HOME
Meinung

Unisex-Klo: Eine Toilette für alle Geschlechter – wo ist da eigentlich das Problem?

Zu Hause tun wir es, bei Freunden auch, aber im öffentlichen Raum gibt es große Aufregung, wenn sich Männer und Frauen eine Toilette teilen sollen. Dabei ist das nicht nur kostensparend, sondern erfüllt auch aktuelle Bedürfnisse.

Toilettensymbol und Toilette

Noch ist es ungewohnt, dass Männer und Frauen sich in öffentlichen Räumen die Toilette teilen. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Während in Berlin seit geraumer Zeit diskutiert wird, ob in öffentlichen Gebäuden Unisex-Toiletten eingerichtet werden und das Ergebnis einer "Machbarkeitsstudie" für Ende März angekündigt wurde, hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer vorgelegt: In der baden-württembergischen Stadt hat ein Bürogebäude der Stadtverwaltung sein erstes Klo für alle Geschlechter. Weil es praktisch ist. Oder, wie die "Bild" den 44-jährigen OB zitiert: "Die Lösung ist fortschrittlich und kostengünstig."

Die Debatte um hat in den letzten Monaten nicht nur aus monetären Gründen viel Raum eingenommen. Intersexuelle ebenso wie Transgender-Menschen beklagen seit langer Zeit, dass sie unter der Unterteilung nach Geschlecht leiden, weil sie auf Erstere gar nicht und auf Letztere in vielen Fällen nicht mehr beziehungsweise noch nicht zutrifft. Für klassisch konservativ Denkende hingegen ist eine Welt jenseits der binären Einteilung ein Graus. 

Unisex-Toiletten: Der Trick mit der Angst

Die AfD setzt bei dem Thema auf Angst. "Unisex-Toiletten widersprechen Schutzbedürfnis von Frauen" ist die Meinung der Landtagsabgeordneten Gabriele Bublies-Leifert übertitelt, in der sie schreibt: "Die AfD mahnt immer wieder einen wirksameren Schutz der deutschen Bevölkerung, allen voran unserer Frauen, an, stößt aber leider auf ebenso hartnäckige wie unverantwortliche Verharmlosungen und politisch korrekte Denkverbote. Das muss jetzt endlich ein Ende haben!"

Warum Frauen auf gemeinsam genutzten Toiletten größerer Gefahr ausgesetzt sein sollen als auf getrennten, wird allerdings nicht erklärt. Wie auch? Es ist einfach Unsinn und Panikmache.

Nur eine Frage der Zeit

Während wir in der Bahn oder im Flugzeug keine Sekunde zögern, uns mit allen Mitreisenden das Klo zu teilen, existieren große Vorbehalte, wenn das auch gängige Praxis in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Universitäten oder Büros werden soll. Vermutlich insbesondere bei Frauen, weil sie naturbedingt nicht im Stehen pinkeln können. Dabei wären sie diejenigen, die durchaus Vorteile davon hätten: Vor Damen-WCs gibt es oft elend lange Schlangen und – wer hätte das gedacht? – Damen-WCs sind dreckiger.

Die Kulturgeschichte der Toilette ist lang. Von der Gemeinschaftstoilette im alten Rom, wo auf dem stillen Örtchen im doppelten Wortsinn große Geschäfte gemacht wurden, über die Gründung einer Sittenpolizei, die ab 1751 "öffentliches Koten und Urinieren" verhindern sollte, bis hin zur heutigen Zeit, wo Toilettenräume durch Trennwände in Einzelkabinen unterteilt werden. Alles eine Frage der Gewöhnung. 

So wird es auch für uns wahrscheinlich anfangs merkwürdig sein, gemeinsam mit einem Bürokollegen anderen Geschlechts einen Raum mit Unisextoiletten aufzusuchen. Aber nach ein, zwei Tagen können wir es uns schon nicht mehr anders vorstellen.

Das Thema kann endlich mal vom Tisch.


Wissenscommunity