HOME

Hundewelpen: Kleine Wesen, die große Verantwortung verlangen

Hundewelpen erobern uns durch ihr niedliches Aussehen und ihre unbeholfene Art. Wer sich für einen Welpen entscheidet, übernimmt jedoch Verantwortung für ein ganzes Hundeleben.

Welpen: Kleine Wesen mit großer Wirkung

Freude und Verantwortung zugleich: Die Entscheidung für einen Welpen sollte gut überlegt sein 

Getty Images

Tapsige Pfoten, runde Knopfaugen, eine kleine Nase und ein unsicherer Gang: Dass Welpen die meisten Menschen in Entzücken versetzen, ist kein Zufall. Das Kindchenschema, das bei kleinen Kindern unseren Schutzinstinkt weckt, wirkt auch beim Hundewelpen. Die Natur hat diese optischen Merkmale zum Schutz der jungen Hunde eingerichtet - wer unbeholfen und schutzbedürftig aussieht, kann nichts Böses wollen.

Verantwortung übernehmen

Welpen erobern Herzen im Sturm und machen es manchmal schwer, die Vernunft entscheiden zu lassen, wenn es um die Anschaffung eines Hundes geht. Zu stark ist das Gefühl für dieses kleine Fellbündel, das die menschliche Nähe sucht. Doch die Entscheidung für einen Welpen sollte nicht allein Herzensangelegenheit, sondern in erster Linie Kopfsache sein, schließlich übernimmt man mit einem Welpen Verantwortung für die nächsten 15 Jahre.

Um einen gesunden, wesensfesten Hund großzuziehen, ist die Herkunft des Welpen entscheidend. Der Welpenkauf sollte gut überlegt sein und nicht spontan erfolgen. Verantwortungsvolle Züchter sind vor allem an der Gesundheit ihrer Tiere interessiert, lassen die Elterntiere auf mögliche Erbkrankheiten untersuchen und nehmen sich Zeit, die neuen Besitzer kennenzulernen. Sie stehen ihnen zudem ein ganzes Hundeleben lang mit ihrer Erfahrung zur Seite. Neben seriösen Züchtern gibt es kommerzielle Hundehändler, die Hunde aus Profitgründen vermehren. Tierschützer warnen deutlich davor, Hunde aus solchen Vermehrerstätten zu kaufen. Wir geben Tipps für den Welpenkauf und zur Wahl des richtigen Züchters.

Welpen im Mutterleib

Etwa 63 Tage dauert die Trächtigkeit einer Hündin. Während dieser Zeit wachsen im Mutterleib die Embryonen heran. Nach rund 30 Tagen sind die Organsysteme des Embryos angelegt. Die Körperform ist jetzt in groben Zügen erkennbar. Nach etwa 45 Tagen sind Augenlider, Ohrmuscheln und kleine Krallen ausgebildet. Das Fell ist zu diesem Zeitpunkt noch schütter.

Ein neues Leben wird geboren

Wie viele Welpen eine Hündin zur Welt bringt, hängt neben ihrem Alter unter anderem von der Körpergröße der Elterntiere ab. Kleine Hunderassen gebären im Durchschnitt drei bis vier Welpen pro Wurf, mittelgroße Rassen bringen durchschnittlich sechs bis sieben Junge hervor und große Rassen sogar bis zu neun.

Zum Zeitpunkt der Geburt sind Welpen blind und taub, lediglich ihr Geruchs- und Tastsinn ist bereits intakt. Sie sind zunächst vollständig von der Mutterhündin abhängig, zu der sie engen Körperkontakt suchen. Die ersten beiden Wochen nach der Geburt dienen hauptsächlich der Gewichtszunahme und dem Wachstum der Welpen.

Um den 10. bis 13. Lebenstag öffnen sich die Augen und die äußeren Gehörgänge der Welpen. Sie sollten ihr Geburtsgewicht zu diesem Zeitpunkt verdoppelt haben. Jetzt unternehmen Welpen auch ihre ersten Steh- und Laufversuche. In der dritten bis vierten Lebenswoche brechen die ersten Zähne durch. Welpen nehmen ihre Umwelt jetzt verstärkt wahr und müssen eine Vielzahl neuer Reize verarbeiten. Gegen Ende der vierten Lebenswoche verlassen sie erstmals ihr Wurflager und erkunden die nähere Umgebung.

Sozialisierung von Welpen

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Sozialisierung von Welpen innerhalb der 3. bis 12. Lebenswoche erfolgt. Vor allem die 6. bis 8. Lebenswoche gilt als sensible Phase, in der Welpen den Umgang mit Sozialpartnern erlernen und behutsam an Umweltreize gewöhnt werden sollten. Positive und negative Erfahrungen, die Welpen in der Phase der Sozialisierung machen, wirken sich auf ihre weitere Entwicklung aus. Im Idealfall lernen sie durch regelmäßige Besuche in dieser Zeit auch ihre neue Familie kennen.

Trennung von der Mutter

Welpen dürfen gemäß dem geltenden Tierschutzgesetz in Deutschland frühestens in einem Alter von acht Wochen von ihrer Mutter getrennt werden. Studien unterstreichen dies: Welpen, die früher von der Mutterhündin getrennt werden, zeigen im Vergleich zu ihren Wurfgeschwistern Anzeichen von Stress, haben ein erhöhtes Risiko, zu erkranken und Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln.

Verantwortungsvolle Züchter geben ihre Welpen im Alter von acht bis zwölf Wochen in ihr neues Zuhause. Die jungen Hunde befinden sich in diesem Alter noch immer in der Phase der Sozialisierung - ein guter Zeitpunkt, um zu ihrer neuen Familie zu ziehen.

Im neuen Zuhause

Der Umzug ins neue Zuhause bedeutet für einen Welpen eine große Umstellung. Er ist jetzt von seiner Mutter und seinen Geschwistern getrennt, ihr Geruch und ihre Wärme fehlen plötzlich. Welpen brauchen nun die Nähe des Menschen und genießen das Kontaktliegen.

Wenn Welpen in ihrem neuen Zuhause ankommen, sollten bereits einige Vorkehrungen getroffen worden sein. Ähnlich wie Kleinkinder müssen Welpen vor Gefahren im Haushalt geschützt werden, schließlich untersuchen die neugierigen Hundekinder gern alles in ihrer neuen Umgebung. Elektrische Geräte und Kabel sollten sich außerhalb ihrer Reichweite befinden. Balkongeländer und Öffnungen im Gartenzaun müssen gesichert werden, Haushaltsreiniger, Dünger und Unkrautvernichter gehören hinter verschlossene Türen.

Zur Ausstattung eines Welpen gehört neben dem Schlafplatz, ein Futter- sowie ein Trinknapf, ein Spielzeug, ein Halsband oder Geschirr und eine Leine. Die Verführung ist groß, vor der Ankunft des Welpen bereits in schönstes Hundezubehör zu investieren. Solange Welpen nicht stubenrein sind und ihre Zähnchen an Ihrem Inventar ausprobieren, eignen sich jedoch gebrauchte Decken und Handtücher genauso gut.

Wie Welpen stubenrein werden

Wer einen Welpen aufnimmt, braucht zu Beginn viel Zeit. Welpen müssen rund um die Uhr beaufsichtigt werden und sollten nicht allein gelassen werden. Die Kontrolle über Blase und Darm beginnt bei Welpen im Alter von zehn bis zwölf Wochen. Diese Entwicklung ist erst mit etwa vier bis sechs Monaten abgeschlossen. Zudem ist das Fassungsvermögen von Blase und Darm in den ersten Lebensmonaten gering. Aus diesem Grund sollten Welpen anfangs im Abstand von ein bis zwei Stunden sowie nach dem Schlafen, Fressen und Spielen die Möglichkeit haben, sich zu lösen.

Wer seinen Welpen aufmerksam beobachtet, erkennt binnen kurzer Zeit die Anzeichen dafür, dass der junge Hund nach draußen muss. Kleine Missgeschicke in der Wohnung sollten kommentarlos beseitigt werden. Schimpfen oder Strafen können den Welpen verunsichern und sein Vertrauen in den Menschen schwächen, schließlich muss er erst lernen, wo er sein Geschäft verrichten darf. Um einen Welpen stubenrein zu bekommen, braucht es vor allem Geduld und Verständnis. Die meisten Welpen sind im Alter von etwa sechs Monaten stubenrein.

Die richtige Ernährung

Weil Welpen einen anderen Nährstoff- und Energiebedarf haben als erwachsene Hunde, kommt ihrer Ernährung eine besondere Bedeutung zu. Sie befinden sich im Wachstum und sind auf eine optimale Nährstoffzusammensetzung im Futter angewiesen, um sich gesund zu entwickeln. Ihr Energiebedarf ist etwa doppelt so hoch wie der erwachsener Hunde. Auch der Eiweißbedarf ist bei Welpen deutlich höher. Experten empfehlen für Welpenfutter einen Proteingehalt von mindestens 20 bis 25 Prozent. Zudem sollte das Eiweiß hochwertig und leicht verdaulich sein.

Auch der Anteil von Kalzium und Phosphor im Welpenfutter sollte beachtet werden. Welpen haben wachstumsbedingt einen hohen Bedarf an Kalzium. Neben einer ausreichenden Versorgung mit beiden Mineralien ist das richtige Verhältnis von Kalzium und Phosphor zueinander wichtig, um Skelettstörungen zu vermeiden.

Hochwertiges Welpenfutter ist auf die speziellen Bedürfnisse von Welpen zugeschnitten und gewährleistet, dass kleine Vierbeiner über die Nahrung optimal versorgt werden. Auch die Rohfütterung, das sogenannte Barfen, ist bei Welpen möglich. Hundebesitzer sollten sich in diesem Fall bei einem Ernährungsberater für Hunde informieren, um mögliche Fehler in der Fütterung zu vermeiden.

Um das Verdauungssystem von Welpen nicht zu überlasten, sollten sie bis zur 12. Lebenswoche vier bis fünf kleinere Mahlzeiten pro Tag bekommen. Die Anzahl der Mahlzeiten kann anschließend langsam reduziert werden, sodass junge Hunde im Alter von sechs Monaten nur noch zwei Mahlzeiten am Tag erhalten.

Wann das Wachstum von Welpen abgeschlossen ist und die Ernährung angepasst werden kann, hängt von der zu erwartenden Größe des Welpen ab. Kleine Hunderassen sind mit etwa acht bis zehn Monaten ausgewachsen, mittelgroße Rassen mit etwa zwölf Monaten. Die Wachstumsphase von großen Rassen endet mit etwa 15 bis 18 Monaten, sehr große Rassen sind sogar erst mit zwei Jahren ausgewachsen.

Konsequente Erziehung

Die Erziehung von Welpen erfordert ein besonderes Maß an Konsequenz. Kleine Vierbeiner können nur schwer lernen, was erlaubt und was verboten ist, wenn der Mensch sich nicht von Anfang an konsequent und klar verhält. Ist das Sofa für den ausgewachsenen Hund tabu? Dann darf er auch als Welpe nicht hinaufspringen. Welpen bestechen durch ihr entzückendes Aussehen und lassen viele Vorsätze in den Hintergrund rücken. Das rächt sich jedoch spätestens dann, wenn aus dem niedlichen Zwerg ein 40 Kilo-Hund geworden ist, der seinen Kopf bettelnd auf die Tischkante legt.

Unterstützung in der Erziehung von Welpen leisten Hundeschulen und Vereine. Bereits ab einem Alter von zehn bis zwölf Wochen können Welpen an Welpenspielgruppen teilnehmen. Sie finden hier Kontakt zu gleichaltrigen Hunden und machen wichtige Lernerfahrungen. Entscheidend für den Erfolg einer Welpenspielgruppe ist die Kompetenz des Trainers oder der Trainerin und die Qualität des Spiels. Es empfiehlt sich, die Welpen je nach Alter und individueller Entwicklung in Gruppen aufzuteilen. Welpen sollten beim gemeinsamen Spiel stets beaufsichtigt werden. Trainer und Hundebesitzer erhalten dabei Einblicke in das Wesen jedes Hundes und können das Spiel unterbrechen, wenn es zu wild wird oder ein Welpe gemobbt wird.

Tipps für den Welpenkauf

Der illegale Handel mit Welpen ist ein großes Geschäft. Vor allem in Osteuropa werden Welpen in großer Zahl vermehrt, um sie in alle Teile des Kontinents und auch nach Deutschland zu verkaufen. In Welpenfabriken und Hinterhofzuchten kommen Hunde zur Welt, die viel zu früh von ihrer Mutter getrennt und medizinisch mangelhaft versorgt werden. Die Elterntiere leben unter unwürdigen Bedingungen in Verschlägen oder Kellern, häufig ohne Tageslicht und Kontakt zum Menschen. Die Welpen werden im Alter von vier bis sieben Wochen von der Mutter getrennt und in Kleinlaster verladen, um in Richtung Westen transportiert und dort weiterverkauft zu werden. Belgien und die Niederlande gelten als Drehscheibe des Welpenhandels. Von hier aus werden die Welpen über Großhändler weiterverkauft und gelangen als "liebevolle Familienaufzucht" nach Deutschland.

Mit der Initiative "Welpen sind keine Ware" setzen sich der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), die Tierschutzorganisation TASSO, DOGS, der Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V. (bmt) und weitere Tierschutzorganisationen gemeinsam gegen den Welpenhandel ein. Das Aktionsbündnis warnt davor, Welpen aus unseriöser Herkunft zu kaufen. Die "Schnäppchenpreise", zu denen die Welpen angeboten werden, entpuppen sich als Mogelpackung und werden auf Kosten der Hunde kalkuliert. 

 

Welpen aus Vermehrerherkunft sind weder geimpft noch verfügen sie über einen Heimtierausweis oder einen Mikrochip. Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten können zudem die Folge sein und sind mit erheblichen Folgekosten für den Hundebesitzer verbunden. Und: Solange es Abnehmer für Welpen aus osteuropäischen Hundefabriken gibt, wird das Leid der Tiere kein Ende finden.

Welpen sollten deshalb niemals über das Internet oder Kleinanzeigen gekauft werden. Interessenten sollten die Zuchtstätte besuchen und sich die Mutterhündin zeigen lassen. Ein verantwortungsvoller Züchter wird sich zudem immer darüber informieren, wie der Welpe bei Ihnen zu Hause leben wird und Ihnen auch nach dem Umzug des Welpen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Das Aktionsbündnis "Welpen sind keine Ware" hat eine Checkliste für den Welpenkauf erarbeitet, die Welpenkäufern dabei helfen kann, kommerzielle Hundehändler von seriösen Züchtern zu unterscheiden:
1. Sehen Sie das Muttertier?

Lassen Sie sich die Mutterhündin zeigen und beobachten Sie, wie sie mit ihren Welpen umgeht. Hundehändler lehnen dies häufig ab oder präsentieren Ihnen eine andere Hündin, die nicht die Mutter der Welpen ist.

2. Wie hoch ist der Preis?

Für Welpen aus seriöser Zucht liegen die Preise bei 600 Euro und mehr. Welpen, die für deutlich weniger Geld verkauft werden, könnten aus Vermehrerherkunft stammen.

3. Wo wird der Welpe verkauft?

Wenn Welpen auf Parkplätzen, Hinterhöfen, auf Märkten, aus dem Kofferraum oder über das Internet verkauft werden, haben Sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit mit kommerziellem Hundehandel zu tun.

4. Stellt der Verkäufer Fragen?

Verantwortungsvolle Züchter informieren sich darüber, wo und wie ihre Welpen künftig leben werden. Wer keine Fragen stellt, hat vor allem den Profit im Blick.

5. Gibt es einen Kaufvertrag?

Ein Kaufvertrag für Welpen sollte Namen und Adresse des Verkäufers sowie den Kaufpreis enthalten.

6. Welchen Eindruck machen die Welpen?

Sehen die jungen Hunde zu dünn oder aufgebläht aus? Sind sie apathisch oder verängstigt, wirkt ihr Fell stumpf und ungepflegt? Dann sollten Sie die Finger davon lassen.

7. Wie groß ist das Angebot an Welpen?

Wie viele Rassen bietet der Verkäufer an? Sind es mehr als zwei Rassen und mehr als vier Würfe im Jahr, sollten Sie vorsichtig sein. Dahinter verbirgt sich oft kommerzielle Welpenvermehrung.

8. Wie verläuft die Verhandlung?

Bevor Welpen an ihre neuen Besitzer übergeben werden, sollten mehrere Kennenlerntreffen stattfinden. Auf einem Spaziergang zeigt sich, ob der Welpe das Gehen an der Leine bereits kennt und wie er auf die Umwelt reagiert. Welpenkäufer sollten hier außerdem vom Züchter hinsichtlich ihrer Entscheidung beraten werden.

Um Welpenkäufern die Suche nach einem verantwortungsvollen Züchter zu erleichtern, hat der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) das Service-Portal www.hier-ist-mein-welpe.de ins Leben gerufen. Hundefreunde finden auf der Webseite Informationen zur Wahl der Rasse und zu den Anforderungen, die Welpen an ihre neuen Besitzer und ihr Umfeld stellen. Ein besonderer Service ist die Züchtersuche in der Umgebung des eigenen Wohnortes. Nach Eingabe der Postleitzahl erhalten Interessenten einen Überblick über die Züchter einer Rasse in ihrer Nähe.

Süße Szene: Mini-Hundewelpe tanzt seinem Herrchen alles nach

Wissenscommunity