Krisenpläne Firmen wappnen sich für Vogelgrippe


Handwaschpausen für die Angestellten, Atemmasken und Handschuhe: Unternehmen in ganz Europa bereiten sich für den Fall einer Vogelgrippe-Pandemie beim Menschen vor.

Wenn es zu einer Vogelgrippe-Pandemie kommt, dann werden längst nicht nur Geflügelzüchter die Leidtragenden sein. Deshalb erstellen immer mehr Unternehmen Notfallpläne, Ziel ist teilweise Schutz der Mitarbeiter, der Bevölkerung und das wirtschaftliche Überleben der Firmen. "Es gibt viele Unternehmen, die eine Pandemie nicht durchstehen könnten", erklärt Guy Otty vom Londoner Institut Business Forums International (BFI), das seit mehr als zehn Jahren Seminare zum Risiko-Management anbietet. "Deshalb müssen jetzt Pläne gemacht werden."

Ein weltweites, logistisches Problem

Die Weltbank schätzt die Kosten eines weltweiten Vogelgrippe-Ausbruchs auf 670 Milliarden Euro pro Jahr. In den Unternehmen könnten zeitweilig bis zu 50 Prozent der Mitarbeiter ausfallen. Supermärkte, Flughäfen, Banken und alle Einrichtungen mit großem Publikumsverkehr sind besonders gefordert, sich auf eine mögliche Krankheitswelle vorzubereiten. "Es wäre weltweit das logistische Problem schlechthin", sagt British-Airways-Sprecherin Cathy West.

Der größte europäische Passagierflughafen Heathrow in London widmet verstärkter Hygiene besondere Aufmerksamkeit, wie Sprecher Damon Hunt erklärt. Mitarbeiter werden unter anderem angehalten, regelmäßig ihre Hände zu waschen, Tücher mit alkoholischer Lösung zu benutzen und die Hände nicht an den Mund zu führen. Zudem wird darauf hingewiesen, möglichst den Kontakt mit Oberflächen zu vermeiden, über die der gefährliche Erreger übertragen werden könnte - Handgriffe und Geländer beispielsweise. Der Flughafen hat außerdem Notfallpläne entworfen, wie der Betrieb auch mit weniger Personal aufrechterhalten werden könnte.

Detaillierte Notfallpläne

In Frankreich rief der Arbeitgeberverband Medef die Unternehmen auf, sich schnellstens auf den Notfall vorzubereiten. Medef gab detaillierte Empfehlungen heraus, darunter die Beschaffung von Atemschutzmasken für Mitarbeiter, die in engen Kontakt zu Kunden kommen. Vorgeschlagen wird weiter, auf den Betrieb von Klimaanlagen zu verzichten. Und im Pandemie-Fall sollte auch vom Händeschütteln abgesehen werden. Die französische Supermarktkette Auchan hat Pläne entwickelt, die alle drei Stunden eine Pause zum Händewaschen vorsehen.

Der Schweizer Supermarkt Migros versorgt rund 100 Mitarbeiter, die mit Geflügelprodukten zu tun haben, mit Schutzanzügen. Und die österreichische Kette Billa hat eine Task-Force eingesetzt, um sich auf eine mögliche Krankheitswelle vorzubereiten. "Billa hat mehr als 1900 Geschäfte in ganz Österreich und muss entscheiden, welche davon bei einer Pandemie geöffnet bleiben sollten", sagt Sprecherin Corinna Tinkler. Natürlich gebe es auch Überlegungen zum Schutz der Mitarbeiter, erklärt sie. Die britischen Supermärkte Sainsbury's und Tesco's betonen, ihre Notfallpläne stünden bereits seit vergangenem Jahr.

"Immer aufs Krisenmanagement vorbereitet"

Beim Pharmaunternehmen Schering mit Sitz in Berlin kümmert sich seit Oktober eine Arbeitsgruppe um das Thema. Einen Krisenplan für die mehr als 25.000 Mitarbeiter weltweit gibt es ebenfalls, wie Sprecherin Denise Rennmann sagt. Das Ziel sei, die Mitarbeiter zu schützen und die Produktion lebensrettender Medikamente aufrecht zu erhalten.

Die österreichische Erste Bank hat nach Angaben von Sprecher Michael Mauritz ihre Niederlassungen in Osteuropa bereits mit dem Grippemittel Tamiflu ausgestattet. Andere Unternehmen zeigen sich abwartend. Einige warnen vor voreiligen Reaktionen auf eine bislang rein theoretische Krise - oder weisen darauf hin, dass die Wirtschaft ständig für Notfälle gewappnet sein müsse. "Wir sind immer aufs Krisenmanagement vorbereitet, aber wir haben nichts Spezifisches für den Fall der Vogelgrippe", sagt Lego-Sprecherin Charlotte Simonsen.

"Wie bei der Feuerwehr"

Ähnlich sieht es die dänische Brauerei Carlsberg. "Als weltweites Unternehmen müssen wir wachsam sein, und wir haben unsere Methoden, mit denen wir das Problem angehen können, sollte es denn zu einem Problem werden", sagt Sprecher Jens Peter Skaarup. "Es ist bei uns wie bei der Feuerwehr: Wir haben die Wagen zwar zu Hause in der Garage stehen, aber wir sind darauf vorbereitet, sie einzusetzen, wenn sie gebraucht werden."

Jane Wardell/AP AP

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