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Einsamkeit 75-Jähriger verliert seine Frau – jetzt sucht er mit einem Plakat verzweifelt Freunde

Alter Mann am Fenster
Besonders ältere Menschen, die ihre Partner verloren haben, sind von Einsamkeit betroffen (Symbolbild)
© lucigerma / Getty Images
Seit dem Tod seiner Frau im Mai hat Tony Williams oft tagelang mit niemandem gesprochen. In seiner Verzweiflung hängte der einsame 75-Jährige ein Plakat in sein Fenster. Jetzt kann er sich vor Kontaktanfragen kaum retten.

Aus den Zeilen spricht die pure Verzweiflung. "Ich habe Jo verloren, meine wunderbare Frau, meine Seelenverwandte. Ich habe keine Freunde und keine Familie, niemanden, mit dem ich reden kann. Die nicht endende Stille, 24 Stunden am Tag, ist für mich unerträglich." Dann die Bitte: "Kann mir denn niemand helfen?"

Diese Sätze stehen auf einem Plakat, das im Fenster von Tony Williams hängt. Jo ist seine Frau, sie ist im Mai gestorben. Seitdem ist der 75 Jahre alte Mann, der in der englischen Grafschaft East Hampshire lebt, allein – Tag für Tag. "Jo war meine beste Freundin und wir hatten ein wunderbares Leben. Aber nun bin ich ganz auf mich gestellt", erzählte er dem britischen Portal "Tyla". Deshalb sucht Tony Williams jetzt öffentlich nach Freunden.

Einsamer Witwer: "Es fühlt sich an, als wollte niemand mit mir reden"

Man kann dem Witwer nicht vorwerfen, dass er sich bisher nicht bemüht hätte. Nachdem er die Trauer nach dem Tod seiner Frau etwas überwunden hatte, schaltete Williams zunächst zwei Anzeigen in der lokalen Zeitung. Doch es kam keine Rückmeldung. Anschließend ließ er Visitenkarten mit seinem Namen und seinen Kontaktdaten drucken, die er Menschen, denen er auf der Straße oder im Supermarkt begegnete, geben wollte. 23 davon verteilte er, doch auch daraufhin meldete sich niemand. Kinder hatte das Ehepaar nicht, die wenigen Verwandten wohnen weit weg. Natürlich spielte auch die Covid-19-Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen eine Rolle.

Als letzten Verzweiflungsakt entschied sich Tony Williams dazu, ein Plakat in sein Fenster zu hängen. Das sei sein "letzter Ausweg", sagte er "Tyla": "Ich habe versucht, Freunde zu finden, aber es fühlt sich an, als wollte niemand mit mir reden. An meinem Haus kommen nicht viele Leute vorbei. Aber ich hoffe, dass es sich in der Gegend rumspricht und sich jemand meldet." Williams hofft auf einen Freund, mit dem er gemeinsam Musik hören und Zeit verbringen kann. "Ich brauche niemanden, bei dem ich mich ausheulen kann", sagt er. "Einfach eine normale Person, mit der ich mich unterhalten kann." 

Mit seiner Frau hatte Williams oft zusammen gekocht, Musik gehört oder einfach geredet und gelacht. 35 Jahre lang kannten sich die beiden. Seit ihrem Tod habe er oft tagelang mit niemandem geredet und einfach darauf gewartet, dass das Telefon klingelt, erzählte er "Tyla". Das Telefon klingelt nie.

Happy End: Witwer wird mit Post überschüttet

Tony Williams ist einer von vielen Menschen, die unter ihrer Einsamkeit leiden. In Großbritannien gibt es deshalb sogar ein eigenes Ministerium für Einsamkeit. Oft sind ältere Menschen davon betroffen, die nach dem Verlust ihres Partners keinerlei Sozialkontakte mehr haben.

Zumindest für Tony Williams scheint die Geschichte allerdings gut auszugehen. Mehrere große britische Medien wurden auf seinen Fall aufmerksam, Menschen im ganzen Land erfuhren von dem verzweifelten Witwer. Darauf folgte ein regelrechter "Tsunami" von Briefen, E-Mails und Anrufen, berichtete ein gerührter Williams "Sky News": "Es ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität: die Aufrichtigkeit, die Empathie aus der ganzen Welt. Diese Menschen empfinden meine Einsamkeit als ihren eigenen Schmerz. Manchmal kann ich einfach nur weinen."

Quellen: "Tyla" / "Sky News"


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