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Weltweite Unicef-Studie Eine Milliarde Kinder wird regelmäßig geschlagen

Es geht nicht nur um den sprichwörtlichen Klaps auf den Po. Es geht um schwere Misshandlungen. Millionen von Kindern sind dem weltweit ausgesetzt.

Der Schmerz kommt von Kochlöffeln, Gürteln und Stöcken, manchmal sogar Peitschen und meistens einfach nur der Hand: Eine Milliarde Kinder auf der Welt wird regelmäßig geschlagen. Was unglaublich klingt, ist das Ergebnis einer Studie des Kinderhilfswerks Unicef in 190 Ländern dieser Erde. Die Ergebnisse der Untersuchung, nach Angaben der Autoren der größten zu dem Thema überhaupt, sind erschreckend: Weltweit wird geschlagen und terrorisiert, vergewaltigt und misshandelt. Und die Opfer sind die Schwächsten: Kinder.

Sechs von zehn Kindern unter 15 Jahren werden dem Bericht zufolge regelmäßig geschlagen. Wobei in jedem sechsten Fall das Verb "schlagen" fast unpassend klingt, denn es geht um harte Schläge gegen den Kopf und Verletzungen, die gerade ein Kind schwer schädigen können.

"Verborgen in aller Öffentlichkeit"

Das sieht auch ein Drittel der Eltern so. Und trotzdem schlagen fast doppelt so viel ihre Kinder. In Deutschland ergab zwar eine Studie deutlich geringere Werte, erheblich weniger als beim Nachbarn Frankreich. Aber immerhin jedes elfte deutsche Elternpaar hat sein Kind schon einmal "schwer geschlagen", jedes 20. gar mit einem Gegenstand. Mehr als zwei Drittel gaben an, den "Klaps auf den Po" schon mal verteilt zu haben. Und das alles ist gesellschaftlich in vielen Ländern und Kulturen akzeptiert. Und wenn nicht, spricht man eben nicht darüber. Was geht es mich an, wie der Nachbar seine Kinder erzieht?

"Verborgen in aller Öffentlichkeit" nennt Unicef deshalb auch seinen Bericht. "Das sind unbequeme Fakten. Keine Regierung und auch keine Mutter und kein Vater wollen sie hören", sagte Unicef-Chef Anthony Lake. "Aber wenn wir die Öffentlichkeit nicht mit diesen lästigen Fakten behelligen, werden wir nie eine Änderung in den Köpfen erzielen. Denn viele denken immer noch, Gewalt gegen Kinder ist normal und entschuldbar. Das ist es nicht."

Familie und Schule sind die Tatorte

Finden Kinder denn gar keinen Schutz? Nicht einmal in ihrer Familie, der Schule, ihrer engsten Gemeinschaft? Dem Bericht zufolge sind genau das die Tatorte. Die Gewalt, auch und gerade die sexuelle, kommt fast immer von jemandem, den die Kinder kennen.

120 Millionen Mädchen unter 20 Jahren wurden Unicef zufolge schon Opfer sexueller Gewalt. Zum Vergleich: Deutschland hat etwa 80 Millionen Einwohner. Es geht um "erzwungenen Geschlechtsverkehr oder andere erzwungene sexuelle Akte". Und tatsächlich kommen die Täter fast immer aus dem engsten Umkreis - meistens sind es sogar die eigenen Ehemänner oder Ex-Ehemänner.

Doch was der Bericht auch offenbart, sind erhebliche regionale, oder besser gesagt kulturelle Unterschiede. In Schwarzafrika macht dem Bericht zufolge jedes zehnte Mädchen die Erfahrung, zum Sex gezwungen zu werden. In Mitteleuropa ist es nicht einmal jedes hundertste Mädchen.

Chris Melzer, DPA DPA

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