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Mit Down-Syndrom auf der Bühne: "Ich bin ganz normal"

Der Berliner Schauspieler Sebastian Urbanski hat ein Buch über sein Leben mit dem Down-Syndrom geschrieben. Das hat ihn gerettet, als er zu erblinden drohte.

Schauspieler und Synchronsprecher Sebastian Urbanski ist "am liebsten Hamlet"

Schauspieler und Synchronsprecher Sebastian Urbanski ist "am liebsten Hamlet"

Die sind behindert, nicht ich." Sebastian Urbanski meint damit die Menschen, die sich in der Straßenbahn von ihm wegsetzen oder in einer Babysprache mit ihm sprechen. Oder den Türsteher, der den Begleiter fragte: "Wie alt ist er denn?" Sebastian Urbanski ist 37 Jahre alt, lebt in seiner Heimatstadt Berlin und hat das Down-Syndrom. Doch er fühlt sich nicht behindert: "Ich bin ganz normal. Ich leide nicht am Down-Syndrom, man sieht mir das Syndrom kaum an. Dass ich das Syndrom habe, wird mir nur bewusst, wenn ich meinen Schwerbehindertenausweis vorzeigen muss, um eine Ermäßigung zu bekommen."

Mittlerweile wird Sebastian häufig angesprochen, auf der Straße, beim Einkaufen oder im Urlaub: "Bist du nicht Schauspieler? Ich habe dich im Fernsehen gesehen, ich bin dein Fan." "Solche Überraschungen sind richtig schön", sagt Sebastian Urbanski. Er hat im ARD-Film "So wie du bist" einen Mann mit Down-Syndrom gespielt, der eine Frau mit Down-Syndrom heiratet. In der ARD-Serie "Zeig mir deine Welt" hat er über sein Leben erzählt. Und er spielt im integrativen #link;http://www.theater-rambazamba.org/; Theater RambaZamba# im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg mit, in dem Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung auf der Bühne stehen. Dort hat der 37-Jährige auch seine Freundin kennengelernt.

Die richtige Herausforderung

Theaterspielen ist für Sebastian "das Wichtigste in meinem Leben". Seine Mutter Bettina Urbanski, die ihn auch managt, sagt: "Sebastians Theaterarbeit gibt ihm viel Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit." Mit dem Theaterspielen fing der Berliner im Jahr 2000 an, weil er einen Ausgleich zu seiner täglichen Werkstatt-Arbeit suchte. Viele Mitglieder im Theater RambaZamba arbeiteten tagsüber in einer Werkstatt und probten dann abends. Sebastian gefiel, dass er gefordert wurde: Seine Texte wurden immer schwerer, für einige Stücke musste er Geige und Saxofon spielen lernen, später kam noch Klavierunterricht dazu. 2007 erhielt das Theater den Status einer Kunst-Werkstatt. Aus den Mitgliedern der Theatergruppen wurden fest angestellte Schauspieler.

Heute spielt Sebastian auch in seiner Freizeit immer noch gerne Theater. Er improvisiert dann mit seinen Eltern oder seinen Freunden. Sebastian hat schon viele Rollen gespielt: "Aber am liebsten bin ich immer noch Hamlet. Weil man selbst verrückt sein muss, um Hamlet spielen zu können." Auch seine Biografie, die im Fischer-Verlag erschienen ist, heißt: "Am liebsten bin ich Hamlet".

"Meine Fantasie hat mich gerettet"

"Das Buch war Sebastians Rettung", erzählt seine Mutter. Denn 2014 hatte er plötzlich Grauen Star. Er drohte zu erblinden, konnte keine Farben mehr sehen, nicht mehr lesen, nicht mehr Theater spielen. "Ich war körperlich und seelisch völlig am Ende", erzählt Sebastian. Er erzählte der Ghostwriterin des Verlags seine Lebensgeschichte. Er schaute Filme, die er nur noch vor seinem inneren Auge sehen konnte. Und er hörte Hörbücher. "Meine Fantasie hat mich gerettet." Sebastian wurde an beiden Augen erfolgreich operiert und fühlte sich wie neugeboren, als er wieder Farben sehen konnte.

Nun spielt er wieder Theater - derzeit in Astrid Lindgrens Stück "Die Brüder Löwenherz" in einem Benefizprojekt für behinderte Kinder im Libanon. Er arbeitet auch als Synchronsprecher - und möchte auch wieder in einem Film mitspielen. "Ich hab schon ein sehr bewegtes Leben hinter mir - und immer noch eins vor mir. Anderssein ist keine Einschränkung, ich bin ein sehr glücklicher Mensch", sagt Sebastian.

Martin Donath, DPA/DPA

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