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"Voll ungechillt": Pubertät – Kinder fangen an zu stinken und wollen nicht mehr kuscheln

Ihr Sohn duscht nicht, ihre Tochter färbt sich jede Woche die Haare. Die Kinderzimmer sehen aus wie Sau und Mama ist nur dazu da, den Kühlschrank zu füllen – Pubertät. Claudia Herrmann sagt in ihrem gleichnamigen Buch, wie's ist: "Voll ungechillt!".

Vier Jugendliche halten ein Schild, auf dem "For Sale" steht

Nichts kann Eltern so auf die Palme bringen wie ihre eigene Brut, insbesondere nach dem Eintritt ins Teenager-Alter, wenn sie in der Pubertät sind. Soll das vielleicht die Abnabelung erleichtern?

Das Erste, woran man erkennt, dass die Kinder in die kommen, ist der fremde Geruch im Haus. Insbesondere im Kinderzimmer, das plötzlich nach Pumakäfig riecht. Oder, so ergeht es Claudia Herrmann, wenn die Schuhe ihres Sohnes irgendwo herumstehen. Beim Betreten des Hauses kann sie sagen, ob der Junge zu Hause ist. Seine Schuhe stinken derart, dass sie Hausverbot bekommen, egal wie kalt es draußen ist – kein Mitleid Mama-seits, wenn der Junge morgens in steifgefrorenes Schuhwerk schlüpfen muss. Es geht einfach nicht anders.

Über die Pubertät wird viel geschrieben und zwar völlig zu Recht, denn diese Phase im Leben von Eltern und Kindern ist so turbulent wie keine andere. Alles, was sich im Familienleben scheinbar gerade so schön eingespielt hatte, wird infrage gestellt, ignoriert, oder missachtet. Darüber kann man sich so lange aufregen, bis das Verhältnis zum Kind unwiederbringlich zerstört ist – oder man tritt einen Schritt zurück und schreibt seine Beobachtungen auf. So wie es Claudia Herrmann in "Voll ungechillt!" getan hat, erstaunt, entsetzt, aber auch köstlich amüsiert über die eigene Brut.

Junge Eltern, lest das bloß nicht!

Wer noch keine eigenen Kinder hat oder noch ganz kleine, wird bei der Lektüre wahrscheinlich denken, die Erfahrungen der Autorin mit ihren Teenagern, Tochter 16, Sohn 14, seien völlig übertrieben oder gar frei erfunden. Doch natürlich bleibt auch Herrmann im konservativen Bayern nicht von den Kapriolen verschont, die ihre Kinder dank der Hormonumstellung für völlig normales Benehmen halten.

Dass sich die Kommunikation auf elektronische Wege verlegt und bei gemeinsamen Mahlzeiten am Tisch muffiges Schweigen herrscht, ist nur eine Ausprägung. Wie perfide aber der Unterschied zwischen on- und offline ist, schildert Herrmann anhand der E-Mails, die sie tagsüber im Büro von dem minderjährigen Teil ihrer Familie erhält. Aus Mama wird plötzlich ein zärtliches "Muhz", denn es folgt: eine Bestellung. Während die Tochter Haarfärbemittel, Konzerttickets oder einen Schwung Bücher braucht, wünscht sich der Sohn einen Kühlschrank fürs Zimmer, ein breites schwarzes Bett oder eine eigene Minibar. Der passende Amazon-Link wird immer gleich mitgeliefert. Und je nach Dringlichkeit wird aus der Anrede auch "Muhzi", "MUHZ!!" oder "MuhzMuhzMuhzMuhz". Und der schmeichlerische Abschiedsgruß mündet in ein "Pleeeeeeaaaaaassseeeee!".

Pubertät: Tagebuch des Grauens

Ein gutes Jahr lang schreibt Herrmann auf, was ihre Kinder ihr so zumuten. Selbstverständlich bleiben die beiden entspannt auf dem Sofa liegen, während sie mit Einkaufstaschen und Mineralwasserkiste beladen versucht, durch die Haustür zu kommen. Natürlich kocht sie für die Tochter vegetarisch, brät für den Sohn ein herzhaftes Steak, nimmt Rücksicht auf die Lieblingsspeisen ihres Mannes und macht sich selbst ein kohlenhydratreduziertes Abendessen. Klar kauft sie genau das ein, was ihre Kinder aktuell zum Frühstück favorisieren, denn das ist das einzige Thema, bei dem sich die beiden noch einig sind. Und hat sie etwas vergessen, fährt Mama auch abends um halb acht noch mal schnell in den Supermarkt – weil die Kinder sonst einfach ohne Frühstück aus dem Haus gehen.

Wer glaubt, Herrmann verwöhne ihre beiden Bälger einfach zu sehr, sei selbst schuld an ihrer verzogenen Brut, müsste einfach konsequenter durchgreifen, dem kann man nur viel Erfolg bei der eigenen Aufzucht wünschen. Die Autorin schafft es, mit Ironie und Sarkasmus auf diese Entwicklungsphase zu gucken und macht es dadurch ihren Lesern für ein paar Stunden leichter, mit Humor auf die absolut identischen Zustände im eigenen Haushalt zu gucken. Danke dafür!

Video-Reportage: Hilfe, mein Kind pubertiert!


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