wünscht.

Folgen spüren statt sinnlos strafen

Doch was können Eltern tun, wenn die Kinder sich so gar nicht vorbildhaft verhalten? "Das Eintretenlassen von natürlichen Handlungsfolgen ist eine gute Alternative zu klassischen Strafen", sagt Gerth. Zum Beispiel könne man mit einem kleinen Kind, wenn es sein Spielzeug kaputt gemacht hat, nicht schimpfen, sondern stattdessen sagen: Es ist kaputt und du hast jetzt keins mehr, ich werde dir nicht direkt ein neues kaufen. Diese Situation müsse das Kind dann aushalten, so der Experte.

Bei Jugendlichen, die nicht zur ausgemachten Zeit nach Hause kommen, rät Gerth zu offenen Gesprächen. "Statt lange Reden zu halten, ist es logischer zu sagen: Ich habe dich bis elf Uhr rausgelassen, weil ich dir vertraut habe. Aber jetzt vertraue ich dir nicht mehr so und wir gehen wieder auf zehn Uhr zurück. Und dann musst du dich wieder hocharbeiten." Das sei dann keine willkürliche Strafe, sondern eine logisch nachvollziehbare Konsequenz.

Natürlich ist das für Eltern um einiges anstrengender, als Stubenarrest zu verhängen oder die Internetverbindung zu kappen. Daher rät Gerth dazu, sich zu überlegen, wann man sich durchsetzen will und wann man vielleicht auch einmal nachgeben könnte."Bei den wichtigen Dingen muss ich dranbleiben. Das ist anstrengend." Gerade bei diskutierwütigen Teenagern, die sich nur schwer von einer anderen Meinung als ihrer eigenen überzeugen lassen, sei es also verständlich, wenn Eltern auch mal inkonsequent seien. Sie sind schließlich auch nur Menschen.

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