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Neue Studie "Legalisiertes Mobbing": Wissenschaftler wollen Völkerball aus Sportunterricht verbannen

Eine Frau wird beim Völkerball von einem Ball getroffen
Angst vorm Ball: Völkerball gehört für viele zu den schlechteren Erinnerungen an die Schulzeit
© MichaelSvoboda / Getty Images
Völkerball kennt jeder aus seiner Schulzeit. Forscher kritisieren nun in einer neuen Studie, dass das Spiel immer noch im Sportunterricht vorkommt – es sei "unterdrückend" und "entmenschlichend".

Das Spiel kennt fast jeder aus dem Sportunterricht. Beim Völkerball werden zwei Teams gebildet, die sich auf jeweils einer Seite des Feldes gegenüberstehen. Dann geht es darum, die Spieler der gegnerischen Mannschaft mit einem Ball abzuwerfen, bis nur noch ein Akteur übrig ist. Seit Generationen gehört Völkerball zum Sportunterricht in Deutschland und vielen anderen Ländern fest dazu. Und nicht wenige Schüler haben aus ihrer Schulzeit ein veritables Völkerball-Trauma davongetragen, dass sich bei manchen auch zu einer generellen Abneigung gegen Ballsport ausgeweitet hat.

Wissenschaftler aus Kanada haben sich in einer Studie damit beschäftigt, wie Schüler das Spiel wahrnehmen. Sie kamen zu dem Ergebnis: Völkerball wirkt "unterdrückend" und "entmenschlichend". Das sind die Erkenntnisse einer Befragung von Schülern, die drei Forscher bei einem Kongress in Vancouver vorstellten und über die die "Washington Post" berichtet. In Nordamerika wird mit "Dodgeball" oft eine noch einmal verschärfte Variante des Völkerballs gespielt, bei der mehrere Bälle gleichzeitig verwendet werden.

Vor allem schwächere Schüler leiden unter Völkerball

"Völkerball ist gleichzusetzen mit legalisiertem Mobbing", sagte Joy Butler, eine der Autorinnen der Studie, dem Sender CBC. Butler lehrt in Vancouver an der University of British Columbia und hat davor lange selbst als Lehrerin gearbeitet. Die Studie soll demnächst im Fachjournal "European Physical Education Review" erscheinen.

Lehrer glaubten, Kinder hätten Spaß an diesem Sport und dass Völkerball Schüler "auf die reale Welt vorbereiten" würde. In Wirklichkeit aber hörten Butler und ihre Kollegen viele Geschichten von Kindern, die andere Schlüsse nahelegen. Gerade die stärkeren Schüler nutzten das Spiel, um schwächere Klassenkameraden zu demütigen.

"Sportunterricht sollte ein Ort sein, an dem Lehrer den Schülern dabei helfen, ihre Aggressionen zu kontrollieren anstatt sie auszuleben", sagte Butler der "Washington Post". "Die Botschaft des Spiels ist, dass es okay ist, andere zu verletzen." Eine Schülerin habe ihr zum Beispiel erzählt, dass sie beim Völkerball immer nach hinten laufe, um sich vor dem Ball zu verstecken: "Ist das, was sie im Unterricht lernen soll?" Stephen Berg, Professor für Pädagogik an der UBC Okanagan, sagte CBC: "In der Schule reden wir viel über Freundlichkeit, Empathie und Mitgefühl. Im Sportunterricht verschwinden alle diese Begriffe."

Lehrer sollten für mehr Ausgewogenheit im Sportunterricht sorgen

Joy Butler und ihre Forschungskollegen unterfütterten die Geschichten, die ihnen Schüler über Völkerball erzählten, in ihrer Studie mit Theorien zu Spielarten der Unterdrückung in Justiz und Politik. Erschreckend viele davon fanden sich auch in den Aussagen der Schüler wieder. Butler appelliert deshalb an Lehrer, mehr über die Spiele nachzudenken, die sie auf den Lehrplan im Sportunterricht setzen – und dabei auch die schwächeren und stilleren Schüler im Blick zu haben. 

"Sportlehrer sollten sich ihren Lehrplan anschauen und für mehr Ausgewogenheit sorgen. Das kann heißen, auf einige Spiele zu verzichten und andere Disziplinen aufzunehmen: Outdoor-Aktivitäten, Fitness, Gymnastik oder Wassersport." Als Alternative empfehlen die Wissenschaftler außerdem, dass Lehrer die Schüler selbst Spiele entwickeln lassen, auf die sie im Schulsport Lust haben. Dabei sollten sich alle Kinder gemeinsam auf die Regeln einigen.

Quellen: "Washington Post" / CBC


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